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Hintergründe für das Schofarblasen – ERKLÄRUNGEN ZU ROSCH HASCHANA (Teil II)

Hintergründe für das Schofarblasen - ERKLÄRUNGEN ZU ROSCH HASCHANA (Teil II)
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von einem unserer Korrespondenten

12. Zehn Gründe für das Schofarblasen:

1.       An diesem Tag hat G”tt die Schöpfung vollendet und wurde König über Seine Welt. Jeder König lässt mit Posaunenschall verkünden, dass seine Herrschaft beginnt. Auch wir setzen den Schöpfer, gelobt sei Er, an diesem Tag zum König ein.

2.       Rosch Haschana ist der erste der Asseret Jemei Teschuwa, der zehn Busstage. Man lässt den Schofarton erschallen, um uns zu warnen: Wer zurückkehren will, der tue es.

3.       Der Schofarton soll die Offenbarung am Sinai in Erinnerung bringen, denn dort heisst es: “Wajehi Kol Haschofar Holech Wechasek Meod – und der Schofarton wurde immer stärker …” (Schemot 19, 19). So wollen auch wir, wie unsere Väter, der Bereitschaft von “Na’asse Wenischma – wir wollen hören und tun – Ausdruck geben, die Gesetze der Tora einzuhalten.

4.       Der Schofarton erinnert uns auch an die Botschaft der Propheten, die mit Schofarblasen verglichen wird: “Weschama Haschomea Et Kol Haschofar … – wer den Schofarton hört, und sich nicht warnen lässt und das Schwert kommt und rafft ihn hinweg, so kommt sein Blut über sein Haupt … wer sich aber warnen lässt, der wird mit dem Leben davonkommen” (Jecheskel 33, 4-5).

5.       Der Schofarton ruft die Zerstörung des Tempels in Erinnerung, den Terua-Ton des Krieges unserer Feinde. Wenn wir das Schofar hören, bitten wir G”tt, unser Heiligtum wieder aufzubauen.

6.       Wenn man den Schall des Widderhornes hört, wird man an die “Akeidat Jizchak – die Bindung Jizchaks” erinnert. Jizchak war bereit, sein Leben für G”tt hinzugeben, doch der Widder wurde an seiner Stelle geopfert. Auch wir sind bereit, unser Leben für die Heiligkeit Seines Namens hinzugeben, und so möge Er uns zum Guten gedenken.

7.       Wenn wir den Schofarton hören, soll uns Ehrfurcht und Zittern ergreifen. Wir sollen uns vor unserem

Schöpfer demütigen. Denn dies ist die Wirkung des Schofars: Zittern und Beben zu veranlassen.

8.       Der Schofarton lässt uns an den Jom Hadin Hagadol – den Tag des grossen Gerichtes – denken. So wie es heisst: “Karow Jom Haschem Hagadol… – Nahe ist der Tag G”ttes, der grosse, sehr nah und sehr bald … Es ist ein Tag von Schofar- und Terua-Ton …” (Zefania 2, 14-16).

9.       Der Schofarton lässt uns an “Kibbuz Galujot – das Wiedereinsammeln der Zerstreuten” – denken und unsere Hoffnungen erwecken. So wie es heisst: “Wehaja Bajom Hahu Jittaka Beschofar Gadol … – und es wird sein an jenem Tag, da wird man in ein grosses Schofar blasen, da werden die Verlorenen aus dem Land Aschur kommen und die Verstossenen aus dem Land Mizraim …” (Jeschajahu 27, 13).

10.     Der Schofarton erinnert uns an die Wiederbelebung der Toten, und verstärkt unsere Glaubensgewissheit daran. So wie es heisst: “Kol Joschwei Tewel Weschochnei Arez … – alle, die ihr auf Erden wohnt, und die ihr im Land sitzt, werdet sehen, wie man die Paniere auf den Bergen erhöht, und wie man ins Schofar bläst, werdet ihr vernehmen … ” (Jeschajahu 18, 3).

