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DIE AMIDA – GEBET TEFILLA – Teil 45

GEBET TEFILLA - Teil 4
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DREI TEILE

Die Amida kann in drei Teile unterteilt werden:

1. Die ersten drei Berachot, die eine Einführung in das Gebet darstellen. Zuerst loben wir G’tt, bevor wir fortfahren mit:

2. Den mittleren dreizehn Berachot, der wichtigste Teil und in dem wir G’tt bitten, für unsere verschiedenen spirituellen und materiellen Bedürfnisse zu sorgen.

Wir schließen mit:

3. Die drei letzten Berachot, in denen wir uns bei G’tt bedanken und von Ihm Abschied nehmen.

Rav E. Munk zieht eine Parallele zwischen den drei eröffnenden Berachot und den drei schließenden Berachot. Die ersten drei beschreiben G’tt und die letzten drei beschreiben unsere Beziehung zu Ihm. Wenn wir die Amida starten, beantworten wir zuerst drei Fragen:

-Wer regiert die Welt? – Der G’tt unserer Vorfahren, der in Seinem Mitleid auch ihre Nachkommen beschützt und sich um sie kümmert.

-Wie groß ist G´ttes Stärke? – Seine Stärke und Kraft ist unbegrenzt. Er ist die ultimative Kraft hinter jeder Form des Seins und Lebens – vom Regen, der Samen hervorbringt, über die menschliche Gesundheit, die Heilung von Krankheiten bis hin zur Auferstehung der Toten.

– Was beeinflusst ihn? – Er ist der Heilige, Nur G’tt, der sich jeglichem irdischen Einfluss entziehen kann. Wir müssen ihn fürchten und ihm dienen und hoffen auf sein Mitleid mit uns.

Wenn wir uns am Ende der Amida von G-tt verabschieden, konzentrieren wir uns auf uns selbst und unsere Fähigkeiten:

-Wer sind wir? – Wir sind G´ttes Diener, deren großes Privileg darin besteht, Seinen Willen zu tun.

-Wie großartig ist unsere Stärke? – Unsere Stärke ist begrenzt und völlig abhängig von dem, was G’tt uns gibt. Wir sind vollkommen abhängig und danken Ihm für jedes Geschenk.

-Was betrifft uns? – Wir sind den Elementen und allen Arten von Kräften ausgeliefert, die wir nicht kontrollieren können. Wir können nur so lange funktionieren, wie G-tt innerlich und in unserer Umwelt für Harmonie sorgt.

TAGESOPFER

Unsere Tefillot ersetzen die täglichen Opfer im Tempel. Dies gilt im Allgemeinen für die Tefilla, im Besonderen für Amida. Rav S.R. Hirsch sieht eine klare Entsprechung zwischen den drei oben genannten Teilen des Amida-Baumes und den Prozeduren der Korban-Hatamid (tägliches Opfer).

Das Verfahren der Korban hatamid war wie folgt:

1.     Zerikat-Dam – das Spritzen von Blut (vor dem Schlachten eines Schafes, dem Sammeln von Blut und der Lieferung an den dafür vorgesehenen Ort). Das Blut symbolisiert Nefesch- die Seele des Menschen. Blutspritzen auf G-ttes Altar symbolisiert das Bestreben der g´ttlichen Seele, sich vollständig G-tt hinzugeben und sich durch die Erfüllung seiner g´ttlichen Aufgaben, an Ihn zu binden.

Chazal nennen die ersten drei Berachot der Amida

1. Avot (Patriarchen, Vorfahren),

2. Gevurot (mächtige Taten) und

3. Keduscha (Heiligung).

Diese drei Berachot rufen unseren Nefesch (Seele) auf, sich G’tt zu widmen. Wir werden uns des Bundes bewusst, den G’tt mit unseren Avot (Vorfahren) geschlossen hat, und unserer Verpflichtung, diesen Bund täglich durch unser Handeln zu erneuern.

Dies wird durch die Tatsache verstärkt, dass wir unsere Größe und Kraft im Gevurot erkennen, so dass wir schließlich zu dem Schluss kommen, dass es unsere Aufgabe ist, G’ttes Namen (Keduscha) durch unser Handeln und Verhalten zu heiligen.

2. Haktarat Evarim – Verbrennen der Gliedmaßen (vorher Haut abziehen und in Stücke schneiden).

Dies symbolisiert die Vorbereitung und das Opfer aller inneren und äußeren Organe und Glieder, die dazu dienen, die verschiedenen intellektuellen, moralischen und physischen Aktivitäten zum g´ttlichen Feuer der Tora auszuführen – eine logische Folge der Ordination des Nefesch (Seele).

Die dreizehn mittleren Berachot, in denen wir G´tt um alles bitten, was wir für unser geistiges und materielles Wohlbefinden brauchen, drücken dieselbe Idee aus. Mit unserer Bitte sprechen wir Ihn nur an, weil wir wissen, dass alles von Ihm abhängt. Dies bedeutet jedoch auch, dass wir nur alles verwenden, was wir uns von Ihm wünschen, und zwar gemäß Seinem Willen, wie es in der Tora zum Ausdruck kommt.

3. Mincha und Nesachim – Mehl und Trankopfer, die jede Korban Ola begleitete (Brandopfer, zu welcher Gruppe der Korban hatamid, das tägliche Opfer, gehört). Dies ist ein symbolischer Akt des Dankes für alles, was G’tt uns gibt. So sind auch die letzten drei Berachot:

a. eine Bitte an G’tt, unseren Dienst gerne anzunehmen, sei es in Form von Opfern oder Tefilla und

b. eine Danksagung für die unermüdliche Liebe G’ttes, gefolgt von einer weiteren kurzen Bitte, für alle unsere Bedürfnisse zu sorgen.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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