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Das Mussaf-Gebet: die Botschaft des Neuen Jahres in drei Kernbegriffe

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Das Mussaf-Gebet: die Botschaft des Neuen Jahres in drei Kernbegriffe

ROSCH HASCHANA 5781 mitten in der Corona-Krise

Das Mussaf-Gebet: die Botschaft des Neuen Jahres in drei Kernbegriffe

Liebe Freunden, wir durchleben derzeit die Corona-Krise mit großer Unsicherheit.

Rosch Haschana hat eine Mengenlage an Gefühlen in seinem Gepäck. Erwartungen werden durch Hoffnung und Befürchtungen bestimmt. Manchmal sehen wir die große Bandbreite. Aber leider: die Geschichte lässt sich nicht vorhersagen. Wir erinnern uns noch an die vielen unerwarteten Ereignisse, die uns überraschten und schockierten.

Wir müssen lernen, mit unseren Zweifeln zu leben. Es ist die Unsicherheit vor der Zukunft, die die Anspannung und Befürchtung erzeugt, die die typische Atmosphäre von Rosch Haschana bestimmt. Andererseits gibt es festliche Mahlzeiten, neue Kleidung, die besten Wünsche von Freunden und Bekannten.

Deshalb ist dieses Fest der Anfang der zehn Tage der inneren Einkehr, die wir auch als die Jamim Nora’im (Ehrfurchterweckende Tage) bezeichnen. Ehrfurcht und Furcht gegenüber Feierlichkeit und Hoffnung sind auch das Kennzeichen des großen Mussaf-G“ttesdienst dieser beiden Tage.

Drei Unterteilungen

Laut dem Talmud ist das Mussafgebet in drei Bereiche aufgeteilt:

–          Malchujot, über G“tt als König;

–          Sichronot, über die Erinnerung, und:

–          Schofarot, über den Schofar oder das Widderhorn.

Die vielen unterschiedlichen Empfindungen und Sphären von Rosch Haschana spiegeln sich hierin wieder.

In diesem Mussaf verbirgt sich der Inhalt von Rosch Haschana und eigentlich auch vom kommenden Jahr. Die Dreiteilung deckt sich auch mit den drei Synonymen für Rosch Haschana:

–          Jom haDin, Tag der Gerichtsverhandlung und des Urteils,

–          Jom haSikaron, Tag des Gedenkens und der Erinnerung,

–          Jom Teru’a –der Tag des Schofar-Blasens.

Malchujot

Malchujot beinhaltet Angaben über die Souveränität G“ttes und über das Universum, einschließlich uns selber. Es erinnert uns daran, wie wir zutiefst mit unserem Schöpfer verbunden sind.

Malchujot beinhaltet das Mysterium, das ein Bestandteil unseres täglichen Lebens ist. Das Gebet mahnt uns dazu, inne zu halten und an den Allmächtigen zu denken, der über Leben und Tod entscheidet.

Indem wir Malchujot zitieren, verleihen wir der weitgreifenden jüdischen Wertschätzung die Aussagekraft, dass die Welt nicht uns, sondern G“tt gehört.

In allen Zuständen großer Freude, aber auch bei zerschmetterndem Schmerz, sollen wir den Allmächtigen segnen, denn alle Menschen sind ein Teil von IHM. Alles, was wir besitzen – Kinder, Reichtum, Güter, Talente, Möglichkeiten – sind eigentlich SEINS und wenn wir eine Beracha (einen Segensspruch) aussprechen, bestätigen wir das.

Das Paradoxe ist, dass Menschen im Allgemeinen, auch die Weltlenker, mit einem freien Willen ausgestattet sind. Wir haben die Möglichkeit der Wahl, aber wir sind trotzdem Bestandteil des G“ttlichen Plans und des G“ttlichen Willens.

Ob es sich nun um die Unwegsamkeit der Wirtschaft, die Spannungen zwischen den vielen Bevölkerungsgruppen, Gewalt, Terrorismus, Frieden und die Bereitschaft, Kompromisse zu schließen, es sind allesamt Phänomene, die gleichzeitig G“ttes Lenkung und dem freien Willen des Menschen unterliegen.

