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Lasst uns sie, die Mitzwot nicht vereinfachen oder ihre Zahl verringern, um das Judentum anzupassen an jeden Geschmack! – Parascha Nizawim

Lasst uns sie, die Mitzwot nicht vereinfachen oder ihre Zahl verringern, um das Judentum anzupassen an jeden Geschmack! - Parascha Nizawim
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EIN NEUES JAHR: MACHT ETWAS MEHR !

Auf Rosch Haschana feiern wir die Schöpfung des Menschen. Nach jeder Serie von Schofartönen singen wir “hajom harat olam” – heute wird die ganze Welt erschaffen.

Aber in der Tat wurde der Mensch an Rosch Haschana erschaffen. Die Schöpfung des Universums begann bereits fünf Tage früher.

Rosch Haschana war der sechste (6) Schöpfungstag. Übrigens sind wir genau an diesem Schabbat bereits in der Mitte der Schöpfungsgeschichte angelangt.

Der Mann war von Anfang an für höhere Ziele bestimmt. Daher wurde die Erde, aus der G’tt den Menschen schuf, aus dem Boden genommen auf dem später der Tempel zu Jeruschalaim errichtet werden sollte.

Der Mann wurde mit besonderer Sorgfalt geschaffen. Während alle anderen Kreaturen mit einer Hand von Haschem erschaffen wurden, schuf Er den Menschen mit beiden Händen.

Und nach Adam kam Chava.

Bei der Schöpfung der Frau wurde zum ersten Mal in der Geschichte ein Mensch von einem anderen Mensch geschaffen. Die Frau ist also das am meisten menschliche Wesen auf Erden.

Und doch fehlten die Menschen innerhalb kürzester Zeit.

Alle Bestandteile von Rosch Haschana, Jom Kippur und der dazwischenliegenden Umwandlungstage finden wir in der Schöpfungsgeschichte wieder. Nach der Schöpfung gab es unmittelbar Sünde und Reue, Chet und Teshuwa.

Die Midraschim enthalten, beginnend mit der Erschaffung von Adam und Chava, alle wichtigen Themen in Bezug auf Rosch Haschana und Jom Kippur:

Ein Weglaufen und Verweigern vor G”ttes heiligen Aufträgen, Undankbarkeit für alle guten Dinge, Hochmut, Mangel an Sorgfalt, Zwispalt säen, unrechtes Verlangen, Eifersucht, Sündenfall und Bedauern, Reue und Teschoewa, schließlich Einkehr.

Adam und Chava wurden von G’tt selbst geschaffen und waren somit perfekte Menschen. Adam wurde am Freitag erschaffen. Zur ersten Stunde des Tages sammelte G’tt die Erde. In der zweiten Stunde vermischte G’tt die gesammelte Erde; während der dritten Stunde bildete Er die Gliedmassen des Mannes.

In der vierten Stunde blies Er Atem in seine Nase; während der fünften Stunde erhob G’tt Adam. In der sechsten Stunde liess G’tt ihn einschlafen und während der siebten Stunde formte Er Chava und Er brachte sie wie eine Braut zu Adam. Adam und Chava wurden als Erwachsene von zwanzig (20) Jahren geschaffen.

Während der achten (8) Stunde brachte Er sie in den Garten Eden, ins Paradies und dort verbot Er ihnen zu essen vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Während der neunten (9) Stunde kam die Schlange zu Chava. Zur zehnten (10) Stunde begingen Adam und Chava wissentlich ihre Sünde. In der elften (11) Stunde wurden sie verurteilt und während der zwölften (12) Stunde aus Gan Eden vertrieben.

Wir leben in einer Zeit, in der es eine große Diskussion über die Frage gibt, wie wir das Judentum attraktiver machen können.

Schaffen wir das, indem wir größtmögliche Anstrengung in die Erfüllung unserer Jüdischkeit investieren, in unsere Taten, unsere Denkweise und in die Art, dies weiterzugeben, oder sollten wir das Judentum im Gegenteil vereinfachen, entschlacken, wie man heute so gerne sagt? Einige Menschen denken, dass es zu viele Mitzwot, zu viele Aufträge gäbe. Eine Vereinfachung des Judentums, ein niedriger Hängen der Anforderungen und Hürden würde die Attraktivität signifikant steigern.

Aber nach dem Urteil zahlreicher Rabbiner lernen wir aus der Episode der Erschaffung Adams, dass es falsch ist zu glauben, durch eine Reduzierung der Anforderungen könne man die Menschen näher zum Judentum heranführen.

Adam wurde von G’tt selbst erschaffen. Er hatte nur ein einziges Verbot zu erfüllen, und das war nur gültig für etwa drei (3) Stunden, ab Freitagnachmittags gegen 15.00 Uhr bis zum Schabbat. Dennoch ist es auch ihm, diesem von Haschem selbst erschaffenen Menschen, nicht gelungen, diese eine Mitzwa, diesen einzigen Auftrag zu erfüllen.

Um wie viel mehr gilt dieses Verfehlen heute für uns? Und exakt aus diesem Grunde, genau um es uns zu ermöglichen, uns zu aktivieren und zu motivieren, zu jeder Zeit, bei praktisch jeder Gelegenheit, an jedem Platz mit Ihm in Kontakt zu kommen, hat G’tt uns so viele Mitzwot (Aufträge) gegeben.

Lasst uns sie, die Mitzwot nicht vereinfachen oder ihre Zahl verringern, um das Judentum anzupassen an jeden Geschmack!

Das Wesen von Rosch Haschana lehrt uns nämlich gerade so viel wie möglich zu tun. In allen Aspekten, auf jeder Ebene unseres Lebens muss diese G’ttliche Nachricht – so wie unser Schofar – schallen.

Schabbath Schalom!

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Das Judentum ist eine Religion der Taten - Parascha Nizawim

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LIEBE UND ASSIMILIERUNG -Parascha Nizawim

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