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WARUM MUSSTEN DIE JUDEN NACH ÄGYPTEN GEHEN? – Parascha Wajigasch

WARUM MUSSTEN DIE JUDEN NACH ÄGYPTEN GEHEN - Parascha Wajigasch
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Wir lesen von Ja’akovs Reise hinunter nach Ägypten. Es schien alles so schön zu sein, bis der Antisemitismus zuschlug und die Juden zu Sklaven des Pharao wurden. Dies wurde bereits im Bund zwischen den Stücken, Brit bejn haBetarim, versprochen (Gen 15:13-14): “Da sprach G’tt zu Abram: Wisse wohl, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das ihnen nicht gehört; sie werden ihnen dienen und man wird sie vierhundert Jahre lang unterdrücken. Aber auch das Volk, dem sie dienen werden, werde ich richten, und danach werden sie mit viel Besitz weggehen.” Dieses Land war Ägypten.

Ja’akov bezweifelte, dass es ihm erlaubt sein würde, das Heilige Land zu verlassen.

Seinem Vater Jitschak war es wegen seiner großen Heiligkeit nicht erlaubt, nach Ägypten zu gehen, obwohl sein Großvater Abram wegen der Hungersnot in Kana’an nach Ägypten gegangen war. Deshalb “brach Israel mit allem, was er hatte, auf und kam nach Be’er Scheva; dort opferte er dem G’tt seines Vaters Jitschak. Und G’tt sprach zu Israel in nächtlichen Visionen und sagte: Ja‘akov! Ja‘akov! Und er sagte: “Siehe, hier bin Ich. Und er sprach: Ich bin G’tt, der G’tt deines Vaters; fürchte dich nicht, nach Ägypten zu ziehen, denn Ich will dich dort zu einem großen Volk machen. Ich will mit dir nach Ägypten ziehen und dich auch wieder zurückkehren lassen, und Josef wird deine Augen schließen. Da machte sich Ja’akov auf und zog von Be’er Scheva weg, und die Söhne Israels transportierten ihren Vater Ja’akov, ihre Kinder und ihre Frauen auf den Wagen, die der Pharao geschickt hatte, um ihn zu transportieren” (Gen 46:1-3).

Ja’akovs Ängste

Ja’akovs Zweifel waren berechtigt, denn er befürchtete, dass seine Kinder und Enkelkinder in der heidnischen und hedonistischen Ägyptischen Kultur ihr Judentum vergessen würden. Andererseits war Ägypten der “ideale Ort”, um sich nicht zu anzupassen. Wir haben letzte Woche bei der koscheren Mahlzeit, die Josef seinen Brüdern in seinem Palast anbot, gelesen, dass schon damals unter den Ägyptern eine große Abneigung gegen Juden herrschte (Gen. 43:32): “Sie servierten: ihm getrennt, ihnen getrennt und den Ägyptern, die mit ihm aßen, getrennt. Denn die Ägypter dürfen nicht zusammen mit den Hebräern essen, weil das für die Ägypter ein Gräuel ist”.

So entstand ein Volk, das der Tora würdig ist.

Aufgrund dieser abscheulichen Gefühle der Ägypter gegenüber den Juden konnte es passieren, dass innerhalb weniger Jahrhunderte aus Ja’akovs kleiner Familie von siebzig Menschen ein jüdisches Volk entstand, das mit mindestens drei Millionen Menschen aus Ägypten auszog. Sie wuchsen und gediehen im fernen Goschen zu einer neuen Nation, die später, kurz nach dem Auszug aus Ägypten, auf dem Berg Sinai die Tora empfangen sollte. Sie mischten sich nicht in das gesellschaftliche Leben der Ägypter ein und blieben eine eigene Einheit mit eigenem Glauben und eigener Kultur.  Deshalb konnte G’tt sagen: “Ich werde mit euch nach Ägypten gehen und Ich werde euch sicher auch zurückkehren lassen”, weil die Juden ihre Treue zu G’tt auch dort nie aufgegeben haben.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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