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PRUSBUL: RABBINISCHES VORGEHEN VERSTÄRKT DIE AUTORITÄT DER TORA – Parascha Mischpatim

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„Dieses sind die Vorschriften, die du ihnen vorlegen sollst“

Schmot 21:1

Mischpatim bedeutet „Ziviles Recht“ und dieses bildet den Hauptbestandteil der Sidra (Parscha). Viele Angelegenheiten kommen zur Sprache. So wird geregelt, dass Eigentümer von Tieren dafür zu sorgen haben, dass diese keinen Schaden anrichten und dass potentielle Schadenverursacher entfernt werden. Selbstschutz ist erlaubt (selbst wenn man den Aggressor töten muss) und das Schmitta-Jahr, das siebte Schabbat-Jahr, wird beschrieben, in dem die Früchte des Feldes für die Armen sind und Schulden unwirksam werden indem das Recht, diese ein zu treiben, entfällt bezw. verfällt.

Besondere Maßnahmen

Wenn das Bejth Din (der Gerichtshof) besondere Bestimmungen ein führt, ist das nicht, um die Thora durch ein alternatives System zu umgehen. Die Thora gibt den Chachamim (den Weisen) das Recht, besondere Bestimmungen zu veranlassen, um die Autorität des G“ttlichen Rechtsystems zu bekräftigen.

PRUSBUL…EIN NEUES GESETZ?

Im Laufe der Jahre traten neue Bestimmungen in Kraft. Es sieht manches Mal so aus, dass man Lücken in den Thoragesetzen sucht. Hillel (erstes Jahrhundert) hat den Prusbul zum Beispiel eingeführt, der das Eintreiben von Schulden nach dem siebten Jahr doch wieder ermöglicht. Der Schuldenerlass (Schmita=das Erlassen von Schulden) wird somit durch Hillel ausgehebelt.

Die Antwort auf Fehlverhalten

Dieses war kein Versuch, um die Mitzwa des Siebenten, des Sabbatical-Jahres, Schmita – dem nicht mehr Einfordern des Außenstandes, also der Abstandnahme von der Forderung nach dem siebenten Jahr – zu umschiffen, sondern es war seine Antwort auf das Fehlverhalten der Menschen. Die Thora schreibt (Dewarim/Deut. 15:9): „Passen Sie davor auf, dass kein unlauterer Gedanke in Ihrem Herzen eintritt: das siebte Jahr, das Jahr des Erlassens, nähert sich – weshalb Sie ihrem armen Bruder gegenüber hartherzig und ihm nichts geben würden, sodass er gegen Sie zu G“tt riefe und Sie sich versündigten. Sie werden ihm, mit Milde gestimmt, geben und Ihr Herz wird nicht verschlossen sein, wenn Ihr ihm gebet, denn aus diesem Grund wird G“tt Sie auf allen Ihren Wegen und bei allen Ihren Handlungen segnen“.

Abwägung

Was war der Fall? Menschen weigerten sich, weiterhin Geld zu verleihen (an Arme) aus der Befürchtung, dass das sich nähernde siebte Jahr (Schmitajahr) die Forderungen aufheben würde, so dass die Gläubiger ihr Geld nie wieder sehen würden. Hillel führte den Prusbul ein, um die Menschen zu bewegen, dem Thora-Auftrag des Ausleihens zu entsprechen. Der Prusbul ist also nicht so sehr eine Lücke im Gesetz, sondern eine Abwägung davon, was die wichtigsten Zielsetzungen der Thora sind.

Trotz allem entsteht bei manchen der Eindruck, dass Hillel die Mitzwa von Schmita außer Kraft gesetzt hat. Dies ist sicherlich nicht der Fall; ich nenne einige Argumente:

  • Hillel hatte nur die Rechtsgewalt, den Prusbul ein zu führen, da das Gesetz der Schmita heutzutage lediglich eine Rabbinische Entscheidung ist (wäre das eine Thora-Entscheidung gewesen, hätte der Prusbul nie eingeführt werden dürfen).
  • Hillel hat nie etwas gegen die Thora eingeführt. Die Thora erteilt den Auftrag „was Du von Deinem Nächsten noch zu fordern hast, musst Du los lassen“ Dewarim/Deut. 15:3). Das impliziert, dass Du Deine eigenen Forderungen nicht anmahnen darfst, aber wohl die Schulden anderer. Der Prusbul regelt das Übertragen von Forderungen an eine Einrichtung, sodass formell auf alle Fälle keine eigenen Außenstände eingefordert werden.

Wie dem auch sei, Hillel erklärte nicht, das es nun mal an der Zeit für Veränderung sei. Im Gegenteil! Hillel suchte einen Weg, um die Beachtung der Thora-Vorschriften zu fördern. Hillel versuchte, die positive Wirkung aus zwei sich gegenüberstehenden Anweisungen zu erreichen.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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