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Koschere Diät: Seelenerhebung und Körperreinigung – Parascha Schmini

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Koschere Tiere und unkoscheren Tiere werden von einander unterschieden. „Seid heilig, den ICH bin heilig“ (Lev. 11:45) bildet den Schlusssatz der Rechtsprechung über die Art, koscher zu leben. Koschere Tiere sind Wiederkäuer und haben gespaltene Hufen. Was soll das alles bedeuten?

Weshalb wird koscheres Fleisch geschächtet, eingeweicht, gesalzen und abgewaschen?

Ist koschere Nahrung für die Seele gut oder eine Diät für den Körper? Die Thora ist jedenfalls kein medizinisches Nachschlagwerk. Die Thora ist ein religiöser Wegweiser. Wie sollten wir alle diese Vorschriften oder Regeln begreifen, verstehen?

Was ist Heiligkeit? Heilig bedeutet erhaben: auf einer etwas höheren Stufe stehen als das irdische Alltägliche. Heilig kommt vom Wort HEIL. In der modernen Sprache bedeutet ein „Heiliger“ oder „eine Heilige“ eine heile, integrierte Persönlichkeit.

Oft schwanken wir, haben Mühe mit unserem Gleichgewicht: wir neigen uns zu sehr zur profanen Seite des Lebens hin. Dann entsteht eine Doppelmoral. Im materiellen Bereich kann man nicht genug anhäufen, während man sich mit einem absoluten Minimum an Jüdischem Leben sehr schnell zufrieden gibt. So haben wir uns unserer selber geschaffenen ökonomischen Maschine unterworfen. Wir entfremden uns von unserem eigenen ich, führen ein gespaltenes und nicht integriertes Leben; das Gegenteil von Heiligkeit im Sinne von Vollkommenheit. Ideale werden nur angedacht oder benannt, aber ihnen wird nicht nachgestrebt. Einer Religion an zu gehören bedeutet noch nicht, dass man ein wertvolles religiöses Leben führt.

Soll Vieh koscher sein, dann muss es zu allererst Hufe haben. Hufe verweisen auf unsere Einstellung gegenüber dem Materiellen. Wir müssen hier ein Wenig darüber stehen. Wir stehen mit unseren beiden Beinen und Füssen fest auf dem Boden. Wunderbar! Wenn es auch dabei bleibt. Die Heiligkeit ist weit weg zu suchen, wenn unser Kopf durch das Irdische vollständig vereinnahmt ist.

Die Hufe müssen gespalten sein – wir müssen wählerisch agieren. Mit der rechten Hand müssen wir den Mitmenschen zur Thora bringen, mit der linken Hand Kompromisse ablehnen.

Das Vieh muss seine Nahrung wiederkauen – wir müssen wiederkauen. Bevor wir uns in „the struggle for life“, also „in das Lebensgewühle“ stürzen, haben wir dafür zu sorgen, uns zu fragen, ob unser Judentum nicht in Gefahr gerät. Bei jeder Zeitbestimmung fragen wir uns selbst, ob das die richtige ist. Ein neues Auto oder mehr Wohltätigkeit.

Daneben ist Schechita gefordert. Das Schlachten erweitert die tierische Lebenskraft. Oft stehen wir uns wie Tiere gegenüber und benehmen uns nicht, wie es einem Menschen gebührt. Traue Dich ein „Mensch“ zu sein und Dich vollkommen anständig zu verhalten.

Anschließend wird das Fleisch in Wasser geweicht, gesalzen und abgewaschen. Erst dann ist es wirklich koscher: wir müssen unsere materiellen Vorhaben im Wasser des Thora-Lernens und im inbrünstigen Gebet einweichen.

Das Fleisch wird gesalzen, um das Blut zu entfernen. Selbst die geringsten Spuren unserer warmherzigen Begeisterung für das Materielle vertreiben wir aus uns. Erst dann ist es koscher- aber noch nicht kadosch – heilig. Wenn wir alle diese erhabenen Gedanken Wirklichkeit werden lassen, fühlen wir uns arrogant: „Schau her, wie fromm ich bin, ich bin ein wahrhaftiger Heiliger oder Heilige“.

Deshalb wird das Fleisch nach dem Einsalzen nochmals abgewaschen. Keine Spur dieser geistigen Erhebung tritt nach draußen; das eingebildet sein, also die Arroganz, ist dem oder der wahren Frommen fremd.

Die mystische Literatur erklärt, dass die Speisegesetze eigentlich keine Diät für die Seele sind, aber den menschlichen Körper, das Instrument der Seele, säubern. Über den Körper kommuniziert unsere Seele mit ihrer irdischen Umwelt. Wir müssen unseren Körper so sauber wie möglich halten, so dass die Seele mit einem Minimum an körperlichen Hindernissen, durch den Körper hindurch, ihr geistiges Licht auf die materielle Welt scheinen lassen kann. In der Kabbala wird die Seele mit einem Diamantenschleifer verglichen, der von der Qualität seiner Werkzeuge abhängig ist (im Klartext: dem Körper). Wie tüchtig er auch ist, es benötigt nur einen kleinen Fehler an seinen Werkzeugen und seine Erzeugnisse besitzen keine Topqualität mehr.

Das gleiche trifft auf den menschlichen Körper zu. Koschere Nahrung sorgt für „lupenreine Sauberkeit“ des “Transportmittels“ der Seele, des Körpers.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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