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IST DAS JUDENTUM FARBENBLIND? – Parascha Behaalotecha

IST DAS JUDENTUM FARBENBLIND - Parascha Behaalotecha
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בסייד

GETRATSCHE: WER WAR MOSCHE’S ÄTHIOPISCHE FRAU?

„ Mirjam und Aharon sprachen über Mosche wegen der äthiopischen Frau, die er geheiratet hatte… Sie sagten: „Hat Haschem nur allein mit Mosche gesprochen? Er sprach doch auch mit uns? G“tt hörte das.’ Der Mann Mosche war der bescheidenste Mensch, der auf Erden lebte“ (Num. 12:1-2).

Raschi: sie sprachen über Zippora’s außerordentliche

Schönheit

Raschi (11. Jahrhundert) erklärt hierzu, dass wir die Erwähnung über eine äthiopische Frau nicht wörtlich nehmen sollten. Mosche hatte nur eine einzige Frau, Zippora, eine Midjanitische. Nun könnte „Äthiopische“ auch schwarz bedeuten und man könnte das so auslegen, dass Mirjam und Aharon über die schwarze Hautfarbe von Zippora sprachen. Einige Midjaniten waren wirklich sehr dunkelfarbig (laut Ibn Esra). Da das Judentum nicht rassistisch ist – jeder kann Jude werden – und aus dem Kontext nicht hervor geht, dass Mirjam über Zippora’s schwarzes Äußerliche Bemerkungen fallen ließ, nimmt Raschi hier an, dass sie über Zippora’s außerordentliche Schönheit sprachen.

KEINEN KÖRPERKICHEN KONTAKT

Black is beautiful. Laut Raschi sprachen Mirjam und Aharon über die Tatsache, dass Mosche mit seiner Frau keinen Kontakt mehr hatte und sich vollständig seinen G“ttlichen Offenbarungen widmete.

Woher wusste Mirjam, dass Mosche sich von seiner Frau abgewandt hatte? Mirjam stand neben Zippora, als die Neuigkeit rund ging, dass Eldad und Medad Propheten geworden wären. Verzweifelt rief Zippora aus: „Wehe den Frauen dieser Propheten. Wenn ihre Männer sich mit Prophezeiungen anfangen zu beschäftigen, werden sie ihren Frauen keine Aufmerksamkeiten mehr widmen, so wie mein Mann Mosche, der mit mir keinen Kontakt mehr hat“. (gemeint ist die körperliche Beziehung zwischen Mann und Frau).

Mirjam nahm dieses schockiert auf und erzählte es Aharon. Sie sprachen Moshe hierüber an, aber ohne böse Absichten. Sie meinten, das würde der Thora widersprechen, der Lehre von Mosche, die immer das Interesse für das Irdische gepredigt hatte.

ZIPPORA’S SCHÖNHEIT

Mirjam und Aharon rühmten deshalb Zippora’s Schönheit. Das Word „Kuschi“ muss man in übertragendem Sinn verstehen: „genauso wie sich Jeder im Klaren über die schwarze Hautfarbe der Äthiopier ist, war sich auch Jeder über die Schönheit von Zippora einig, die nicht nur körperlicher, sondern auch geistiger Art war. Zippora war die perfekte Frau, sowohl im irdischen wie im spirituellen Sinn“.

Dass Mosche mit Zippora keinen Kontakt mehr hatte, lag nicht an ihrem Äußerlichen oder Innerlichen. Es lag ausschließlich an seinen außerordentlich intensiven Kontakten zum Höchsten, dass Mosche sich von seiner Frau zurückgezogen hatte.

Moshe’s Niveau der Prophetie viel höher als ihr eigenes Niveau

In dieser Beziehung waren Mirjam und Aharon weniger intensiv zugange. Sie realisierten anscheinend nicht, dass Moshe’s Niveau der Prophetie viel höher als ihr eigenes Niveau war. Mirjam und Aharon brüsteten sich damit, dass auch sie mit dem Höchsten sprachen, jedoch trotzdem jede bezw. jeder für sich ein normales Eheleben führte. Aber sie irrten sich in ihrer Sichtweise über das prophetische Niveau ihres jüngeren Bruders Mosche.

