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Selbst das Gute, dass sie machen, ist von schlechten Vorhaben und bösen Absichten umgeben – Parascha Mikez

Selbst das Gute, dass sie machen, ist von schlechten Vorhaben und bösen Absichten umgeben - Parascha Mikez
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Der Mundschenk informiert Pharao, dass ein junger Hebräischer Gefangener die Träume Pharaos deuten kann. Damals sprach der Oberste der Munschenker zu Pharao: „Da gibt es wohl bei uns einen Hebräischen jungen Mann, eine Sklaven des Obersten der Leibwache“ (Gen. 41:19).

Nachdem alle Bildschriftkundige, Zauberer und Traumdeuter an der Reihe gewesen waren, erschien Jossejf auf der Bühne, aber nicht gänzlich ohne beschädigte Kleidung. Mit dem obersten Mundschenk als Beispiel, berichtet schon Raschi (1040-1105), dass die „schlechten Menschen verflucht seien, da selbst das Gute, dass sie machen, von schlechten Vorhaben und bösen Absichten umgeben ist“.

lauter Eigeninteresse

Der Obermundschenk kündigt Jossejf auf eine sehr negative Art an. Aus seinen Worten geht hervor, dass er eigentlich nichts Gutes über ihn sagen will, aber hierzu durch die Umstände wohl gezwungen ist. Der Mundschenk sah, dass der Pharao durch seine unerklärbaren Träume fast verrückt würde. Er verstand, dass er seine Stelle als Obermundschenk bei einem nachfolgenden Pharao höchstwahrscheinlich verlieren könnte. Es war also lauter Eigeninteresse, dass er Jossejf dem Pharao vorstellte.

Noch ein grüner, unausgereifter Jüngling

Er beschrieb Jossejf als „einen jungen Mann“, womit er sagen wollte, dass er Jossejf als einen noch grünen, unausgereiften Jugendlichen empfand, der nicht für eine höhere Position am Hof in Frage kam:

·         Mit „Hebräischer“ deutete der Obermundschenk an, dass Jossejf der Ägyptischen Sprache nicht mächtig sei und bereits hierdurch keine wichtige Stelle oder Position erhalten könne.

·         Er berichtete weiter, dass er ein Sklave sei. In der Ägyptischen Staatshierarchie war für Sklaven kein Platz. Nur freie Menschen hatten Bürgerrechte und –Pflichten. Aber der Mundschenk berichtet noch über weitere Einzelheiten, die nie als positiv gemeint sein können:

·         a. Dass Jossejf ein Sklave sei von Potifar, der Leibwacht Pharao’s.

·         b. Dass Jossejf „bei uns war“. Beide Informationen scheinen wenig nützlich für die Traumdeutungen von Pharao zu sein.

Der Skandal mit Potifars Frau

Rav M.S. Neriel erklärt, dass der Obermundschenk, indem er bei Pharao den Namen Potifar erwähnt, den Skandal in Erinnerung bringen wollte, den Jossejf – fälschlicherweise beschuldigt – mit Potifars Frau verursacht hatte. Dieses Getratsche hatte überall die Runde gemacht. Jossejf sei „das Stadtgespräch“ gewesen. Der Obermundschenk wollte den Pharao über diesen Hinweis an die skandalöse Vergangenheit von Jossejf erinnern. Er gab ihm deutlich zu verstehen, dass es undenkbar wäre, dass dieser junge Mann – Jossejf war mittlerweile dreißig Jahre alt – am Hof etwas erreichen sollte.

Der Mundschenk musste wohl dem Pharao erklären, wieso er selbst auch in das Gefängnis geraten sei. Er bagatellisierte jedoch sein eigenes Fehlverhalten oder sein Vergehen. Mit den Worten „Nun war da bei uns ein Hebräischer junger Mann, ein Sklave des Obersten der Leibwache“ vermeldet er zwei Dinge:

             c. Zu allererst, dass dieser Hebräische junge Mann vielleicht wohl ein guter Traumdeuter sei, aber ansonsten sei er ein nervender Naseweis, der      seinem gesamten Umfeld zum Halse heraus hing.

             d. Und zum zweiten merkte der Obermundschenk an, dass er während seiner kurzen Gefängnisstrafe von diesem nervigen jüdischen Sklaven nun wohl schon genug für die Fliege im Wein des Pharaos gebüßt hätte.

sprach Jossejf kein Ägyptisch? 

Das Jossejf kein Ägyptisch sprach, war eine augenscheinliche Lüge, der sofort widersprochen werde, sobald Jossejf aus dem Gefängnis geholt werden sollte um die Träume des Pharao zu deuten.

Durch die Hintertüren

Weshalb nahm der Obermundschenk das Risiko auf sich, dass er bei einer Lüge ertappt würde? Er glaubte wahrscheinlich, dass Jossejf durch den Personaleingang in einem Nebenraum empfangen würde, die Träume des Pharao einer Beurteilungskommission deuten würde, dafür ein bescheidenes, aber doch fürstliches Honorar erhalten würde und durch die Hintertür wieder verschwinden dürfte.

Um dieses Szenario in Gang zu setzen, benutzte er nur ausschließlich negative Eigenschaften für diesen – übrigens auf seinem Fachgebiet vorzüglichen – Traumdeuter.

Der Mensch denkt, aber G“tt lenkt

Die Bediensteten von Pharao wollten Jossejf tatsächlich schnell aus dem Gefängnis holen, um diese nervende Geschichte eines Angebers, der behauptete, alles besser zu wissen, so schnell wie möglich zu einem guten Ende zu bringen.

Aber Jossejf ließ diese Übereile nicht zu. Wenn man den Hebräischen Toratext sorgfältig liest, steht dort, dass Jossejf von den Lakaien Pharao’s hastig aus der Zelle heraus geholt wurde. Wörtlich steht da: „Sie ließen ihn aus dem Gefängnis rennen“ (41:14).

eine geborene Leitfigur

Aber Jossejf ergriff selber die Initiative, um sich zu rasieren und um sich anständig zu kleiden, bevor er vor Pharao erscheinen würde. Die Leitung des Hofes sah lieber einen schlecht gepflegten Hebräer, als eine geborene Leitfigur, die wie aus dem Ei gepellt erschien. Aber Jossejf erinnerte sich an seine Träume. Er würde königlich vor Pharao erscheinen. Und das beeindruckte den Ägyptischen Sonnenkönig…  

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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