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Birkat Ha‘ilanot – Die BERACHA über blühende Bäume in Nisan (April)

Birkat Hailanot - Die BERACHA über blühende Bäume in Nisan April
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Die BERACHA über blühende Bäume in Nisan (April)

Die Beracha über blühende Bäume in Nisan heißt: “Gelobt bist du, EWIGER König der Welt, der in seiner Welt nichts vermisst hat und gute Geschöpfe und gute Bäume geschaffen hat, damit die Menschen sie genießen können”.

Danke

Diese Beracha ist eine der vielen Danksagungen, die das Judentum kennt, wenn wir ein besonderes Ereignis erleben, wie z.B. die Begegnung mit einer regierenden König(in), oder wenn wir mit beeindruckenden Phänomenen aus der Natur konfrontiert werden, wie z.B. wenn wir Sternschnuppe oder einen Blitz sehen, den Regenbogen, oder wenn wir den Donner hören (siehe Siddur).

Diese Beracha über die blühenden Obstbäume ist wichtig, denn bei der meisten Brachot (Segen) gibt es keine Mitzvah (Auftrag), um die besonderen Phänomene aufzuspüren um darüber eine Beracha zu sagen.

Diese Beracha ist jedoch so besonders, da es eine Mitzvah (Anweisung) gibt, diese Beracha auszusprechen. Ein weiteres Beispiel für eine solche Beracha über ein besonderes Phänomen in der Natur ist der Birkat-Hachama, der Segen für die Sonne, den wir alle 28 Jahre sagen, wenn die Sonne wieder in ihrem ursprünglichen kreativen Zustand ist.

Es wird auch als Mitzvah angesehen, einen regierenden Monarchen zu sehen und die Beracha auszusprechen.

Frage 1: Kann diese Beracha auch im Monat Ijar gesprochen werden?

Antwort: Ja, im Prinzip ist dies erlaubt, obwohl einige halachische Behörden dagegen sind. Doch der Minhag (Gewohnheit) ist, diese Beracha nur im Monat Nisan mit dem Namen G’ttes auszusprechen.

Das oben Gesagte gilt nur in Israel, denn die Blütezeit fällt dort in den Nisan. Aber in den nördlicheren Ländern, wie in Deutschland, fällt die Blütenzeit vor allem in den Monaten Ijar und Sivan und dort kann diese Beracha auch nach Nisan ausgesprochen werden.

Frage 2: Wie ist die Halacha (das Vorschrift) in der südlichen Hemisphäre?

Antwort:  Es gibt dort Zeit für die Beracha im Frühlingsmonat von Tishri. Doch diese Beracha wird nur einmal im Jahr gesagt. Wenn jemand diese Beracha im Nisan auf der Nordhalbkugel gesagt hat und er/sie im Tishri in Südafrika ist und wieder blühende Bäume sieht, sagt er nicht mehr diese Beracha.

Frage 3: Welche Art von Blüte oder Blüten sollte man suchen?

Antwort: Es geht um die Blüte, aus der die Frucht hervorgehen wird. Wenn die Frucht zu wachsen beginnt, wächst eine Blüte aus ihr, die aufgeht bevor sie abfällt. A priori muss man die Beracha sagen, wenn die Blüte noch nicht abgefallen ist. Denn das ist es, was mit “blühenden Bäumen” gemeint ist. Man muss die Blüte deutlich sehen können. Nur die grünen Blätter, die den Baum nach dem Winter bedecken, sind unzureichend.

Frage 4: Kann diese Beracha auch nachts ausgesprochen werden?

ANTWORT: Ja, solange genügend Licht vorhanden ist, um die Blüte klar zu sehen.

Frage 5: Darf diese Beracha auch am Sabbat ausgesprochen werden?

Antwort: Ja, streng nach der Halacha ist dies erlaubt. Doch einige Leute tun das nicht. Wenn der 30. Nisan auf den Schabbat fällt und diese Beracha noch nicht gesagt wurde, ist es besser, sie am Schabbat zu sagen, als bis nach dem Schabbat zu warten, wenn Nisan vorbei ist. Das Gleiche gilt, wenn man unter der Woche keine Zeit hat, einen blühenden Baum zu sehen. Dann sagt man am Schabbat a priori diese Beracha.

Frage 6: Bis wann kann diese Beracha ausgesprochen werden?

Antwort: Bis zum Moment dass die Früchte essbar sind und man darüber die Beracha “Shehechijanu” sagen kann.

Es besteht jedoch die Meinung, dass diese Beracha nur dann ausgesprochen werden sollte, wenn die Blüte die Frucht noch bedeckt. Danach darf man diese Beracha nur noch ohne Namen G’ttes aussprechen. Deshalb sollte man versuchen, die Beracha an einem Baum auszusprechen, in dem die Blüte über der Frucht noch vorhanden ist.

Frage 7: Darf diese Beracha auch über blühende Bäume gesprochen werden, die keine Früchte bringen?

Antwort: Nein.

Obwohl es sich um eine etwas künstliche Form des Wachstums handelt, kann diese Beracha doch auf Bäume ausgesprochen werden, die in Gewächshäusern oder Töpfen wachsen, solange sie Früchte produzieren.

Frage 8: Kann diese Beracha auch auf blühenden Bäumen ausgesprochen werden, die mit anderen Arten veredelt sind (das Veredeln mit anderen Arten ist verboten)?

Antwort: Nein, aber nur nicht, wenn sicher ist, dass die Bäume auf verbotene Weise veredelt wurden (Vermischung der Arten) oder dass die Früchte wegen ‘orla’ (in den ersten drei Jahren des Wachstums, sollte man die Früchte nicht genießen) verboten sind.

Frage 9: Wenn man schon einmal blühende Bäume gesehen hat und diese Beracha nicht gesagt hat, kann man dann diese Beracha später noch sagen, wenn man wieder blühende Bäume sieht?

Antwort: Das ist erlaubt. Aber wenn man weiß, dass man jetzt keine Beracha sagen kann, sollte man nicht auf die blühenden Bäume schauen. Nur wenn man die Beracha sagen kann, schaut man mit Freude zu diesem Wunder der Natur und dankt man Haschem (G’tt) mit Simcha (Freude).

Ein Kabbalistischer Ausflug

Nach Ansicht der Kabbalisten sollte diese Beracha speziell im Monat Nisan (Nisan endet in diesem Jahr am 1. Mai) und vorzugsweise außerhalb der Stadt in einem Feld mit vielen blühenden Bäumen ausgesprochen werden.

Es sollten mindestens zwei Obstbäume vorhanden sein. Man sollte versuchen, diese Beracha mit einem Quorum von mindestens zehn Männer auszusprechen. Für die Beracha sagt man “leschem jichud” und “vihie no‘am” und nach der Beracha gibt man drei Münzen für Tsedaka (Wohltätigkeit) sodass alle verlorene Neshommes (Seelen) aufsteigen. Danach spricht man Psalm 126 und einige andere Gebete aus, woraufhin Kaddisch deRabbanan folgt.

Dies hat mit dem kabbalistische ‚Tikun‘ (Korrektur) zu tun, dem Seelenaufstieg von verlorenen Neshommes (Seelen).

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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