in

Götzendienst ist eine verkehrte Sichtweise oder Einstellung – Haftara zu Parascha Behar-Bechukotai

image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

Die zweite Perspektive auf die HAFTARA BEHAR-BECHUKOTAI: Jeremia 16:19-17:14

 „O G“tt, meine Kraft und meine Burg, meine Zuflucht in Zeiten der Not. Von allen Enden der Erde strömen alle Völker zu Dir hin. Sie werden sagen: „Die Götter unserer Ahnen scheinen nichts als Betrug zu sein, sie sind nichts wert, sie bieten keine Hilfe“.

Wer ist ein Held? Der, der im Stande ist, sich zu beherrschen

Götzendienst wurde strengstens verboten. Aber was bedeutet das Heutzutage? In den Pirkej Awot – den Sprüchen der Väter (einem Buch voller Weisheit) steht: „Ben Soma sagte: Wer ist Weise? Der, der von anderen lernt. Wer ist ein Held? Der, der im Stande ist, sich zurückzunehmen und sich zu beherrschen. Wer ist reich? Der, der sich darüber freut, was er besitzt. Wer erhält Ehre und Bewunderung? Der, der anderen Menschen ehrt und bewundert“.

Prahlen mit Macht, Kraft, Reichtum oder Intelligenz

Das Judentum warnt vor dem Prahlen mit und über Macht, Kraft, Reichtum oder Intelligenz. Aber noch wichtiger ist die Aussage: wer ist ein Held? Die Definition für einen Held ist jemand, der im Stande ist, sich selbst zu beherrschen, seine Gelüste und Leidenschaften zu zähmen und seine Bedürfnisse oder Sehnsüchte zu zügeln.

Helden des Geistes

Das Judentum kennt also keine Heldenverehrung, wie in den mittelalterlichen Ritterromanen oder wie in den griechischen Göttergeschichten. Unsere Helden sind Helden des Geistes. Menschen, die über ihre irdischen Einschränkungen, kleinen Interessen, schwierigen Umständen, Selbstverliebtheit oder Egoismus hinausgewachsen sind.

wenn man lieber gibt als nimmt

Unsere Helden sind keine Filmstars und Pop-Idole, da diese oft nur eine oberflächige Ausstrahlung haben und manchmal überhaupt keine guten Beispiele für unser alltägliches Verhalten sind. Unsere Helden sind die Kraftprotzen des Geistes, die ein großes Wissen über das G“ttliche in dieser Welt mit einer sehr menschenwerten und „gebenden“ Geneigtheit verbunden haben.

Man ist erst ein Jüdischer Held, wenn man lieber gibt als nimmt und jedem im Umfeld Teil haben lässt an seinen Kenntnissen, an seinen Talenten, an seinen guten Eigenschaften oder Besitztümern.

Das gegenwärtige Heidentum

Die Jüdischen Helden haben sich immer gegen die Vergötterung von Dingen und Denkmale gewandt. Viele Menschen sind davon überzeugt, dass Götzendienst gegenwärtig nur noch bei sehr primitiven Völkern vorkommt. Niemand wird sich davon bewusst, dass der Götzendienst eigentlich viel näher sein zu Hause hat. Das gegenwärtige Heidentum ist die Vergötterung von allem, was verständlich ist – der Verstand – und das direkt Tastbare, die Materie.

Moderne Menschen verneinen oder lehnen jede Art von G“ttlichkeit ab – eine Kraft oder Macht oberhalb des Menschen – und sind der Ansicht, dass es nichts anderes gibt außerhalb des wahrnehmbaren Universums. Das jetzt und hier erhalten einen absoluten Wert; die materielle Welt besteht im modernen Denken selbständig.

mit G“tt identifizieren

Auch der moderne Mensch hat jedoch Bedürfnis an einer Vorbildfunktion. Aber an wem sollten wir uns dann für ein Beispiel oder für ein Empfinden wenden, wie wir unsere Persönlichkeit entwickeln sollten? Im Grunde genommen sollte der Mensch sich mit G“tt identifizieren. Das geht nicht so einfach. Wir sind darauf bedacht, G“tt durchgehend zu imitieren und uns mit Ihm zu vereinen. Wie machen wir das? Indem wir Sein gutes Beispiel in die Tat umsetzen.

Sich an G“tt heften

Nur indem wir uns vom Mitmenschen lösen, können wir EINS mit G“tt werden. In der Thora steht tatsächlich, dass wir uns an G“tt heften sollten. Aber die Frage der Jüdischen Gelehrten hierzu ist: „G“tt ist doch ein verzehrendes Feuer, wie kann man sich dann an IHN heften?“. Die Antwort lautet: genau so, wie G“tt die Nackten kleidet – wie in der Thora zum Beispiel Adam und Eva – und den Armen zu essen gibt, sollten auch wir für unsere Mitmenschen sorgen. Das Nachmachen und das Imitieren von G“tt bedeutet, dass wir uns mit Seinem Wesen identifizieren. G“tt nachmachen nennen wir Heiligkeit. G“tt ist unser größtes „Beispiel“.

Heiligkeitsprogramm

Aber, da der Mensch kein G“tt ist, hat G“tt ein Heiligkeitsprogramm vorgegeben und eine Anzahl von Aufträgen angeordnet, die wir die Mitzwot (Gebote) nennen. Dadurch identifizieren wir uns mit dem Willen G“ttes. Da wir annehmen, dass der Mensch eine G“ttliche Seele hat und dass jene G“ttliche Seele der höchste menschliche Aspekt ist, dürfen wir sagen, dass wir unsere wirkliche Persönlichkeit und den innersten ursprünglichen Kern unseres Charakters auf diese Weise lernen zu erreichen und zu kennen. Es ist wohl eine Lebensreise. Dieses, das G“tt nachmachen, ist eine Aufgabe, die für das gesamte Leben gilt.    

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Parascha der Woche für Kinder 6-11 Jahre alt – Parascha Bechukotai

DÜRFEN WIR DIE DNA VON EMBRYONEN VERÄNDERN?