in

ETHISCHES BEISPIEL AUF STEIN – Parascha Ki Tawo

ETHISCHES BEISPIEL AUF STEIN - Parascha Ki Tawo
image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken
Parascha Ki Tavo  (Dewariem/Deut. 26:1 – 29:8)

“Beim Überqueren des Jordans…, nehmt große Steine aus dem Flussbett mit auf das gegenüberliegende Ufer. Schmiert die Steinen mit Kalk ein und schreib die Gesetze G“ttes in den Kalk. Wenn die Überquerung vollendet ist, sollt ihr die Steine auf dem Berg Ebal aufrichten wie ein Denkmal” (Dewarim 27: 2-4).

Der Ebal befindet sich in der Nähe des Ortes Schechem, dem Ort Nablus.

In der Geschichte unserer Patriarchen ist Schechem wichtig. Avraham war in Israel als erste in Schechem, wo G“tt ihm erschien (Bereschit/Gen. 12:5-7).

Unser dritter Patriarch Ja’akov hat für 100 Kesjita in Schechem ein offenes Feld gekauft (Bereschit/Gen. 33:19).

Damals kam das jüdische Volk nach 210 Jahren Sklaverei in das verheißene Land zurück. 

G“tt erklärte ihnen, dass sie dort nicht ohne Erfüllung der ethischen, moralischen und rituellen Aufträge der Thora (über)leben könnten. 

Laut Raschies (1040-1105) Erklärung sollte der Inhalt der Thora auf die oben genannten zwölf Steine in 70 Sprachen aufgeschrieben werden. Die Thora in siebzig Sprachen würde eine Botschaft für die siebzig Völker sein, ein moralischer Auftrag, eine Aufforderung an die eigene Werteverantwortung für alle Bürger dieser Welt.

Es scheint, dass unsere Weisen noch einen weiteren Aspekt des Lebens in Israel betonen wollten: dem jüdischen Volk obliegt es, der Welt den Inhalt der Thora zur Kenntnis zu bringen.

Denn die Thora enthält auch für andere Völker wichtige ethische Richtlinien.

Die Lebensmission des Avraham sollte gemeinsam geteilt werden mit der ganzen Menschheit.

Ursprünglich sagte G“tt auch zu Avraham: “Durch dich werden alle Familien der Erde gesegnet sein”. 

Schechem spielt eine wichtige Rolle im Leben des Ja’akov. Nachdem er Esav begegnet war, liess Ja’akov sich nieder in Schechem.

Einige Zeit später begehrte der Prinz von Schechem Ja’akov’s Tochter Dina und vergewaltigte sie, als sie seine Zuneigung nicht erwiderte. Daraufhin töteten Schimon und Levi alle Männer von Schechem, weil ihre Schwester so grausam  behandelt worden war.

Ja’akov, der eine hohe moralische Lebensführung vertrat und stets den Monotheismus verteidigte, konnte nicht ertragen, dass sein Name ob dieser Tat bei die Einwohnern des Landes in Verruf geriet.

Das jüdische Volk ist da, um G“ttes Namen zu heiligen und mit Liebe zu erfüllen. Das war das Ziel unserer der aufblühenden Existenz unseres Volkes als eine “heilige Nation und Königreich von Priestern”.

Der zerstörte “Ruf”, der in Schechem entstanden war, wird erst durch das Schreiben der Thora in deutlichen und klaren Worten in der Nähe eben dieses selbes Ortes wiederhergestellt.

An der Stelle, wo das menschliche Blut so reich floss, wurde nun ein neues Zeitalter mit Hilfe und durch das Niederschreiben der Thora begonnen, es entstand aus der Schrift auf dem Stein, der unberührt von Mordwaffen und Kriegswerkzeugen war.

Aber kann man die ganze Thora wirklich in siebzig Sprachen auf zwölf Steine schreiben? Auf diese Frage beziehen sich in den Kommentaren die vier folgenden Stellungnahmen:

·       Nach der ersten Meinung wurde nicht die gesamte Thora geschrieben, sondern lediglich die 613 Ge- und Verbote niedergeschrieben

·       Eine zweite Meinung geht in die Richtung, dass die ganze Tora aufgeschrieben wurde, so dass es sich hier entweder um außergewöhnlich große Steine handelte oder HaSchem ein Wunder wirkte

·        Andere unterstellen, dass nur das Schema auf den Steinen notiert wurde, während

·        Rabbiner Epstein schreibt, dass nur die Zehn Gebote niedergeschrieben wurden.

Gerade die letzten zwei Meinungen sind besonders bemerkenswert.

Im Schema steht, dass: “G’tt, der jetzt noch unser G’tt ist, auch G’tt aller Völker der Welt sein wird”.

Die Zehn Gebote sind die sieben Noachidischen Gebote, die für alle Menschen gleicherßen gelten. Das Land Israel befindet sich an einem Knotenpunkt vieler Zivilisationen. Die Absicht war, dass jeder teilhaben solle am G’ttlichen Wort und alle Völker dieses in ihr eigenes Land einbringen würden.

Das ist die Aufgabe des jüdischen Volkes. Israel ist das spirituelle Zentrum der Juden in der ganzen Welt. Aber auch für die Nichtjuden sollen wir ein Licht unter den Völkern sein und ethisches und allen ein moralisches Vorbild werden und geben.

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Sonstige Bräuche und Vorschriften - ERKLÄRUNGEN ZU ROSCH HASCHANA (Teil III)

Sonstige Bräuche und Vorschriften – ERKLÄRUNGEN ZU ROSCH HASCHANA (Teil III)

Bescheidenheit gegenüber G'tt - Parascha Ki Tawo

Bescheidenheit gegenüber G’tt – Parascha Ki Tawo