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MORDECHAI’S DILEMMA: JUDENTUM UND ANTIVIREN

MORDECHAI'S DILEMMA JUDENTUM UND ANTIVIREN
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In der jüdischen Welt gibt es zwei große Probleme: Assimilation und Antisemitismus. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Assimilation und Antisemitismus?

-Ist es ein umgekehrtes Verhältnis im Sinne von: je mehr Assimilation, desto weniger Antisemitismus?

Oder gibt es eine Eins-zu-Eins-Beziehung: je weniger Assimilation, desto weniger Antisemitismus?

-oder hat Assimilation nichts mit Antisemitismus zu tun? Die Antwort liegt in der Megillat Ester, der Ester-Rolle.

DEFINITIONEN

Aber was ist Assimilation überhaupt? Und wie viele Arten von Antisemitismus gibt es?

Assimilation bedeutet Anpassung des Judentums. Es gibt heute viele angepasste Formen des Judentums:  Das Judentum im Exil ist ein typisches Beispiel.

Es gibt auch begrenzte Erfahrungen mit dem heutigen Judentum, die sich nur auf einen oder wenige jüdische Aspekte konzentrieren:

-Kulinarisches Judentum, denn gefillte Fisch, Tschulent und Kigel gehören immer dazu, und das erste Verbot aus der Thora war das Essen.

-vegetarisches Judentum: basierend auf “Weiter sagte G’tt”: Ich gebe euch alle samentragenden Pflanzen und alle Obstbäume der Welt; dies wird eure Nahrung sein”.

-sozialistisches Judentums, denn die meisten Thoraregeln sind hauptsächlich bein adam lechavero, zwischen Mensch und Mitmensch,

-nationalistisches Judentums, weil das Leben in Israel so zentral für die Thora ist. Und

-Kapitalistisches Judentum, denn die Thora regelt auch viele finanzielle Details des Lebens.

All dies steht im Gegensatz zum wahren Judentum, das alle Aspekte des Lebens umfasst.

ANTISEMITISMUS

Es gibt auch viele Arten von Antisemitismus:

1.      Die religiöse Variante, von anderen Religionen. Da viele von ihnen in der Nachbarschaft gespielt haben, sehen sie ihre Herkunft natürlich nicht mehr.

2. Wirtschaftlicher Antisemitismus. Anscheinend sind Juden harte Arbeiter. Dennoch waren zum Beispiel etwa 80% der Vorkriegsjuden Arbeiter und finanziell nicht in beneidenswerten Verhältnissen. Neid und Eifersucht auf die nicht vorhandenen Reichtümer entstehen ständig.

3. Sozialer Antisemitismus. Der Hass auf Juden ist ein soziales Vorurteil, das durch bestimmte Stereotypen und feste Vorurteile gekennzeichnet ist. Juden sind ein wenig anders. Je stärker der Antisemitismus, desto mehr bleiben wir zusammen.

4. Antisemitismus durch Minderwertigkeitsgefühle. Sind wir intelligenter? Vielleicht unterrichten wir unsere Kinder früher. Es ist auffällig, dass sich unter den Nobelpreisträgern relativ viele Juden befinden.

5. Rassismus: Das Problem ist, dass wir keine Rasse sind.

6. Xenophobie: Angst vor dem Fremden. Wir sind einfach nicht fremd. Wir leben hier schon länger als die meisten unserer Landsleute.

7. Antizionismus: die Politik Israels. Unter dem Deckmantel des Anti-Israelismus wird der Antisemitismus wieder salonfähig. Der Antizionismus ist die modernste Variante des Antisemitismus.

Wie ging Mordechai mit Antisemiten um?

Sehen wir, wie der Jude (par excellence) Mordechai mit Antisemiten umging. Mordechai wurde mit Haman konfrontiert, der die “Endlösung” des jüdischen Volkes vor Augen hatte. Im dritten Kapitel der Megilla, der Ester-Rolle, werden die ersten Schritte Hamans erzählt. Ich paraphrasiere:

“Nach diesen Ereignissen erhob König Achashmerosch Haman, den Sohn Hammedatas, den Agagiten, und stellte seinen Sitz über alle anderen Fürsten. Alle Diener des Königs verbeugten sich vor Haman, denn so hatte es der König befohlen; aber Mordechai verbeugte sich nicht vor Haman.

Da sagten die Diener des Königs zu Mordechai: “Warum verstößt du gegen das Gebot des Königs? Sie haben ihn jeden Tag danach gefragt. Aber Mordechai hat nicht auf sie gehört. Und sie sagten Haman, er solle sehen, ob Mordechai an seinem Standpunkt festhalten würde, denn er habe ihnen gesagt, dass er ein Jude sei. Als Haman sah, dass Mordechai sich nicht vor ihm verbeugte, wurde er wütend. Aber er dachte, es sei zu wenig, nur Mordechai zu töten. Haman wollte alle Juden vernichten.“

Unnachgiebigkeit als Ursache für den Erlass zur Tötung?

