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ZWEI NAMEN VON HASCHEM – Parascha Waera

ZWEI NAMEN VON HASCHEM - Parascha Waera
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„Und ICH erschien dem Awraham, dem Jitzchak und dem Ja’akov mit dem Namen Schad-dai, aber mit Meinem G“ttesnamen aus vier Buchstaben (HaSchem), damit habe ICH sie nicht in Kenntnis gesetzt“ (Ex. 6:3).

VIER EBENEN, UM DIESEN SATZ ZU VERSTEHEN

Der Name Schad-dai verweist auf eine Erscheinungsform, in der G“tt das Schlechte oder Böse bestehen lässt, aber hieran Einschränkungen auferlegt.

Das Leben unserer Erzväter Awraham, Jitzchak und Ja’akov war voller Tzores (Elend):

·       Awraham wurde in den Kalkofen geworfen und musste durch das Leben umher ziehen. Seine Frau wurde vergewaltigt.

·       Jitzchak wurde beinahe geopfert und musste auch umher ziehen. Seine Quellen wurden stillgelegt.

·       Ja’akov hatte noch am meisten zu leiden.

G“tt beschränkte ihr Elend und rette sie durchgehend aus ihrem Bedrängnis.

Eine höhere Art von können: totale Barmherzigkeit

G“tt lässt sich jetzt jedoch auf eine höhere Art erkennen oder anders gesagt: wahr nehmen. Der G“ttesname aus vier Buchstaben deutet auf vollständige Barmherzigkeit, einem Erbarmen, mit dem nichts schlechtes vermischt ist. Dieses hatten die Erzväter nie erfahren. Nun würden ihre Abkömmlinge dieses mit machen.

Sein Wesen kenntlich machen

Die Tatsache, dass G“tt deren Kinder selber aus Ägypten befreien würde, war die Umsetzung dieser ersten Zusage: dass G“tt Sein Wesen den Nachkommen der Erzväter kenntlich machen würde.

Die zweite Zusage, die auch noch nicht eingelöst war, war das Land Israel. Auch das habe ICH den Erzvätern versprochen, aber ihnen noch nicht gegeben.

Dieser Aspekt wird im vierten Satz aufgeführt: „Auch habe ICH meinen Bund mit ihnen errichtet, um ihnen das Land Kana’an zu geben“.

Die Erzväter hatten ein nicht gekanntes G“ttvertrauen

Beim Briet been habetarim – beim Bund zwischen den Stücken habe ICH gleichfalls gesagt, dass sie Sklaven würden, aber die Ägypter treiben es nun wohl sehr bunt. So grausam hatte ICH die Sklaverei nicht entschieden. Die Awot, die Erzväter, hatten ein nicht gekanntes G“ttvertrauen. Auch wenn von allen Zusagen nichts realisiert wurde, blieben sie doch gläubig. Nun würde ein höheres G“ttverständnis der Welt mitgeteilt werden. Dieses war das nächste Stadium der Offenbarung.

Ungeduld vorgeworfen

Am Ende der vorigen Parascha sprach G“tt: „Nun werdet Ihr sehen, was ICH dem Pharao antun werde“. Aber Mosche wird hier Ungeduld vorgeworfen. Raschi sagte schon, dass dieses bedeutet, dass Mosche wohl den Krieg mit Ägypten erleben würde, aber nicht die Befreiung von Kana’an im Krieg mit den sieben Völkern und ihren einunddreißig Königen. Mosche’s Ungeduld wurde hier ernsthaft abgestraft.

DIE ZWEITE EBENE: Mosche wollte sofort Ergebnisse sehen

Auf einer zweiten Ebene gesehen sprach G“tt zu Mosche: ICH bin der Name mit vier Buchstaben, DER war, DER ist und DER sein wird. Ein Mensch aus Fleisch und Blut kann sein Versprechen nicht wahr machen, denn heute ist er noch da, aber morgen lebt er vielleicht nicht mehr. Wenn er sein Versprechen nicht jetzt erfüllt, wann dann wohl?