Gematria, Zahlenwert

Raschi’s Erklärung passt gut in den Kontext, denn die Episode über das Eheleben von Mosche und Zippora folgt sofort nach dem prophetischen Auftreten von Eldad und Medad. Seine Erklärung verträgt sich jedoch wohl weniger gut mit der buchstäblichen Bedeutung des Wortes „Kuschi“, das übrigens in der Gematria, also als Zahlenwert, auch „von äußerlicher Schönheit“ bedeutet.

RASCHBAM’S ERKLÄRUNG

Raschi’s Enkelsohn, Rabbi Schmuel ben Meir, genannt Raschbam, erklärt das Wort „Kuschi“ wörtlich. Moshe war in der Tat mal mit der Königin von Äthiopien verheiratet.

Was war geschehen? Nach dem Tod eines ägyptischen Aufsehers übergaben Datan und Aviram umgehend Mosche dem Pharao. Pharao entschied, dass Mosche getötet werden sollte. Mosche flüchtete nach Äthiopien, wo König Kokinus und Bileam um die Macht in der Hauptstadt kämpften. Bileam hatte einen Staatsstreich geplant und verschanzte sich in der Hauptstadt von Äthiopien.

MOSCHE UND ADONIA

Bileam hatte die Hauptstadt an zwei Seiten mit hohen Mauern verstärkt. An der Seite der dritten Windrichtung entlang ließ er einen tiefen Kanal graben und an der vierten Seite sorgte er dafür, dass sich dort überall Schlangen befanden, so dass die Hauptstadt nicht einzunehmen war.

Mosche war noch jung, aber besonders stark, schön und überdies gescheit. Die Belagerung dauerte entsetzlich lange. König Kokinus starb nach neun Jahren. Die Soldaten wählten Mosche zum König. Mosche musste dann Adonia heiraten, die Witwe des Königs, aber er rührte sie nie an.

Mosche machte einen Plan. Der Schwachpunkt der Stadt war die Mauer der Schlangen und Ungeziefer. Mosche befahl seinen Soldaten, Störche für die Jagd abzurichten und ließ diese Tiere drei Tage nichts essen. Danach schickte er seine Soldaten in die Schlangengrube. Jeder musste seinen Storch auf den Schultern mitnehmen. Die Störche wurden losgelassen und es blieb keine Schlange mehr übrig. Der sich selbst gekrönte Bileam musste um sein Leben rennen. Mosche bekam im königlichen Palast die alte Krone von Kikonus und wurde erneut zum König gekrönt.

Nach 40 Jahren verließ Mosche Äthiopien, im Alter von 67 Jahren. Er zog nach Midjan, denn er durfte nicht nach Ägypten zurück. Dort begegnete Mosche Jitro und seiner Tochter Zippora.

Mosche lehrte sie alle Prinzipien des jüdischen Glaubens. Besonders Zippora verinnerlichte seine Worte in vollen Zügen. Im 77sten Lebensjahr heiratete Mosche Zippora und wurde kurz danach erwählt, um Am Israel zu erlösen.

DIE KUSCHI WAR KÖNIGIN ADONIA

Raschbam bezieht sich mit seiner Erklärung von „Kuschi“ auf Königin Adonia. Mirjam und Aharon sprachen Mosche auf die Tatsache an, dass er zwar 40 Jahre mit Adonia verheiratet sein konnte aber noch keine fünf Jahre mit Zippora und schon jetzt keinen Kontakt mehr zu ihr hatte.

Grossvater Raschi und Enkelsohn Raschbam

Raschbam achtet mehr auf den Pschat, der einfachen Bedeutung des Wortes „Kuschi“, als auf den Kontext. Raschi achtete mehr auf den Kontext als auf die wörtliche Bedeutung eines jeden Wortes. Hierin liegt der Unterschied zwischen Grossvater Raschi und Enkelsohn Raschbam.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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