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Reisen VS. Zu Hause – Was Corona dazu beigetragen hat

CORONA
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In den Zeiten vor Corona war das Reisen und Entdecken sehr beliebt. Ob USA, Naher oder Ferner Osten, Menschen sehnen sich nach der Weite und umso weiter weg, desto besser. Natürlich wird jeder Schritt und Tritt auf Social Media dokumentiert und was ist schon ein Urlaub ohne die Daumen auf Facebook und Kommentare auf Instagram?

Doch warum verreisen bzw. verreisten Menschen so gerne? 

Alain de Botton, schweizer Philosoph und Schriftsteller erklärt, dass es viele verschiedene Gründe gibt, warum Menschen verreisen, aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind auf der Suche nach Etwas. Normalerweise sind sie auf der Suche nach dem, was ihnen, zu Hause in der gewohnten Umgebung fehlt. Sei es Abenteuer, Spaß oder Abwechslung, in der Hoffnung sich zu vervollständigen und letztendlich glücklicher zu werden (Quelle: “Warum verreisen Menschen?” Fikrun wa Fann, Publikation des Goethe-Instituts).

Dies klingt nach einer guten Lösung, doch es gibt ein Problem: Es ist nur eine temporäre Lösung für ein dauerhaftes Problem ist. Sobald man von der Reise zurückkehrt, muss man jedoch eingestehen, dass sich außer einem Loch im Portemonnai, einem überfüllten Telefonspeicher und eventuell etwas Bräune nichts Grundsätzliches verändert hat und man innerlich genauso leer geblieben ist, wie man vor der Reise war. 

Aus diesem Grund machen Reisende viele Fotos und kaufen unendlich Souvenirs, in der Hoffnung etwas von der Brise des Meeres, der Kälte der Berge und dem Spaß und Abenteuer mitzunehmen oder sich zumindest an den Erinnerungen zu wärmen (oder zu kühlen).

Doch dann kam CORONA… 

Die Flughäfen sind menschenleer und der Luftverkehr ist mittlerweile fast vollständig zum Stehen gekommen. Niemand weiß, wann der Betrieb wieder aufgenommen wird, geschweige denn, dass man wieder sorgenfrei reisen kann, ohne sich die Hände jede fünf Sekunden zu desinfizieren und jede mögliche Oberfläche mit Feuchttüchern zu säubern.   Außerdem wurden in vielen Ländern Ausgangssperren verhängt und alle stecken zu Hause fest, dort wo scheinbar die Langeweile und Monotonie am schlimmsten ist…

Ausgerechnet jetzt, wo das Reisen nicht möglich ist und die Quelle des zeitweiligen Glücks für eine unbestimmte Zeit versiegt ist, müssen wir verstehen, dass man keine Tausende Kilometer reisen muss, um Spaß und Abwechslung zu finden. Möglicherweise verstecken sich diese sogar dort, wo wir sie am wenigsten erwarten: Zu Hause. 

Wenn man mit Familie und Kindern den ganzen Tag zu Hause ist, hängt es von der Einstellung des Menschen ab, ob man es als “Hölle auf Erden” oder als qualitative Zeit mit den Kindern betrachtet. Vielleicht wäre jetzt eine gute Gelegenheit den Kindern eventuell zum ersten Mal seit sehr langem richtig zuzuhören und mit ihren ihre Gefühle und Gedanken zu teilen oder mit ihnen zu spielen? Möglicherweise entdeckt man dabei, wie viel Spaß und Abwechslung man dabei haben kann und wie einfallsreich und erfinderisch Kinder sind, wenn es darauf ankommt! 

Anstatt sie mit Filmen und Computerspielen vollzustopfen, damit man seine Ruhe hat, sollte man überlegen wie man diese Zeit gemeinsam verbringen kann. 

Wenn man diese einzigartige Zeit, wo alle zu Hause sind, richtig nutzt und versucht, das beste aus der ohnehin düsteren Situation zu machen, kann der bittere Nachgeschmack von Corona womöglich ein wenig versüßt werden und dazu verhelfen, dass das Eltern-Kinder-Verhältnis gestärkt und verbessert wird. 

Außerdem wird man einsehen, dass “Zu Hause” ein angenehmer und aufregender Ort ist und man an seinem Platz vollkommen erfüllt und glücklich sein kann, ohne tief in die Tasche greifen zu müssen.     

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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