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DIE ROLLENVERTEILUNG NOACHS ZWISCHEN SEM CHAM UND JAFET – Parascha Emor

DIE ROLLENVERTEILUNG NOACHS ZWISCHEN SEM CHAM UND JAFET - Parascha Emor
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בסייד

DIE FUNKTION DES PRIESTERS IN DER TORA

Im dritten Buch der Tora nehmen die Kohanim, die Priester, einen wichtigen Platz ein. Nicht umsonst heißt dieses dritte Buch Levitikus, denn alle Kohanim stammten aus dem Stamm der Levi. Die Leviten sind alle Nachkommen von Levi, dem dritten Sohn des Erzvaters Jakob. Mose und Aharon waren ebenfalls Nachkommen von Levi. Die Nachkommen von Aharon werden Kohanim oder Priester genannt.

Jeder hat einen bestimmten Auftrag

Als Noach nach der Sintflut die Erde unter seinen Söhnen Sem, Cham und Jafet aufteilte, gab er jedem von ihnen auch einen bestimmten spirituellen Auftrag.

Sem, der Stammvater aller Semiten, versorgte Noach mit Kehuna, der religiösen Anführung. Awraham, ein Nachkomme Sems, nahm die Fahne der religiösen Streitkraft hoch und predigte seinen heidnischen Zeitgenossen den Monotheismus. Avraham legte den Grundstein für das jüdische Volk, das nach dem Wort G’ttes als “mamlechet kohanim” – ein Königreich von Priestern – ein geistiges Leuchtfeuer für die Völker werden sollte.

Verkauf des Erstgeburtsrechts

Nach Awrahams Tod verkaufte Esau sein Erstgeburtsrecht an seinen jüngeren Bruder Jakob im Tausch gegen einen Teller roter Linsen. Der Tora zufolge hat ihn seine Verachtung für die höheren Dinge in der Welt dazu veranlasst, dies zu tun. Das geistige Charisma war für immer an Jakob, dessen zweiter Name Israel war, verloren gegangen. Denn das Erstgeburtsrecht war nicht nur eine Frage des Erbes, sondern in erster Linie das Monopol der priesterlichen Funktionen innerhalb der Familie.

Nur Jakob hielt die Ideale seiner Vorväter Awraham und Jitzchak hoch. Seine Nachkommen würden diese Funktion in der Gemeinschaft der Völker weiter ausüben.

Dies war und ist bis heute die nationale Berufung des Jüdischen Volkes.

Familie und Nation

Die Verbindung zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft erfolgt über die Familie. Die Familie schafft das Umfeld, in dem die neue Generation die nationalen kulturellen Werte kennen lernt. Die Familie ist der Garant für das Schicksal und die Lebensaufgabe ihrer einzelnen Mitglieder. Die nationale Orientierung und das gemeinsame Streben werden in der Familie aufgenommen und weitergegeben. Der Repräsentant der Familie, der Erstgeborene, vertritt die einzelnen Mitglieder der gesamten Familie in ihrem wichtigsten Anliegen. Ursprünglich war der Priester der Erstgeborene der Familie. Er war das Symbol für die Weihe jedes einzelnen Familienmitglieds an G’tt.

Die Wahl der Kohanim

Doch mit der Zeit erwiesen sich viele Familien des Jüdischen Volkes dieser Berufung als unwürdig. Als sie am goldenen Kalb sündigten, wurde deutlich, dass sie für eine solche religiöse Entwicklung noch nicht reif waren. Der erhabene Auftrag des Jüdischen Volkes als Ganzes war durch die Verderbtheit und Ohnmacht in vielen Familien gefährdet. Das heilige Ideal musste geschützt werden, und der Vermittler zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft wurde anderswo gesucht. Der Priesterstamm der Levi sollte mit dieser hohen Aufgabe betraut werden. Die Kohanim, Nachkommen des ersten Hohepriesters Aharon, wurden zu den Vertretern des Jüdischen Volkes bei der Durchführung der Riten, die die nationale Weihe an G’tt im Tempel in Jerusalem zum Ausdruck bringen sollten. Wie sich das Jüdische Volk zu den anderen Völkern verhält, so verhält sich die Priesterklasse zum Jüdischen Volk.

Die Richtung vorgeben

Das Hebräische Wort kohen leitet sich von der Hebräischen Wurzel k-w-n ab und bedeutet entweder “Basis” oder “Richtung geben”. Auch heute noch gelten die Kohanim als diejenigen, die in hervorragender Weise geeignet und prädestiniert sind, Israel in seinen grundlegenden Werten in der Weihe an G’tt zu leiten und zu vereinen. Und hier zeigt sich ein grundlegender Unterschied zwischen der Funktion des Priesters in den heidnischen Religionen und im Judentum.

Anders als in den alten Religionen

Die alten Religionen – aber auch die Erfahrung des Glaubens heute – waren geprägt von der Verbindung religiöser Rituale mit dem Tod in all seinen Erscheinungsformen. Wo das menschliche Leben endet, beginnt die Souveränität G’ttes. Für viele war und ist der Tod die einzige wirkliche Manifestation von G’ttes Vorsehung. Für sie ist G’tt ein G’tt des Todes und die Religion ist in erster Linie für diesen Lebensabschnitt bestimmt. Die Hauptaufgabe des nichtjüdischen Priesters bestand also darin, die letzte Lebensphase zu begleiten. Der jüdische Priester ist anders, weil das jüdische Konzept von Religion anders ist. Die Tora wird Torat Chaim genannt, die Lehre des Lebens. Und der G’tt Israels ist der G’tt des Lebens.

Das Leben ist zentral

Das Lebendige, Befreiende, Erhebende und Positive ist im Judentum von zentraler Bedeutung. Die Jüdische Lehre zeigt vor allem, wie man leben soll, wie der Mensch durch den freien Willen immer höhere Höhen erreichen kann, wie die “Toten” im Leben überwunden werden können, wie Abhängigkeiten von allen möglichen körperlichen Trieben und moralischen Schwächen überwunden werden können. Die Lehre des Judentums zeigt, wie man G’tt auch in den täglichen Freuden des Lebens dienen kann. Dies ist die Lehre, der G’tt Sein Heiligtum gewidmet hat, und dies ist der Bereich, in dem Seine Priester, die Kohanim, wirken.  

Der Mensch ist in einem moralischen Sinne frei

Wenn der Tod eingetreten ist und die Umstehenden aufgefordert werden, dem Leichnam die letzte Ehre zu erweisen, müssen sich die Kohanim zurückhalten, um die Idee der aufrichtenden Kraft des Lebens als Symbol des “Lebensideals” aufrechtzuerhalten und zu verhindern, dass das Denken an den Jüngsten Tag die ewige Wahrheit des Judentums außer Kraft setzt – dass der Mensch moralisch frei ist und nicht den Naturgesetzen, dem reinen Determinismus oder der biologischen Kausalität unterliegt.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

AUSWEITUNG DER ERZAEHLUNG DES AUSZUGS AUS AEGYPTEN UND EIN MASS DER INHALTE - Parascha Emor

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