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Der erste und letzte Buchstabe der Tora – Parascha Jitro

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בסייד    

Parascha Jitro (Schemot/Exodus 18:1-20:23)

Die Tora beginnt mit dem Buchstaben Bet. Der Zahlenwert dieses Buchstabens ist zwei. Dies bezieht sich auf die beiden Arten der Tora, die wir kennen:

-die Geschriebene Lehre und

-die Mündliche Lehre.

Beide wurden Moses von G’tt auf dem Berg Sinai als zwei gleiche Hälften eines geweihten Ganzen offenbart.

Rabbi Bachja ibn Pakuda (11. Jahrhundert) erklärt, dass die Mündliche Lehre als Pflege der Schriftlichen Lehre gelesen werden sollte. Die Mündliche Lehre vermittelt uns die verborgene Bedeutung hinter dem geschriebenen Text.

Rabbiner Hirsch (1808-1888, Deutschland) vergleicht die Mündliche Lehre lehavdil mit der Vorlesung eines Professors und die Heilige Schrift mit den Notizen eines Studenten. Wer die Vorlesung nicht besucht hat, kann aus den Notizen nur wenig darüber erfahren, was tatsächlich gesagt wurde. Ohne die Erläuterung bleibt der Text der Tora sehr schwer zu verstehen.

Die beiden Steinernen Tafeln

Der Buchstabe Bet ist auch eine Anspielung auf die Steinernen Tafeln, auf denen die Zehn Gebote geschrieben wurden. Auf der einen Tafel befanden sich die fünf Gebote, die die Beziehung zwischen G’tt und dem Menschen regelten, während die andere Tafel die Regeln zwischen den Menschen beschrieb. Beide Tafeln waren in jeder Hinsicht identisch. Dies ist eine wichtige Lektion. Es lehrt uns, dass wir sowohl gegenüber dem Allmächtigen als auch gegenüber unseren Mitmenschen sehr sorgfältig handeln müssen. Das eine ohne das andere ist eine Verzerrung und Perversion des wahren Judentums.

Groß und klein

Der letzte Buchstabe der Tora, das Lamed (was eigentlich “lehren” bedeutet), und der erste Buchstabe der Tora, das Bet, bilden zusammen das Wort “lew” (Herz). Die Tora erhebt diejenigen, die sie mit ganzem Herzen studieren.

Der Name Jisraëel beginnt mit dem kleinsten Buchstaben, dem Jud, und endet mit dem größten Buchstaben, dem Lamed. Jeder hat das Potenzial, sich von einem “kleinen Kind” zu einem großen Gelehrten zu entwickeln. Was ist der Schlüssel zu Erfolg und Wachstum?

Der Schlüssel zum Erfolg

Was ist der Schlüssel zum Erfolg? Es ist Bescheidenheit, wenn man an G’tt und seine Mitmenschen denkt. Mit Hilfe der Tora können wir jene geistigen Höhen erreichen, die uns verheißen sind, aber sie sind nur mit der nötigen Demut und Bescheidenheit zu erreichen, vor allem gegenüber dem Allmächtigen. Wenn wir die Tora nicht verstehen können, haben wir nicht das Recht, sie abzulehnen oder sie nach unserem Willen zurechtzubiegen.

Die erlösende Kraft des Tora-Lernens

Im Gegensatz zu den Griechischen Klassikern haben wir eine klare Vorstellung vom Begriff der Zeit:

-Es gibt einen Ausgangspunkt, die Schöpfung, vor 5782 Jahre.

-Es gibt eine Mittelachse, die Tora-Übergabe, das Gesetz der Tora, im Jahr 2448 nach der Schöpfung

und es gibt einen

-Endpunkt, die Zeit des Maschi’ach, im Jahr 6000 (noch 218 Jahre).

Dem Talmud zufolge wird die Zeit des Maschiach um das Jahr 6000 herum sein (nach unserer Zeitrechnung ist es jetzt 5782).

Es ist erstaunlich, dass die Zahlenmystik (Beet=2) uns auch hier den Weg weist. Ich habe noch nicht über den Talmud gesprochen. Es gibt zwei Talmuds:

– der Jerusalemer Talmud und

-der Babylonische Talmud.

Vierzig

In der Lehre der Zahlenwerte hat der Jerusalemer Talmud den Zahlenwert 1066 und der babylonische Talmud den Zahlenwert 524. 524 addiert zu 1066 ist 1600; die Wurzel von 1600 ist 40.

Die Zahl 40 erinnert uns an die 40 Tage, die Mosche auf dem Berg Sinai verbrachte, als er die Schriftliche und Mündliche Lehre erhielt. Die Mischna, die Mündliche Lehre, beginnt mit dem Buchstaben ‚Mem‘, der den Zahlenwert 40 hat, und endet mit dem Wort Schalom, Frieden, dessen letzter Buchstabe ebenfalls ein ‚Mem‘ ist.

Das Lernen der Tora hat auch eine erlösende Kraft. Der Prophet Jesaja (1:27) stellt fest, dass: “Zion wird durch Gerechtigkeit erlöst werden und die, die zurückkehren, durch wohltätige Gerechtigkeit”. Der erste Teil dieses Satzes hat den Zahlenwert 1066 und der zweite Teil 524. Der Ga’on von Wilna, Rabbi Elijahu (18. Jahrhundert), erklärt, dass wir durch das Lernen und Leben der Mündlichen Lehre (Gerechtigkeit und Wohltätigkeit) an der finalen Erlösung teilhaben werden.

Volk des Buches…

Wir sind das Volk des Buches, nicht das Volk des Schwertes. Wir haben unserer arabischen Nachbarschaft, die voll von Menschen und Waffen ist, immer die Hand zum Frieden gereicht. Unsere Gedanken gehen ins Heilige Land, wo vor allem in den letzten Jahrzehnten die Jeschiwot und Schulen wie Pilze aus dem Boden geschossen sind: “Denn von Zion soll die Tora ausgehen…!

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Ich bin HaSchem, dein Gtt, Der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, dem Sklavenhaus

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