Paradox ist das Verhältnis zwischen der Vorsehung G“ttes und dem freien Willen! Wir können das mit unserem Verstand nicht erfassen.

Das Paradox lässt sich nur durch G“tt in seiner unendlichen Weisheit erklären. Dieser Gedanke steht im Mittelpunkt unserer Jüdischen Denkweise, in allen ihrer Varianten und Facetten.

Malchujot vergegenwärtigt den Achtung fordernden Aspekt von Rosch Haschana: es geht um die menschliche Nichtigkeit in Verhältnis zur Allmacht G“ttes. Es umfasst den meist verunsichernden Bereich von Mussaf, da es unsere Vergänglichkeit betont.

Sichronot

Im zweiten Teil: bei Sichronot steht das sich erinnern im Mittelpunkt. Der Gedächtnisverlust ist EINE der am meisten befürchteten Folgen von Krankheit oder Altertum. Die Erinnerung ist ein Bestandteil unseres Bewusstseins und macht uns menschlich.

Sichronot unterscheidet uns von den Tieren, die Instinkte, aber kein oder wenig Gedächtnis haben. HaKadosch Baruch Hu (G’tt) ist jedoch der Meister von Sichronot, der sich an alles und an jeden erinnert. Und in Sichronot werden wir eingeladen, G“tt in dieser vorzüglichen Eigenschaft nach zu eifern.

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Wir teilen bis heutzutage eine gemeinsame Erinnerung an die Fesseln von Ägypten: Exil, Versklavung und viele andere weniger erfreuliche Ereignisse.

Individuell können wir vergessen und das machen wir oft leider auch. Oft haben wir keine geschichtliches Gedächtnis mehr, sondern nur kurzfristige terminliche Erinnerungen.

Diese Tatsache bildet eine wichtige Ursache für Verfremdung, Selbsthass und Assimilation. Je mehr wir vergessen, umso weniger Jüdisch werden wir.

Hätten wir doch noch unsere eigene, jüdische Erinnerung unserer Vergangenheit, sodass wir strukturell unser Schicksal, unsere Bestimmung, unser Ziel vor Augen hätten. Dann würden wir weniger auf die traurigen, gefährlichen Informationsströmen aus unserer Umwelt angewiesen sein, die uns mit einer negativen Selbstwahrnehmung belasten.

Der Baal Schem Tow hat es schon gesagt: „Vergessen ist Exil, Verbannung“. Unsere Vergangenheit zu vergessen ist ein Hindernis, eine Gefahr für unsere Sicht, auch Vision, auf und in die Zukunft.

Das lässt uns an einen Piloten denken, der seinen Passagieren über die Bordsprechanlage ankündigt, dass er, was den Zeitplan betrifft, entsprechend fliegt, aber dass er keinen blassen Schimmer davon hat, wohin – eine zutreffende Metapher für viele Phänomene in unserer modernen Welt.

In den Sichronot begegnen wir einem Wechsel von einer Stimmung der Angst und der Besorgnis zu einer Sphäre von Vertrauen und Geborgenheit. Nur unser Gedächtnis kann uns dazu verhelfen, unsere Ängste zu besänftigen. Die Erinnerung kann uns helfen, uns als Juden und Menschen zu entwickeln.

G“tt ist der Herrscher der Erinnerung. Nur durch den Wiederaufbau und der Aktivierung unsers gemeinsamen und individuellen Jiddischen Gedächtnisses können wir den Weg finden, G“tt während unseres irdischen Daseins auf würdige Art zu dienen.

Der letzte Teil: die Schofarot

Sichronot stabilisiert den Blick auf die Vergangenheit. Schofarot richtet sich aus auf die glorreiche Vision von Optimismus, Vertrauen und auf die Hoffnung einer besseren Zukunft. Zu Zeiten des Tenach wurde auf dem Schofar geblasen, als das Jüdische Volk Krieg führte.

