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Strafe, Wiedergutmachung oder Belohnung? – Parascha Schmot

STRAFE, WIEDERGUTMACHUNG ODER BELOHNUNG - Parascha Schmot
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„Und ICH werde dieses Volk bei den Ägyptern in Gunst gelangen lassen und…dass Ihr nicht mit leeren Händen werdet wegziehen. Jede Frau wird von ihrer Nachbarin…silberne und goldene Gegenstände verlangen…(Schmot/Ex. 3: 21-22).

Nach der zehnten Plage – dem Tod der Erstgeborenen: „Taten die Israeliten wie Mosche gesagt hatte, sie forderten silberne und goldene Gegenstände und Kleider von den Ägyptern“ (Schmot/Ex. 12:35).

G“tt musste die Juden hier ausdrücklich darum bitten und sie davon überzeugen, dass es nicht verkehrt war, diese Gegenstände oder Angelegenheiten von ihren Ägyptischen Nachbarn zu verlangen (11:2): „Sprich bitte in die Ohren des Volkes und jeder soll von seinem Nachbarn sich ausleihen…Gegenstände aus Silber und Gold“.

Es mag eigenartig erscheinen, dass die Juden nach der langen Sklaverei so eine Ermunterung oder Aufforderung benötigten.

Die Bezeichnung „bitte“

Was bedeutet die Bezeichnung „bitte“ im soeben zitierten Passuk (Vers) Ex. 11:2 ?

Raschi (elftes/zwölftes Jahrhundert) zieht den Talmud entsprechend dazu: Bei der Prophetie beim ‚Bund zwischen den Stücken‘ (Bereschit/Genesis 15) wird die Jüdische Zukunft von G’tt vor Avraham’s geistigem Auge ausgerollt:

–       zu allererst würden die Juden zu Sklaven in Ägypten gemacht werden,

–       aber hiernach würde G“tt die Unterdrücker zur Rechenschaft ziehen

–       und die Juden würden Ägypten mit großen Reichtümern verlassen.

Der erste Teil der Prophetie – die Sklaverei – war in Erfüllung gegangen, aber G“tt befürchtete in der Tat Avraham’s Kritik, dass der zweite Teil der Prophetie (der Auszug in großem Reichtum) nicht erfolgen würde. Um SEIN Versprechen an Avraham zu erfüllen, spornte HaSchem die Juden an, die Devisen der Ägypter zu akzeptieren.

Aber weshalb wird das so negativ dargestellt, dass G“tt den Juden aller Wahrscheinlichkeit nach nur Reichtum geben würde, da ER Kritik seitens Awraham zu erwarten hätte?

Um was es sich hier handelte war, dass man die Zusage „und die Juden werden Ägypten mit großen Reichtümern verlassen“ bezüglich des Zusammenhanges mit der Prophetie beim Bund zwischen den Stücken (Bereschit/Genesis 15) auf zweierlei Art erklären kann:

1.      Als Strafe für die Grausamkeit der Ägypter

oder

2.      Als Belohnung für die harte Arbeit der Juden.

Wenn G“tt die Ägypter nur hätte bestrafen wollen, dann wäre es nicht nötig gewesen „dieses Volk in die Gunst der Ägypter gelangen zu lassen“.

Aber G“tt wollte – so wie das Avraham verstanden hatte – dass die Juden für ihre mühevolle Arbeit belohnt werden sollten und dass dieses von den Ägyptern auf eine sympathische Art bezahlt werden sollte.

Deshalb stimmte G“tt die Ägypter beim Auszug aus Ägypten über die Juden zufrieden, so dass sie ihre silbernen und goldenen Gegenstände und Kleidung mit Liebe weg geben würden oder an die Juden ausleihen.

Normalerweise findet man es nicht lustig, etwas von seinem Eigentum zu verlieren. Um was es sich aber hier handelte war, dass die Ägypter ihr Eigentum mit Liebe an ihre ehemaligen Sklaven vererben sollten. Das würde jedenfalls vielleicht ein Wenig die Brutalität und Unterdrückung gut machen. Avraham hatte damit gerechnet und das wollte G“tt wahrmachen. Deshalb schenkte er den Juden Gunst in der Sichtweise der Ägypter.

Leihgaben beim internationalen Gericht von Alexander

Später bereuten das die Ägypter jedoch. Dieses geht aus einer Episode hervor, die ungefähr Tausend Jahre nach dem Exodus stattfand. Diese „Leihgaben“ erhielten damals einen juristischen Vorgang beim internationalen Gericht von Alexander dem Großen.

Die Ägypter klagten, dass sie den Juden allerhand silberne und goldene Gegenstände geliehen hätten, die sie nun endlich auch mal zurückhaben wollten.

Das Argument von Gewiha ben Pesisa

Gewiha ben Pesisa, der Anwalt der Juden, fragte die Ägypter vor dem Anklagegericht, auf was ihre Forderung basierte. Die Antwort war triumphierend: „Auf Eure Tora!“.

Darauf erwiderte Gewiha: „Dann bringe ich auch meinen Beweis aus der gleichen Tora: „Und die Juden lebten 430 Jahre in Ägypten. Gib uns den Lohn für die Arbeit von 600.000 Menschen während 430 Jahre!“ Alexander der Große forderte eine Antwort von den Ägyptern.

Sie konnte hier nicht kontern und flüchteten in Panik.

Wie aufrichtig sind unsere ehemaligen Feinde?

Ist die Wiedergutmachung eine Schulderbringung oder -Erfüllung für die Vergangenheit? Wie aufrichtig sind unsere ehemaligen Feinde?

Aber die Rückzahlung von geraubten Geldern und Besitztümern ist die einfache, normale Erfüllung von Recht und Gerechtigkeit, auf das wir laut der Tora und den Gesetzen aller zivilisierter Länder – vergleiche die 7 noachidischen Prinzipien – Recht haben!

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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