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Der fünfte Becher mit Wein – Der Becher des Elijahu – der fünfte Sohn

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Der fünfte Becher mit Wein –

Der Becher des Elijahu –

der fünfte Sohn

Weshalb steht auf dem Sedertisch noch ein fünfter Becher Wein, der nicht getrunken wird?

Die Tora (Schmot 6: 8) gibt noch eine fünfte Verheißung im Zusammenhang mit der Erlösung: “Und ich werde euch bringen in das Land”.

Rabbi Tarfon betrachtet die Erlösung als eine fünffache, und deshalb verpflichtet sie uns, fünf Becher Wein zu trinken. Die anderen Gelehrten sind damit nicht einverstanden. Eine halacha ohne definitive Entscheidung wird manchmal mit dem Ausdruck ‘Teku‘ wiedergegeben und bedeutet: ‘es bleibt unbestimmt ’.

Es kann ebenso als eine Abkürzung von hebräischen Wörtern gelesen werden, die besagt, dass Elijahu, der Vorbote Maschiachs, alle halachischen Probleme lösen wird. Wir füllen den Becher, obwohl wir nicht davon trinken und nennen ihn deswegen den Becher Elijahus.

Die vier Becher symbolisieren die vier wesensverschiedenen Kinder. Jedoch ist unsere Befreiung erst dann vollkommen, wenn wir auch den fehlenden, fünften Sohn in unsere Sederfeier mit einbeziehen. Der fünfte Becher auf dem Tisch, der nicht getrunken wird, ist Zeichen für diesen fehlenden Sohn.

Zum bösen Kind sagen wir: “wenn du in Ägypten gewesen wärest, würdest du nicht erlöst worden sein”. Aber nach Matan Tora – der Gesetzgebung am Berg Sinai – hoffen wir natürlich auf die letztendliche Erlösung aller, auch derjenigen, die jetzt noch nicht mit am Tisch sitzen. Die letztendliche Erlösung ist das Thema des Nach-Seders.

Der Name Elijahu setzt sich im Hebräischen aus fünf Buchstaben zusammen. Das ist der fünfte Becher, der traditionell etwas größer ist als die anderen.

Manche haben es sich zur Gewohnheit gemacht, dass alle etwas vom fünften Becher trinken. Andere wiederum sprechen am folgenden Tag Kiddusch über den fünften Becher.

Sobald der Becher Elijahus randvoll gefüllt ist, wird die Haustür geöffnet, um symbolisch anzudeuten, dass wir den Geist des Vorboten des Maschiach willkommen heißen, weil er die letztendliche Erlösung bringt.

Im Nach-Seder wird, (anders als im Vor-Seder, in dem die Befreiung aus Ägypten zentral stand), die zukünftige Erlösung gefeiert.

Es gibt eine Tradition, die besagt; dass Elijahu aus dem fünften Becher trinkt und anschließend den Inhalt über alle Teilnehmer des Sederabends verteilt.

Vielleicht könnte das die folgende Bedeutung haben: unsere individuellen Lebensbecher können verschieden sein: manche erfahren etwas mehr Glück, andere leider etwas weniger. Wenn wir weiter nichts gemeinsam haben, werden wir die Erlösung nicht näherbringen.

Trinken wir gemeinsam aus einem Becher, dann teilen wir Freude und Elend des Lebens, erleben wir zusammen Momente der Freude und stehen uns bei in schwierigen Zeiten. Erst dann bringen wir die letztendliche Erlösung etwas näher.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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