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Hat Efraims Fürst, Elischama, sein Opfer am Schabbat dargebracht? – Parascha Nasso

Hat Efraims Fürst, Elischama, sein Opfer am Schabbat dargebracht - Parascha Nasso
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Hat Efraims Fürst, Elischama, sein Opfer am Schabbat dargebracht?

Wir lesen in Num. 7:49-53 über die Einweihung des Zeltes der Begegnung, wie Elischama, der Fürst von Efraim sein Opfer am siebten Tag darbringt. Wenn der siebte Tag ein Schabbat war, dann hat er gegen das Gesetz gehandelt. In der Mischna Temurah 2:1 steht das Verbot, ein Privatopfer am Schabbat darzubringen. Unter den Kommentatoren gibt es zwei Meinungen: 1. Elischama hat sein Opfer am Schabbat dargebracht, jedoch war es ihm erlaubt oder 2. Es war kein Schabbat.

1. Meinung, es war Schabbat. Daat Zekenim, ein Kommentar aus der Schule der Tosafisten (13. Jh. Frankreich u. Deutschland), erklärt es so:

Efraim ist Josefs Sohn. Josef hielt den Schabbat vor der Gesetzgebung. In Gen. 43:16 steht über Josef als den höchsten Beamten des Pharao: „Und Josef sah Benjamin bei ihnen, und er sprach zu seinem Hausverwalter: Führe die Männer ins Haus, schlachte ein Tier und bereite es zu הָכֵן, denn die Männer werden mit mir zu Mittag essen.“ Josef ließ Essen für seine Brüder vorbereiten. Josefs Befehl an seinen Hausverwalter erging vor Schabbat oder am Schabbat, weil das Wort „Vorbereitung הֲכָנָה auf Schabbat Bezug nimmt, wie es heißt in Ex. 17:5 „Wenn sie aber am sechsten Tag zubereiten וְהֵכִינוּ, was sie einbringen, wird es doppelt so viel sein, wie sie sonst an einem Tag gesammelt haben.“ Wie hier die „Vorbereitung הֲכָנָה für Schabbat stattfindet, so auch bei Josef. Wegen Josefs Verdienst durfte sein Nachkomme Elischama am Schabbat Opfer bringen.

Jetzt interpretiert Daat Zekenim den folgenden Vers in Psalm 60:9 „Mein ist Gilead, mein ist Manasse, Efraim ist der Schutz meines Hauptes…“

Jehoschua stammt aus dem Stamm Efraim. Er eroberte Jericho am Schabbat, nach dem Befehl des Ewigen. In Jehoschua 6:3-4 sagt der Ewige: „Und ihr sollt um die Stadt herumziehen, alle Krieger sollen einmal die Stadt umkreisen; das sollst du sechs Tage lang tun. Und sieben Priester sollen sieben Widderhörner vor der Lade hertragen. Und am siebten Tag sollt ihr siebenmal um die Stadt ziehen, und die Priester sollen die Hörner blasen.“ Es waren 7 Priester, 7 Hörner, 7 Mal umkreisten sie die Stadt Jericho und am 7. Tag sollen sie 7 Umkreisungen machen. Dieser 7. Tag war ein Schabbat. Dank Josefs Verdienst durfte Jehoschua Jericho am Schabbat einnehmen.

2. Meinung, es war kein Schabbat. Ibn Ezra erklärt es so:

Der 7. Tag in Num. 7:49 bezeichnet den 7. Tag der Einweihung des Zeltes der Begegnung aber nicht den Tag der Woche. Sie übersprangen den Schabbat und Elischama brachte sein Opfer am Sonntag (oder an einem anderen Tag). Ibn Ezra versteht den 7. Tag in Jehoschua 6:4 als der 7. Tag der Umkreisung von Jericho aber nicht als den 7. Tag der Woche. Jehoschua übersprang den Schabbat und die Eroberung fand am Sonntag statt.

In 1. Kön. 8:65 lesen wir über die Einweihung des 1. Tempels. König Schlomo und ganz Israel feierten 14 Tage lang ein freudiges Fest. Wir wissen aus 8:2, dass es der 7. Monat war, also Tischri. Aus 2. Chron. 7:9 erfahren wir, dass sie 7 Tage lang die Einweihung gefeiert haben, am 8. Tag gingen sie nach Hause und feierten 7 Tage lang ein weiteres, anderes Fest. Das einzige Fest in Tischri, das 7 Tage lang gefeiert wird ist Sukkot, das am 15. Tischri stattfindet. D.h. Schlomo feierte vom 7. Tischri bis zum 14. Tischri das Einweihungsfest des 1. Tempels. Dann entließ er das Volk, worauf sie vom 15. Tischri bis zum 21. Tischri Sukkot feierten. Wozu das ganze? Jom Kippur, das am 10. Tischri stattfindet, wird nicht erwähnt! Nach Ibn Ezra wurde das 7. tätige Fest der Einweihung am 10. Tischri wegen Jom Kippur unterbrochen. D.h. 7 Tage minus 1 Tag und trotzdem wird das Einweihungsfest als ein siebentätiges Fest bezeichnet. Und genauso wurde das zwölf tägiges Einweihungsfest des Zeltes als ein zwölf tägiges Fest bezeichnet obwohl es am Schabbat unterbrochen wurde. So brachte Elischama sein Opfer am 7. Tag der Einweihung aber nicht am 7. Tag der Woche.”

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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