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Echad mi Jodé’a – Zusammenfassung in ein Leitprinzip

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Echad mi Jodé’a – Zusammenfassung in ein Leitprinzip

Die Tora enthält sechshundertdreizehn Gebote, die uns Mosche Rabbenu gegeben hat.

König David fasste die sechshundertdreizehn Gebote zusammen in elf Hauptprinzipien, damit die Essenz der Tora besser greifbar wurde.

Der Prophet Jesaja machte daraus sechs Kategorien,

während der Prophet Micha die Gebote auf drei Prinzipien reduzierte.

Schließlich fasste der Prophet Chabakuk alles zusammen in ein Leitprinzip: “Der rechtschaffene Mensch lebt im Glauben und Vertrauen auf G’tt” (B.T. Makkot 23b).

Immer wieder müssen wir zur Basis und zum Fundament der sechshundertdreizehn Ge- und Verbote der Tora und zu den Auslegungen für die Praxis im täglichen Leben zurückkehren.

Schwierigkeiten beim Ausüben der abgeleiteten Regeln sind oftmals ein Zeichen dafür,

dass wir ein Problem haben in unserer Beziehung zu der Essenz unseres Glaubens, zu der Einzigkeit G’ttes.

Ein Rabbiner fing mal eine Diskussion mit einem jungen Mann an, der an seinem Glauben zweifelte:

“Schauen Sie, Rabbiner, ich bin Atheist, ich glaube nicht an G’tt”.

Der Rabbiner antwortete: “Setze dich darüber hinweg. An den G’tt, an den du nicht glaubst, glaube ich auch nicht”.

Es macht wenig Sinn, zu behaupten, dass wir nicht glauben, außer wenn wir unseren Glauben durchschauen.

In Echad Mi Jode’a werden alle Auswirkungen von der Einzigkeit G’ttes,

ob religiös oder säkular, immer wieder zum Ursprung von allem zurückgeführt.

Dreizehn, die Glückszahl

Warum zählen wir bis dreizehn? Warum halten wir nicht bei zehn an oder zählen bis ins Unendliche? Die Zahl Dreizehn verweist auf die dreizehn Eigenschaften von G’tt, soweit es überhaupt möglich ist, darüber zu sprechen.

Mit dem Auszug wurde beabsichtigt, eine Jüdische Nation zu gründen, die als “Volk des Buches” in die Geschichte eingehen würde.

Die Tora schreibt vor, dass wir “G’tt folgen müssen” (Dewarim 13:5).

So wie G’tt die Armen ernährt und die Nackten bekleidet, so sollen auch wir tun. (B.T. Sota 14a).

Die Hagada muss mit diesem Thema enden. Es soll unseren Blick für das restliche Jahr dahingehend schärfen und eine Ermunterung für die Zukunft sein….

Echad Mi Jod’a

Wer kennt den Einen?

Es bedeutet nicht nur, dass es keine anderen G’tter gibt, sondern auch, dass neben G’tt nichts existiert.

In der Hagada wird G’tt HaMakom (die Stätte) genannt.

G’tt ist die Stätte der Welt und die Welt ist nicht die Stätte G’ttes.

Die Frage ist weniger, ob “G’tt existiert”, sondern vielmehr, ob “der Mensch überhaupt existiert?“

Ist unsere Welt, die wir erfahren, wirklich so reell?

Erschaffung aus dem Nichts

Chassidische Meister erklären, dass es eine unendliche Kluft zwischen der creatio ex nihilo (etwas aus dem Nichts erschaffen) und der ‚Erschaffung aus etwas anderem‘ gibt.

Wenn ein Künstler etwas schafft, dann kann das Kunstwerk auch nach seinem Tod weiter existieren, weil es das Material, aus dem es gemacht wurde, schon vorher gab.

Diese Welt ist EINE kontinuierliche Schöpfung G’ttes.

Würde G’tt Seiner Schöpfung auch nur einen Moment nicht gedenken, dann würde alles direkt in einen Zustand des Nicht-Existierens zurückfallen.

Sie können sich das so vorstellen: Sie träumen von zwei Personen, die miteinander diskutieren, sich wo möglich prügeln.

In Ihrem Traum und Empfinden handelt es sich bei diesen Wesen um reelle Personen, die über ein wichtiges Thema diskutieren.

Sie erkennen jedoch, dass sobald sie aufhören zu denken oder zu träumen, diese fiktiven Menschen ihre Daseinsberechtigung verlieren.

Unsere Schöpfung wird jede Millisekunde von neuem kreiert, weil G’tt sie fortwährend aufrechterhält.

Der Mensch ist die Krone der Schöpfung und in dieser Eigenschaft dazu bestimmt, G’ttes Königreich hier auf Erden zu errichten.

So ist verständlich, dass dieses Lied seinen festen Platz am Ende des Nachseders erhalten hat, als Vorbote für die Rückkehr zur alltäglichen Realität, in die wir die Botschaft von Pessach mitnehmen sollen.

Dabei ist es wichtig, dass wir bei jedem Schritt, den wir tun, die fundamentale Einheit der Schöpfung nicht aus den Augen verlieren. Echad mi jodea…

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

OHNE SICHTWEITE WIE AUS EINEM HUBSCHRAUBER WIRD SELBST DIE TORA VERKANNT - PARASCHA BEHAR-BECHUKOTAI

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