13. Uber das Schofarblasen und -hören

Wieviel Schofartöne ist man verpflichtet zu hören? Es müssen neun Tekiot sein. Die Begründung ist in der Tora zu finden: Das Wort “Terua” steht dreimal in der Tora, zweimal im Zusammenhang mit Rosch Haschana (Wajikra 23, 24 und Bamidbar 29, 1) und einmal bezieht es sich auf Jom Kippur im Joweljahr (Wajikra 25, 9). Nach der Überlieferung muss jeder Terua eine Tekia vorangehen. Auch ist es uns überliefert, dass alle Teruot des siebten Monats sich gleichen, sodass sowohl am Rosch Haschana als auch am Jom Kippur des Joweljahres je neun Töne geblasen werden: Tekia, Terua, Tekia dreimal.

Die genaue Natur und Ausführung des Terua-Tones ist im Lauf der Jahrhunderte zweifelhaft geworden. Die Bedeutung des Wortes “Terua” birgt Seufzen und Wimmern in sich, und zwar in dieser Reihenfolge, da ein Mensch bei einem Schicksalsschlag zuerst seufzt und dann, länger anhaltend, wimmert.

Das Seufzen wird mit dem “Schewarim” und das Wimmern mit dem “Terua” ausgedrückt.

Die Ordnung des Schofarblasens

Die Ordnung des Schofarblasens ist nun folgendermassen festgesetzt: 

Der Schofarbläser sagt die Bracha. Dann ertönt:

Tekia Schewarim – Terua Tekia

Tekia Schewarim – Terua Tekia

Tekia Schewarim – Terua Tekia

Dies sind zwölf Schofartöne. Es folgen nochmals neun Töne:

Tekia Schewarim   Tekia

Tekia Schewarim   Tekia

Tekia Schewarim   Tekia

Dann ertönt:

Tekia Terua Tekia

Tekia Terua Tekia

Tekia Terua Tekia

Dies sind wieder neun Töne, insgesamt 30. Mit dieser Anordnung durch die Varianten sind alle Zweifel das Wort ”Terua” betreffend aus dem Weg geräumt

DeMejuschaw und DeMe’umad

Diese 30 Schofartöne, die nach der Toravorlesung und vor dem Mussafgebet geblasen werden, nennt man “Tekiot Mejuschaw’, d.h. man dürfte diese Töne sitzend anhören, nur der Schofarbläser muss die Mizwa stehend ausführen. Dies im Gegensatz zu den “Tekiot Me’umad”, die bei der Wiederholung des Mussafgebetes geblasen werden, und man stehend anhören muss. Sie beschliessen jeweils die drei Gebetseinheiten: Malchujot, Sichronot und Schofarot.

Hundert Schofartöne

Es ist mit der Zeit zum Brauch geworden, im Ganzen 100 Schofartöne zu blasen: Tekiot, Schewarim und Teruot. Die Zahl 100 wird mit den hundert Wehklagen der Mutter Sisras in Zusammenhang gebracht: ” Ihr Weinen und Jammern wird in Deworas Lied mit 101 Buchstaben beschrieben.

14. Verse, die vor dem Schofarblasen gesagt werden

Vor dem Schofarblasen und den Berachot pflegt man das 47. Kapitel aus Tehillim siebenmal zu sagen: “Kol Ha’amim Tik’u Chaf … ihr Völker alle, schlaget in die Hände …”, denn in diesem Psalm kommt der G”ttliche Name siebenmal vor, und zwar “Elokim” – der G”tt des Gerichts. Danach werden sieben zusätzliche Verse gesagt, die G”ttliches Erbarmen beinhalten.

“Min Hamezar Karati Ka … aus der Bedrängnis rief ich G”tt, und Er antwortete mir in der Weite G”ttes” (Tehillim 118, 5). Hierauf folgen sechs andere Verse des Gebets vor Rabbi Nechunja ben HaKane, deren Anfangsbuchstaben die Worte “Kera Satan – Vernichte den Ankläger” ergeben: Koli Schamata … R-osch Dewarcha … A-row Awdecha … Sa-ss Anochi … T(a)-uw Ta’am … N-idwot Pi.

Danach werden die Berachot gesagt und Schofar geblasen. 

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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