Unsere Weisen sagen uns, dass die Juden damals mit Mordechai’s Haltung nicht glücklich waren. Seine Unnachgiebigkeit wurde als Ursache für den Erlass zur Tötung aller Juden gesehen. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Dekrets wurden alle Juden aufgefordert, drei Tage lang zu fasten und zu beten, damit das Dekret vom Himmel gekippt werden konnte.

Mordechai’s Tsidkut (Aufrichtigkeit)

 Warum hat niemand gegen Mordechais Unnachgiebigkeit Einspruch erhoben? Warum ist niemand aufgestanden und hat lauthals verkündet, dass alles Mordechais Schuld sei? Weil jeder an seinen Holzschuhen fühlte, dass Mordechai der  größte talmied Chagam (Gelehrte) und Tsaddiek (Heiliger) ihrer Generation war, tat er alles leschSchamajim, für G’d, und verbeugte sich nicht für Haman, weil Haman eine Götzenstatue um den Hals trug.  

Jeder verstand, dass Mordechai von der Tora inspiriert war und alles nur zum Wohle des jüdischen Volkes tat. Zusätzlich zu Mordechais totaler Aufrichtigkeit wurde er auch von seinem Volk geliebt. Seine Mitbürger hatten das Gefühl, dass alles, was er tat, zum Wohle seines Volkes war.

Mordechai schätzte brüderliche Gefühle

Warum haben Sie sich so gefühlt? Weil er jeden wie einen Bruder betrachtet und behandelt hat. Dies wird auch wörtlich am Ende der Megilla (frei übersetzt) beschrieben: “Mordechai war groß… denn der Jude Mordechai war der zweite Mann nach König Achaschverosch, wurde von den Juden hoch geschätzt und gefiel vielen seiner Brüder; er suchte immer das Beste für sein Volk und sprach immer für das Wohl aller seiner Kinder” (Ester 10:2-3). Warum war er großartig? Weil er seine Mitmenschen als Brüder betrachtete.

Güte ausstrahlen

Jeder verstand, dass Mordechai immer das Wohl aller im Auge hatte. Und dass Mordechai sich nach der Halacha (jüdisches Gesetz) und dem jüdischen Glauben nicht vor dem antisemitischen Erzfeind Haman beugen konnte und sollte. Deshalb hat er alle in seinem Aufruf zum Teshuwa (Buße) und zum Fasten veranlasst. Niemand gab ihm die Schuld. Weil Mordechai “jedermanns Freund” war. Eine wichtige Lektion für alle jüdischen Führer. Geben Sie allen das Gefühl, dass sie Ihre Freunde sind! Übrigens steht bereits in der Thora geschrieben: “Liebe deinen Nächsten, wie du dich selbst liebst”. Dies gilt auch in der jiddischen Politik.

Antisemitismus bleibt eine Gehirnwäsche

Und zurück zur Eingangsfrage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Grad der Assimilierung und dem Antisemitismus? Nein, ganz und gar nicht. Im Allgemeinen kümmern sich Antisemiten überhaupt nicht darum, was die Juden tun. Der Antisemitismus wurde nicht durch Mordechais Verhalten ausgelöst.

Haman suchte nur nach einem Vorwand, um das jüdische Volk zu vernichten. Heute sind wir leider wieder Zeuge dieses anhaltenden Phänomens. Es gibt Länder, in denen kaum Juden leben, und der Antisemitismus ist weit verbreitet. Antisemitismus ist eine fixe Idee. Sie ist unabhängig von den Juden oder jüdischem Verhalten. Und hat nichts mit der Realität zu tun. Es ist und bleibt ein Geistesblitz. 

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One Comment

  1. Es gibt ein interessantes Buch zum Thema Antisemitismus: Tillman Tarach / Der ewige Sündenbock.
    Tillman Tarach ist offensichtlich kein Jude. Er entlarvt, dass inzwischen gängige negative Israelbild als versteckten Antisemitismus.
    Da können die Leute ihren schon beinahe genetischen Antisemitismus als Israelkritik und Eintreten für die “palästinensische Sache” verkaufen. Das ist ein regelrechter Reflex geworden.
    Er beschreibt in seinem Buch die Entstehung des Antisemitismus sehr anschaulich und detailliert.

    Der ehemalige Israelischer AußenministerAbba Evan vermutete einst:
    “Würde Algerien eine UN-Resolution beantragen, nach der die Erde flach sei und Israel sie plattgedrückt habe, so würde sie mit 164 zu 13 Stimmen bei 26 Enthaltungen angenommen werden.”
    Und: Viele Deutsche würden dem zustimmen.

    Es ist ein hartes Stück Arbeit, die Menschen zum Umdenken zu zwingen.

    Gestern verabschiedete ich Freunde.
    Sie sagten ” Wir haben gar nichts gegen Juden, aber Israel….”
    Ich habe ihnen einen flammenden zehnminütigen Geschichtsunterricht erteilt und sie waren beeindruckt, reflektierten ihre Einstellung.

    Reden lohnt sich immer!

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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