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Sollte man die Kinder in der Synagoge lieber nicht küssen?

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Im Allgemeinen

Unter den vielen halachischen Vorschriften, die das Verhalten im Heiligtum der Synagoge betreffen, ist das Verbot, eine andere Person zu küssen. Dies gilt insbesondere für die Kinder. Das Verbot, seine Kinder in der Synagoge zu küssen, wurde eingeführt, um uns daran zu erinnern, dass die Liebe, die wir für Gott empfinden müssen, sogar die Liebe übersteigen sollte, die wir unseren Kindern gegenüber empfinden (Ramo OC 98:1). Sefer Chassidim (255) schreibt dass, wenn man seine Kinder in der Synagoge küssen dürfe, dies die Rolle der Synagoge als Ort, an dem man sich ausschließlich auf Gott konzentrieren soll verwischen würde. Es spielt nach vielen Meinungen auch keine Rolle, ob die eigenen Kinder jung oder schon erwachsen sind.

Nach örtlichem Brauch

Es ist jedoch gestattet, die Hand eines Elternteils oder Rabbiners zu küssen, wenn dies der örtliche Brauch ist, da dies eher ein Zeichen der Ehre und des Respekts ist. Tatsächlich geht die Praxis, die Hand eines Ältesten in der Synagoge zu küssen, auf die talmudische Zeit zurück. Als solches sehen wir, dass das Küssen in einem religiösen Kontext oft eher eine zeremonielle als eine liebevolle Geste ist.

Ursache des Verbotes

Nach Ansicht einiger Poskim gilt das Kussverbot in der Synagoge ausschließlich für das Küssen der eigenen Kinder. Dies liegt daran, dass die Gefühle, die man für seine Kinder hat, sich von denen anderer Personen unterscheiden. Folglich ist die weitverbreitete Praxis, dass ein Vater seinen Sohn nach der Bar Mitzva Alija küsst, allen Meinungen zufolge halachisch problematisch. Umgekehrt wäre es nach diesem Ansatz zulässig, eine andere Person nach einer Alija oder einer anderen Synagogenehre zu küssen, wie es in vielen sefardischen Gemeinden üblich ist. Manche sefardische Poskim (Ben Isch Chaj Wajikra 11) raten jedoch davon ab, sich auch unter solchen Umständen zu küssen.

Ausnahme

Trotzdem ist es erlaubt, ein Kind in der Synagoge zu küssen, wenn dies notwendig ist, um es nach einer Verletzung oder ähnlichem zu beruhigen. Man darf sein Kind auch küssen, um das Kind zu ermutigen bzw. als Lob für etwas Positives, das das Kind getan hat, wie z.B. Stellen oder Beantworten einer guten Tora-Frage. Dies ähnelt dem Brauch der talmudischen Weisen, die jemanden küssen würden, der einen eindrucksvollen Tora-Diskurs gehalten hat. Dies wurde sowohl in der Synagoge als auch im Beit Hamikdash praktiziert.

Zeitlich begrenzt?

Schließlich gibt es unter Poskim die Ansicht, dass das Verbot, seine Kinder in der Synagoge zu küssen, nur während der Gottesdienste gilt, zu allen anderen Zeiten ist es jedoch zulässig. Diese innovative Regelung basiert auf der Beobachtung, dass die Halacha, die das Küssen in der Synagoge verbietet, im Schulchan Aruch unter “Gesetze des Gebetes” und nicht unter “Gesetze der Synagogue” kodifiziert ist.

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Written by Rav Shlomo Afanasiev

Der Autor wurde in Taschkent, Usbekistan geboren. Hier absolvierte er auch sein Studium in Finanzmanagement und Buchhaltung.Nachdem er mit seiner Familie zunächst nach Leipzig übersiedelte, begann er an der Yeshivas Beis Zion in Berlin zu lernen. Darauf aufbauend setzte er seine Studien am Rabbinerseminar zu Berlin fort.Die ersten zwei Jahre nach seiner Ordination diente Rabbiner Afanasev der Jüdischen Gemeinde Stadt Potsdam als Gemeinderabbiner. Im Sommer 2012 entschloss er sich, als erster Student an das Rabbinerseminar zu Berlin für den weiterführenden Studiengang Dayanut zurückzukehren.
Quelle: ORD

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