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SCHAWUOT: OFFENBARUNG UND DAS SICH SELBER EINBRINGEN – Parascha Bamidbar

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SCHAWUOT: OFFENBARUNG UND DAS SICH SELBER EINBRINGEN – Parascha Bamidbar

„Ein König hatte einst zwei Bedienstete, die er innig gern hatte. Jedem von den Beiden überreichte er ein Bündel Flachs und einen Sack mit Gerste. Der kluge Bedienstete machte sich sofort an die Arbeit und mahlte die Gerste zu Mehl, anschließend backte er ein herrliches Brot. Aus dem Flachs webte er ein Kleidungsstück. Der dumme Bedienstete tat überhaupt nichts.

Der Kluge und der Dumme

Einige Zeit später kam der König nach Hause und fragte, was seine Bediensteten so alles mit seinen Gaben gemacht hätten. Der kluge Bedienstete servierte dem König ein prächtiges Brot und ein hübsches Kleidungsstück, aber der Dumme erschien mit seinem Sack Gerste mit darauf ein Bündel Flachs“.

G“tt gab uns die Tora, um an ihr zu arbeiten und diese zu verbreiten, für alle Aspekte und Vorgänge des tagtäglichen Lebens. Das unterscheidet den Klugen vom Dummen: wie mit dieser Gabe der Tora um zu gehen!

Er vermisste den irdischen Genuss; er aß nur die Grundsubstanz

Der Sohar bringt eine ähnliche Episode: ein ungebildeter Mann wohnte weit weg von der menschlichen Zivilisation. Er bearbeitete sein Feld, aber da er nicht wusste, wie er Brot zu backen hatte, aß er nur das rohe Getreide. Eines guten Tages kam er in die Stadt. Man gab ihm herrliches Brot zu essen. Auf seine Frage, aus was das gemacht sei, bekam er als Antwort: „Getreide!“.

Später aß er herrliches Gebäck, mit Öl angereichert. Wieder verstand er, dass auch dieses letztendlich aus Getreide gefertigt war. Am Ende seines Besuches durfte er ein Stück Torte kosten; auch diese war aus rohem Getreide entstanden. Der einfache Bauer pries sich glücklich, dass er sein Leben lang den Grundstoff all dieser Leckereien genossen hatte: rohes Getreide. Aber doch vermisste er den irdischen Genuss, da er nur die Grundsubstanz aß.

Tora lernen auf allen Ebenen 

Dasselbe gilt für das Wissen, für das Gelernte aus der Tora. Wenn wir die Tora einfach so, ohne Überlegungen, akzeptieren, haben wir tatsächlich die Essenz von allem in unserer Hand. Aber das ist viel zu wenig und zeigt kein wirkliches Interesse. Die vier Getreideprodukte stehen sinnbildlich für die vier Ebenen von Tora-Erläuterung: Pschat – die einfache Erläuterung. Remes – die allegorische Bedeutungslage,

der Midrasch – die erzählende Hintergrunderklärung und das Sod –das mystische in die Tiefe gehen der Tora.

Nur die einfache Essenz zu kennen, ist unzureichend. Erst wenn wir alle diese tieferen Hintergründe der Tora kennen, kann HaSchem ausrufen, dass wir – als kluge Bedienstete – das Ziel der Tora verstanden haben. Und deshalb geht es an Schavuot: um sich selber in die Tora ein zu bringen, was in den Minhagim (Sitten und Bräuche) zum Ausdruck kommt!

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Übertriebenes Interesse?

Wir scheinen für Minhagim einen sechsten Sinn zu haben. Manchmal scheint es so, als ob wir unsere Minhagim noch wichtiger empfinden, als den Schulchan Aruch, das international akzeptierte Jüdische Religionswerk.

Ich muss – auch aus halachischer Betrachtung – zugeben, dass Minhagim in unserer Tradition einen wichtigen Platz einnehmen. Wenn ein Minhag (also ein Brauch) innerhalb des Jüdischen Volkes als solcher Eingang gefunden hat und akzeptiert wurde, kann dieser nicht mehr entfernt werden. Sie sind – laut Rabbi Schlomo Ibn Aderet (1235-1310) – verbindlich, wie ein Gesetz aus der Tora.

Unter Umständen kann ein Volksbrauch selbst eine Halacha, eine gesetzliche Bestimmung, zur Seite schieben. Dieses ist so, da angenommen wird, dass das Jüdische Volk mit einem bestimmten G“ttlichen Inspiration ausgestattet sei. Alte Propheten haben selber auch bestimmte Minhagim eingeführt (vergleich B.T. Sukka 44a). In früheren Zeiten geschah es oft, dass das alte Sanhedrin – der „Hohe Rat der Juden“ – Volksbräuche bekräftigte und diese als Gesetzbestimmung verbindlich bestätigte.

In den Sprüchen (1:8) erklärt König Salomo: „Höre, mein Sohn, die Züchtigung (Ermahnung, Anmahnung) Deines Vaters und verschmähe nicht den Unterricht Deiner Mutter“. Laut der Talmudischen Auslegungsweise dieses Satzes deutet die „Züchtigung Deines Vaters“ auf die Gesetze G“ttes und der „Unterricht Deiner Mutter“ auf die religiösen Bräuche, die auf Initiative des Jüdischen Volkes von selber zu Stande gekommen sind. Daher, dass unter Anderem Nachmanides (1194-1270) besagt, dass ein Minhag „Tora“ sei.

Das sich selber einbringen

Durchweg alle Minhagim beinhalten einen tieferen, wenn schon nicht mystischen Hintergrund. Oft bringen Minhagim eine tiefere Bedeutung oder die Ratio einer Gesetzesbestimmung aus der Tora nach vorne.

Minhagim wurden auf eigenes Drängen des Jüdischen Volkes eingeführt. Vielleicht nehmen die Minhagim deshalb auch einen so herausragenden Platz an Schavuot ein. In den Minhagim zeigt das Jüdische Volk, dass es es nicht bei einer sklavenähnlichen Umsetzung oder Befolgung der von Oben auferlegten Regeln belässt.

Aktion von Oben vs. sich selber einbringen

In den Minhagim zeigen wir, dass wir bereit sind, in der Tradition zu leben und dass wir gewillt sind, diese aus zu bauen. Minhagim zeigen ein wirkliches Interesse an dem, was mal in einer schon lange zurück liegenden Vergangenheit unseren Ahnen mitgeteilt wurde.

Reaktion des Menschen auf Erden

Die Offenbarung auf dem Berg Sinai war vornehmlich – wie das in der mystischen Literatur heißt – eine „Aktion von Oben“. Der Minhag rückt das „sich selber einbringen“ des Jüdischen Volkes in den Vordergrund, eine Reaktion des Menschen auf Erden auf die Offenbarung auf dem Berg Sinai.

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