Heutzutage ruft der Laut des Schofars uns noch immer dazu auf, streitbar, wehrbereit für die Zukunft von Israel, der Wahrheit und der Welt zu sein.

Die Töne des Schofars versprechen uns, dass die prophetischen Träume von Erlösung, vom wiedererbautem Zion und Jerusalem, von Beschützt- und Geborgenheit, von intellektuellem Wachstum und Erneuerung, endlich in Erfüllung gehen werden.

Schofarot bedeutet Hoffnung und Inspiration und es die Aufgabe von Eltern, Lehrern und leitenden Verantwortungsträgern, die Begeisterung und Inspiration auf andere und auf sich selbst zu übertragen. Denn wer selbst überzeugt und inspiriert ist, kann auch andere inspirieren.

Rabbi Sa’adja Ga’on (10. Jahrhundert, Babylon) sagt, dass das Schofar uns an die Thora auf dem Berg Sinai erinnert, als die Töne des Schofars laut waren. Der Kol Schofar, der Klang des Schofars auf dem Berg Sinai hallt noch in die Jüdische Welt von heute nach.

Es ist gerade nur einige Generationen her, da schienen diese Töne zu verstummen. Viele dachten und glaubten, dass das Ende des traditionellen Judentum kurz bevor stand.

Aber die Thora hat in den letzten fünfzig Jahren im Jüdischen Volk einen herausragenden Platz erhalten.

Wie wundersam! Der Laut des Schofar steht für die Erlösung des Jüdischen Volkes, des Landes Israel und für die Zeit des Maschi’ach, wo die Menschheit voller Sehnsucht hin schaut!

Es gibt eine Menge zu verbessern, innerhalb und außerhalb Israel, aber wir dürfen nicht für die Töne von Hoffnung und Stolz taub bleiben, die die lautere Existenz eines Jüdischen Staates uns schon verleiht. Der Prophet Jesaja sagte es bereits: „Uwa‘u ha’owdim be’eretz aschur wehanidachim be’eretz mitzrajim wehischtachawu laSchejm behar hakodesch biruschalajim“: Kommen werden sie, sie, die im fernen Land des Reichtums verloren waren und sie, die im Elend des Gallut verstoßen waren. Sie werden sich in Jerusalem vor HaSchem verbeugen.

Das klingt in unseren Ohren als die Botschaft von Hoffnung und Rettung, von Friede und Harmonie und das bringt uns zum fröhlichen Aspekt von Rosch Haschana.

Rosch Haschana steht symbolisch für das Leben.

Alles Teil unseres menschlichen Daseins – vom Plan G“ttes für unser Dasein.

Glücklich ist der Mensch, der HaSchem nicht vergisst, denn der wird Dank sei HaSchem Lebenskraft erhalten. Widerspiegeln diese Wörter nicht alle unsere Empfindungen über HaSchem? In guten und in schlechten Zeiten, in Augenblicken der Freude und des Optimismus, aber auch, wenn uns Schmerz und Unsicherheit ereilt, sollte HaSchem Bestandteil unserer Andacht bleiben. Der Ewige ist gleichzeitig weit weg, aber auch sehr nahe.

G“tt ist unser gemeinsames Gedächtnis, unsere Hoffnung und Optimismus. ER beobachtet, verlangt, beurteilt und belohnt. An Rosch Haschana stehen wir von SEINEM Angesicht.

Mögen wir alle in das Buch des Lebens, in das Buch der Segnungen, Friede und Gerechtigkeit eingeschrieben werden!

Rosch Haschana ist tatsächlich ein Tag des Urteils, aber auch ein Tag von Erneuerung, Inspiration, Kraft und Geborgenheit.

Möge dieses Neue Jahr uns näher zu den Tagen der Erlösung bringen. Tage, in denen wir im Wissen geborgen sein werden, dass HaSchem der G“tt der Geschichte ist.

Schana Tow! Ein gutes und gesegnetes Jahr 5781!

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