Belohnung nicht sofort

Aber ICH lebe ewig und deshalb haben die Erzväter MICH nie beschuldigt, dass ICH ihnen ihre Belohnung nicht sofort gab. Du, Mosche, bist ungeduldig und möchtest sofort Ergebnis sehen. Deshalb darfst Du das Land Israel nicht betreten, da der Krieg gegen die Kana’aniter besonders lange andauern wird: es leben dort einunddreißig Könige. Pharao ist nur EIN König, den kannst Du in der Tat ziemlich schnell untergehen sehen.

DIE DRITTE EBENE: klar stellen, dass ER die Welt aus dem Nichts erschaffen hat

Als Drittes möchte G“tt klar stellen, dass ER die Welt aus dem Nichts erschaffen hat. Man war bis dahin noch nicht daran gewöhnt, in Sphären und Bereichen der Welterneuerung zu denken. Deshalb musste G“tt Wunder erzeugen, so dass man mit zurück gewandter Kraft glauben würde, dass die gesamte Welt aus dem Nichts erschaffen wurde. Die Wunder in Ägypten deuten auf die Erneuerungskraft von G“tt.  Genau so, wie ER die Natur verändern konnte, konnte ER die Natur erschaffen.

Wunder deuten auf die Schöpfungskraft G“ttes

Der G“ttesname mit den vier Buchstaben deutet auf das Sein. G“tt lässt alles werden, kann alles aus dem Nichts erschaffen. Mosche wollte wissen, weshalb das Herz des Pharao sich so sehr verhärten würde. G“tt sagte, dass dieses nur geschah, um die Wunder zu rechtfertigen. Diese Wunder deuten auf die Schöpfungskraft G“ttes.

Bis dahin war nicht bekannt, ob G“tt die Welt aus dem Nichts erschaffen hatte. Der Name Schad-dai deutet lediglich auf die Tatsache, dass G“tt der grenzenlosen Ausbreitung der Welt ein Halt zuruft und spricht: dieses ist daj, genug (vgl. Daj,daj jenu an Pessach).

Seine Kraft das Universum zu erneuern

Aber die überörtlichen und zeitlosen Aspekte des Allmächtigen, sowie Seine Kraft, das Universum zu erneuern, waren noch nicht bekannt. Dieses sollte jetzt nun klar werden. Die Juden sollten nach Israel hinein strömen, um dort zu einem Volk heran zu wachsen, einen Tempel zu bauen und G“tt in voller Gloria zu dienen.

Nun da Israel dem Jüdischen Volk zugewiesen wurde, war es notwendig, die schöpfende Kraft G“ttes zu zeigen, sie offen sichtbar zu machen. Niemand würde dann sagen können, dass G“tt nicht das Recht habe, das Land der Kana’anitischen Völker dem Am Jisra’ejl zu schenken.

DIE VIERTE EBENE: Die Wiederbelebung der Toten und die Erneuerung der Welt

Eine vierte Erklärung folgt die Aussage unserer Weisen (B.T. Sanhedrin 90b): “Woher wissen wir, dass die Wiederbelebung der Toten aus der Tora stammt?“ Da dort geschrieben steht: „Auch habe ICH mit ihnen meinen Bund errichtet, um ihnen das Land Kana’an zu geben. “An Euch“ steht dort nicht, sondern: „an sie“. Dieses bedeutet, dass man in der Zukunft das Land ungehindert wird besitzen können. Dieses bezieht sich auf die Wiederbelebung der Toten.

Die Avot verstanden, dass die Zusagen ihren Kindern galt

Awraham war das Land zugesagt worden. Als er eine Begräbnisstätte für Sara suchte, musste er ein Stück Land für viel Geld kaufen. Auch Jitzchak musste für den Brunnen kämpfen. Ja’akov musste ein Stück Land gegen Zahlung von hundert Kesita kaufen. Sie hatten jedoch keine Anmerkungen zur Zusage G“ttes. Sie verstanden, dass dieses hauptsächlich ihren Kindern galt und nicht für sie selbst.

Nur im Zeitbereich der Wiederbelebung der Toten, werden unsere Erzväter einen Anteil im Land Israel haben. Die Wiederbelebung der Toten hat mit der Erneuerung der Welt zu tun. Derjenige, der glaubt, dass die Welt aus dem Nichts erschaffen wurde, kann auch annehmen, dass es so etwas wie eine Wiederbelebung oder Wiederauferstehung der Toten gibt oder geben wird.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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