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"Sämtliches, was Blut ist, sollst Du nicht essen oder trinken" – Parascha Zaw

Sämtliches, was Blut ist, sollst Du nicht essen oder trinken - Parascha Zaw
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“Sämtliches, was Blut ist, sollst Du  nicht essen oder trinken”.

Maimonides (elfhundertfünfunddreißig-zwölfhundertvier) meinte, dass Blut verboten sei, da es in früheren Zeiten mit Götzendienst in Verbindung gebracht wurde: “Obwohl Blut aus der Sichtweise verschiedener Sekten unrein war, aßen sie es doch, da es als Nahrung für Teufel betrachtet wurde. Wenn man das aß, kam man mit unreinen Geistern in Kontakt, die die Zukunft vorhersagten. Obwohl es keinem Menschen nach Blut durstete, wurde das Blut nach dem Schlachten in Kannen oder Gefäßen, evtl. auch in Becken, aufgefangen und man aß das geschlachtete Fleisch dazu. Da man so zu sagen in Wirklichkeit “zu Tisch” mit Teufeln (Schedim) saß, glaubte man, durch dieses gemeinsame “Festmahl” mit den Geistern in Verbindung treten zu können (Moré Newuchim 46:3).

Moloch-Götzendienst

Diese Praktiken waren weit verbreitet und niemand zweifelte an deren Erfolg. Die Art und Weise, wie die Thora mit Blutessern verfährt, ist beinahe genau so, wie sie sich dem Moloch-Götzendienst mit seinen Kinderopfern annähert: “ICH werde Mein Antlitz gegen die Figur richten”. Hierbei sind das Essen von Blut und Götzendienst gleich. Im Tempel hatte übrigens das Blut gerade eine säubernde, versöhnende Wirkung für unsere Neschommes (Seelen).

 

Die Seele des Fleisches

Nachmanides (dreizehntes Jahrhundert) schließt sich der wörtlichen Erklärung oder Begründung dieses Passuks an: “denn die Seele allen Fleisches befindet sich in seinem Blut”. Die Seele des Fleisches befindet sich also im Blut. Etwas weiter steht in der Thora, dass wir stark (oder standhaft) bleiben sollten, um das Blut nicht zu essen, denn “das Blut ist die Seele und Du sollst nicht die Seele zusammen mit dem Fleisch essen”. Obwohl die gesamte Welt für den Menschen erschaffen wurde – da er der Einzige ist, der seinen Schöpfer anerkennt und an IHN glaubt – wurden ursprünglich nur ausschließlich pflanzliche Produkte zum Verzehr erlaubt: ” Schaut her, ICH habe Euch alles Gewachsene und alle Obstbäume gegeben”. Aber als alle Tiere anlässlich der Sintflut durch die Verdienste von Noah gerettet wurden, hatte G”tt erlaubt, sie zu schlachten. Seitdem ist das Tierleben in den Nutzen des Menschen übergegangen. Der Körper des Tieres wurde dem Menschen zur Verwendung und zum Verzehr gegeben, während die tierische Seele auf dem Altar Kappara  (Sühne) erbringen sollte. Deshalb darf die Seele nicht gegessen werden.

 

natürlichen tierischen Instinkte

Rabbejnu Bachja ibn Pakuda (elftes Jahrhundert) vermerkt, dass tierisches Blut für den Altar bestimmt sei. Zudem ist die tierische Seele im Blut auf eine andere Weise verankert. Hier sind die natürlichen tierischen Instinkte mit verknüpft und deshalb ist es verboten, tierisches Blut mit unserem Blut zu vermischen: “Du bist, was Du isst”. Würden wir das Blut von Tieren essen, dann würden wir in unsere Persönlichkeit etwas dieser brutalen, groben Charaktereigenschaften übernehmen. (Bei OP’s ist es gestattet, das Herz eines Schweins zu transplantieren. Aber dort findet kein Blut-Vermischung, auch nicht geringfügig, statt.

 

Grausamkeit zügeln

Andere erklären das Blut-Verbot als einen Versuch, die Gewalt oder Grausamkeit zu zügeln. Eine tiefer gehende Analyse ist der Gedanke, dass, obwohl der Mensch eine bestimmte Herrschaft über die Tiere erhalten hat, es doch nicht die Absicht war, dass der Mensch das Tierreich komplett beherrschen und nach seinem Gutdünken ausrichten sollte.

 

Läuterung mit Blut

Rabbi Jitzchak Abarbanel (fünfzehntes Jahrhundert) schreibt, dass das Blut dafür sorgt, dass die Seele im gesamten Körper verteilt wird. Die Aussage: “Denn die Seele des Fleisches ist im Blut” bezieht sich auf die MENSCHLICHE Seele. Unsere Seele befindet sich im Blut und deshalb kommt unser Tikkun (die Läuterung auf dem Altar) auch mit/aus Blut.

Grobheit und Gewalt

Darüber hinaus besagt Abarbanel, dass, wenn das tierische und das menschliche Blut mit einander vermischt werden, hieraus Grobheit und Gewalt hervor kommt. Da wir eine höhere geistige Berufung haben, gehört es nicht zu uns, dieses Blut zu verspeisen.

Tier nicht mit Haut und Haar auffressen

Weiterhin würde man behaupten können, dass das Blut bei einem Tier die Seele sei – es hat nicht viel mehr. Wenn man blutiges Fleisch und/oder Fleisch mit Blut isst, ist es so, als ob man das gesamte Tier mit Haut und Haar aufgefressen hätte.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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