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DAS PESSACHOPFER IN ÄGYPTEN – Parascha Zaw

DAS PESSACHOPFER IN ÄGYPTEN - Parascha Zaw
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DAS PESSACHOPFER IN ÄGYPTEN

Ein noch leuchtenderes Beispiel für den Eingriff in unser Privatleben bildet das Pessach-Opfer, das sogenannte Pessach-Lamm. Wer sich an das Gerede bezüglich allerhand Arten von Heiligenschändung erinnert, weiß, welche Emotionen die Schlachtung des Ägyptischen Gottes entfacht haben müssen.

Das Lamm oder der Widder waren die Götzen der Ägypter. Dieses rührt daher, da der Widder das Sternzeichen des Monats ist, in dem der Nil über seine Ufer trat. (Das Wasser des Nils bewässerte die Felder und war für die Ernte unverzichtbar).

Motor der Ägyptischen Wirtschaft 

Der Nil war der Motor der Ägyptischen Wirtschaft und wurde also angebetet. Dieses Lamm sollten die Bnej Jisraejl vier Tage zuvor – am 10. Nissan – ins Haus holen, um es letztendlich am 14. Nissan zu schlachten. Hiermit machten wir uns für die ägyptische Gesellschaft vollkommen inakzeptabel. Hier trennten sich unsere Wege unwiderruflich.

Abschiedsmahlzeit oder Opfer

Die Bedeutung aller Vorschriften des Pessach-Opfers schneidet noch viel tiefer in unser persönliches Fleisch ein. Rabbi J. Grusman erklärt und das unter anderem in seiner Analyse der vielen Aspekte des Pessach-Opfers sehr eingehend. War die letzte Mahlzeit mit dem Pessach-Opfer in Ägypten, am vierzehnten Nissan abends, nun eine Art von Abschiedsmahlzeit, oder war es ein Opfer?

Terminologie 

Es sieht wohl sehr viel nach einem Opfer aus, da hier die Terminologie der Opferungen angewandt wird, wie „das Lamm sollte ohne jeden Fehler sein, ein Männliches unterhalb eines Jahres“ (12:5).

Auch der Passuk (der Satz): „Ihr dürft davon bis morgens nichts übrig lassen. Was davon morgens übrig ist, sollt Ihr mit Feuer verbrennen“ (12:10), ist eine übliche Anweisung bei allen Opferungen. Und auch die Erwähnung „auf Feuer gebraten, sein Kopf, mit seinen Pfoten und seinen Eingeweiden“ (12:9) steht bei Chatat, dem Sühneopfer (Lev. 4:11).

Auch nie auf dem Altar

Auch die Zeitspanne lässt sehr an Opferungen denken: „Sie sollen das Fleisch in derselben Nacht essen“ (12:8). Selbst das Chamejtz-Verbot (keine gegorene Erzeugnisse aus Getreide besitzen dürfen) ist ausgesprochen mit dem Pessach-Opfer verbunden. Es gibt zwei Chamejtz-Verbote: das erste ist mit dem Pessach-Opfer verzahnt: „auf Feuer gebraten, mit ungesäuerter Nahrung und mit bitteren Kräutern solle sie es essen“ (12:8). Chamejtz darf nie auf dem Altar erscheinen und dieses ist ein allgemeines Verbot beim Opfern. Und das zweite ist ein allgemeines Verbot, an den gesamten Pessachtagen gegorene Getreideprodukte  zu besitzen.

Jüdische zu Hause in ein Heiligtum verwandelt 

Beim Pessach-Opfer gab es jedoch ein Problem: in Ägypten gab es keinen Altar, denn es gab noch keinen Tabernakel oder Tempel.

Aber an Stelle eines Tempels wurde das Jüdische zu Hause in ein Heiligtum verwandelt. Die beiden Türpfosten und der Sims wurden als Altar verwendet: „Und sie sollen vom Blut nehmen und es an den beiden Türpfosten und an den Fries schmieren, an den Häusern, in denen sie essen“ (12:7). Im Grunde genommen wurde das gesamte Haus ein heiliger Bereich, wo es keinen Platz für störende Auswärtskräfte gab: „Das Blut soll Euch ein Zeichen an den Wohnhäusern sein. Wenn ICH das Blut sehe, werde ICH über Euch hinweg schreiten. Bei Euch wird es dann nicht die Plage geben, die Elend und Verderbung verursacht, wenn ICH das Land Ägypten schlagen werde“ (12:13).

 Freiraum für irdischen Verderb

Wie im Tabernakel und im Tempel entsprechend, wird hier ein geweihter Bereich geschaffen, zu dem das Böse und Unreine keinen Zutritt hat. Die Engel von Verderbung und Zerstörung hatten draußen zu bleiben. Eigentlich wurde das gesamte Jüdische Zuhause ein großer Altar, der auch als ein Freiraum für irdischen Verderb betrachtet werden konnte: „Nehmet ein Bündelchen Hysop und taucht dieses in das Blut…Streiche vom Blut auf den Sims und auf die beiden Türpfosten. Niemand von Euch darf durch die Türe seines Hauses dieses verlassen, bis morgens. Denn haSchem wird hier durchziehen, um Ägypten zu schalen… (12:22-23). So wie später im Tabernakel und im Tempel kein Opferfleisch außerhalb des Tempels gebracht werden durfte, wird auch hier vermerkt, dass alles Opferfleisch innerhalb des Hauses zu verbleiben hatte: „In EINEM Haus soll das Pessach-Opfer gegessen werden. Vom Fleisch dürft Ihr nichts aus dem Haus nach draußen bringen…(12-46).

Vom Pessach-Opfer werden tatsächlich keine Fettstücke geopfert, aber das Fleisch davon wird wohl gegessen, wie später die Kohanim (die Priester) das Opferfleisch aßen und dadurch Kappara (Verzeihung, Vergebung) erzielten.

Widmung des irdischen Jüdischen Zuhause 

Dieses war der Anfang des Judentums: die Widmung des irdischen Jüdischen Zuhause und der Mitbewohner an ein höheres Ziel.  Alle irdischen Einzelheiten waren ein Teil davon. Dieses ist ein typischer Charakterzug des Judentums und so ist es (bisher) immer geblieben.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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