in

Tu BeAv (15. Av) – “Der Tag der Liebe” im Judentum

image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

In der Mischna (Taanit 4:8) steht, dass es keine größeren Feiertage im jüdischen Volk gab, als Yom Kippur und Tu BeAv (15.Av). Die Mischna fährt fort, dass der 15.Av der Tag der Schidduchim (Bezeichnung des Judentums für die Suche nach einem Ehepartner) war.

Die Freude an Yom Kippur ist sehr verständlich, denn an diesem Tag wurden bzw. werden dem jüdischen Volk ihre Sünden verziehen und die Seelen gereinigt. Unsere Weisen lehren, dass nach Yom Kippur eine himmlische Stimme den Vers aus Kohelet (Kap.9, Vers 7) zitiert und verkündet: “Gehe, esse in Freude dein Brot und trink mit fröhlichem Herzen deinen Wein, denn G´tt hat Wohlgefallen gefunden an deinen Taten!” 

Doch was ist der Grund für die besondere Freude am Tu BeAv und warum wurde ausgerechnet dieser Tag für die Suche nach einem Ehepartner ausgewählt?

Im Talmud werden 6 Gründe aufgelistet, warum dieser Tag ein Tag der besonderen Freude ist:

  1. Das Verbot der Heirat zwischen den Stämmen wurde aufgehoben

Das Land Israel wurde zwischen den 12 Stämmen Israels aufgeteilt und jeweils innerhalb des Stammes vererbt. Wenn eine Frau einen Anteil des Landes besaß (z.B. falls ihr Vater keine Söhne hatte), dann würde dieser durch die Heirat mit einem anderen Stamm verloren gehen. Aus diesem Grund wurde die Eheschließung zwischen den Stämmen zunächst untersagt und anschließend an diesem Tag aufgehoben 

  1. Der Bann vom Stamm Binyamin wurde aufgehoben 

Nach der tödlichen Vergewaltigung einer Magd durch den Stamm Binyamin wurde ein Bann auf den Stamm auferlegt, welcher fast dazu führte, dass der Stamm Binyamin ausstarb und an diesem Tag wurde dieser Bann aufgehoben  

  1. Das Sterben in der Wüste hörte auf

Aufgrund der Sünde der Kundschafter musste die Generation des Auszugs aus Ägypten 40 Jahre durch die Wüste wandern, bis alle aussterben. Die Betroffenen würden ihre eigenen Gräber ausheben und nachts darin schlafen. Oft war es der Fall, dass viele von ihnen am nächsten Morgen nicht aufwachten. An diesem Tag wachten alle auf und das Massensterben hörte auf

  1. Die Grenzposten von Yerowam Ben Newat wurden entfernt

Zur Zeit der Könige war das Heilige Land in zwei Reiche geteilt, Israel und Yehuda. Nach dem Tod des Königs Schlomo, spalteten sich die 10 Stämme von Yehuda und Binyamin ab und gründeten ein eigenes Königreich namens Israel. Um Überläufer nach Yehuda zu vermeiden, stellte Yerowam Ben Newat, der erste König des Reiches Israel, Grenzposten auf, welche das Volk auch daran hinderten den Tempel in Jerusalem zu besuchen. An diesem Tag wurden diese Grenzposten entfernt und das jüdische Volk hatte wieder die Möglichkeit den Tempel auszusuchen

  1. Die Toten von Beitar durften begraben werden

Die Römer richteten während ihrer Besatzung ein schreckliches Massaker in Betar an (nach einigen Meinungen kamen dabei mehr Menschen um, als im Holocaust) und verbaten es den Hinterbliebenen, die Leichen zu begraben. Es dauerte bis die Römer die Erlaubnis gaben, die Überreste der Ermordeten zu begraben und dieser Tag war der 15. Av  

  1. Die Sammlung des Brennholzes für den Mizbeach wurde beendet

Der Mizbeach (Altar) musste durchgehend brennen und dafür wurden unmengen von Brennholz benötigt. Die Suche danach war sehr anstrengend und zeitaufwändig und die Kohanim (Priester) wurden dadurch vom Studium der Tora abgelenkt. An diesem Tag wurde die Suche jeweils beendet und sie konnten zum Studium der Tora zurückkehren

Wenn man diese Ereignisse analysiert, dann wird man erkennen, dass es einen Zusammenhang zwischen all diesen Ereignissen gibt: Sie handeln alle von der Wiederherstellung von Frieden, Liebe und Harmonie

Aus diesem Grund ist dieser Tag ein Tag der besonderen Freude, denn es gibt nichts fröhliches als Versöhnung, Frieden und gegenseitige Liebe, so wie es steht: “Wie gut und angenehm ist es, wenn Brüder gemeinsam sitzen” (Tehilim Kapitel 133)  

Aus demselben Grund wurde dieser Tag auch zum “Tag der Schidduchim-Suche” ausgewählt, weil gegenseitige Liebe, Harmonie und Versöhnung die Grundlagen der jüdischen Ehe sind! 

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

Die Vorschriften für das Anbringen der Mesusah

Die Vorschriften für das Anbringen der Mesusah

Schema Israel und die Einheit Haschems

Schema Israel und die Einheit Haschems