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WER SOLLTE ZU WEM KOMMEN? JOSEF ZU SEINEM VATER JA’AKOW ODER JA’AKOW ZU JOSEF IN ÄGYPTEN – Parascha Wajigasch

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                                    בסייד

Parascha Wajigasch (Bereschit/Genesis 44:18 – 4:27)

Respekt für seinen Vater

Wenn wir von der “Ehrfurcht vor Vater und Mutter” aus den Zehn Geboten (Schemot/Exodus 20) sprechen, wäre es für Josef sicherlich angemessen gewesen, nach Israel zu reisen, um seinen Vater Ja’akow zu besuchen. Ja’akow war damals 130 Jahre alt (Bereschit/Gen. 47:9). Natürlich ist es nicht angebracht, dass Sein alter Vater zu ihm reist (vor allem in jenen Tagen, als das Reisen sehr unbequem und oft gefährlich war). Josef schickte zwar Transportmittel nach Israel (agalot – Wagen, Bereschit/Gen 45:27), aber dennoch blieb mir die Frage im Hinterkopf, warum Josef sich nicht die Mühe machte, nach Kanaan zu reisen, um seinem Vater die Ehre zu erweisen, ihn nach 22 Jahren der Trennung persönlich zu besuchen und ihn so – vielleicht schneller – aus seinem furchtbaren Elend zu befreien. Wäre er persönlich erschienen, wäre das alles viel natürlicher gewesen (auch wenn es für Ja’akow vielleicht ein großer Schock gewesen wäre).

Wagen und der wiederbelebte Geist Jaakows

Die Brüder kamen nach Israel, das übrigens damals Kanaan hieß (Bereschit/Gen 45): 25Sie zogen aus Ägypten aus und kamen wieder zu ihrem Vater Ja’akow ins Land Kanaan. 26Da sagten sie ihm: Josef lebt! Er ist sogar Herrscher über das ganze Land Ägypten! Da verließ ihn sein Herz, denn er glaubte ihnen nicht (Dies geschah aus unerwarteter Freude und großem Erstaunen, denn Ja’akow hatte seit vielen Jahren nichts mehr von Josef gehört). 27Als sie ihm aber alle Worte überbrachten, die Josef zu ihnen gesagt hatte, und als er die Wagen sah, die Josef hatte kommen lassen, um ihn zu tragen, erholte sich der Geist ihres Vaters Ja’akow.

Die Abfolge der Ereignisse scheint auf etwas hinzudeuten, das nicht klar ausgedrückt wird. Nachdem Josef die Wagen geschickt hatte, erwachte Ja’akows Geist wieder. Aber was haben die Streitwagen mit Ja’akows Freude zu tun?

Wasserdichter Beweis

Unsere Weisen (Bereschit Rabba 94; Tanchuma) weisen darauf hin, dass diese Streitwagen sicherlich etwas mit dem wiedererweckten Geist Ja’akows zu tun haben. Die Streitwagen waren nicht nur ein Transportmittel, sondern auch ein Hinweis darauf.  Das hebräische Wort für Wagen (agala) zeigt eine Verwandtschaft mit dem Wort für Kalb (egla). Unsere Weisen erklären, dass die Wagen eine Anspielung auf die Episode der Egla arufa sind (das Kalb, dem das Genick gebrochen wird, wenn ein Mensch auf der Straße ermordet aufgefunden wird und der Schuldige unbekannt ist, siehe Dewarim/Dtn. 21: 1ff). Diese ganze Lehre von der Egla arufa – was zu tun ist, wenn man von einem Fremden getötet wird – hatte Josef bei seinem Vater Ja’akow gelernt, kurz bevor er von seinen Brüdern entführt und nach Ägypten gebracht wurde. Nur Ja’akow und Josef wussten, was sie zuletzt gelernt hatten. Ja’akow verstand den Hinweis, und deshalb war dies für ihn ein “wasserdichter Beweis” dafür, dass Josef noch am Leben war.

Bei uns in Ägypten ist alles in Ordnung, komm und sieh

Aber es gibt auch andere mögliche Erklärungen für den Zusammenhang zwischen den Wagen und Ja’akows Überzeugung, dass Josef tatsächlich noch am Leben war und seinen Glauben im götzendienerischen und unmoralischen Ägypten nicht verloren hatte. Die Tatsache, dass Josef wollte, dass Ja’akow nach Ägypten kommt, war für Ja’akow ein Beweis für Josefs geistige Reinheit und Aufrichtigkeit. Wenn Josef dort, im verlockenden Ägypten, irgendetwas von Ja’akows Vorwürfen zu befürchten gehabt hätte, weil er sich nicht ganz an das Judentum hielt, dann hätte er alles getan, um Ja’akow aus Ägypten heraus und in Israel zu halten. Josef hätte dann keine Notwendigkeit gehabt, Vater Ja’akow nach Ägypten zu bringen.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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