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Warum gibt es heutzutage kein Zara´at? – Parascha Tazria-Mezora

Zara´at
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In unserem Wochenabschnitt Tazria-Mezora wird unter anderem über Zara´at (Aussatz) berichtet. Zara´at ist eine Art Aussatz, welcher in Form eines Fleckes auf Menschen, Kleidern und sogar Häusern erscheinen kann. Der Überlieferung nach ist es ein himmlischer Hinweis auf eine Sünde und demnach bedarf der Aussätzige zunächst vollkommene Isolation und im Anschluss einen besonderen Prozess der Reinigung.

Es gibt verschiedene Meinungen zwischen den Kommentatoren, ob Zara´at eine physische Krankheit oder rein spirituellen Ursprungs ist:

Der Ralbag (1288-1344, französischer Philosoph und Talmud-Gelehrter) ist der Ansicht, dass Zara´at eine körperliche Krankheit ist und mit Medizin geheilt werden kann. Seiner Meinung nach bedarf der Aussätzige unter anderem aus diesem Grund vollkommene Isolation, weil diese Krankheit sogar ansteckend ist! Der Abarbanel (1437-1508, jüdischer Philosoph, Politiker und Finanzier im Dienst der Könige von Spanien und Portugal) wiederum ist der Ansicht, dass Zara´at keine gewöhnliche Krankheit ist, sondern eine himmlische Warnung und Strafe und nicht mit Medizin geheilt werden kann.

Beide sind jedoch einverstanden, dass diese Erscheinung eine Strafe für Laschon Hara (wörtlich „Böse Zunge“, negatives und schlechtes Gerede über einen anderen Menschen) ist und aus diesem Grund muss der Aussätzige die Gesellschaft verlassen und isoliert sein, weil er mit seinem Gerede Menschen zerstritten gegeneinander aufgehetzt hat (siehe Raschi Vaikra 13:46).  

Die Gesetze von Zara´at sind sehr kompliziert und das ganze Traktat „Negaim“ (Geschwüre) widmet sich ausführlich diesem Thema.

Ob physische Krankheit oder Symptome einer spirituellen Erkrankung, es bedarf einer Erklärung, warum es heutzutage kein Zara´at gibt (möglicherweise tritt Zara´at als Hauterkrankung auf, aber die entsprechenden Gesetze werden nicht praktiziert)?

Es stimmt, dass für den Prozess der Reinigung teilweise der Tempel (bzw. Mischkan) benötigt wird und diesen haben wir heutzutage leider (noch) nicht, aber das beantwortet nicht die Frage, warum keine Isolation und weitere Gesetze der spirituellen Reinigung (wie das Scheren der Haare etc.) befolgt werden.

Die Antwort auf diese Frage befindet sich im Buch Devarim: 

“Und die Priester, die Söhne Levi´s treten hin, denn sie hat G´tt, dein G´tt erwählt […] nach ihrem Ausspruch wird jede Streitsache und jedes Geschwür entschieden.” (Kap. 21:5)

Hier offenbart uns die Tora, dass Zara´at nur von einem Kohen als solches bestimmt werden kann und solange der Kohen es nicht getan hat, gilt der Aussätzige als spirituell rein, auch wenn er sich mit den Gesetzen auskennt und es sich tatsächlich um Zara´at handelt. 

Obwohl wir heutzutage ebenfalls Kohanim haben, werden für die Bestimmung von Zara´at “Kohanim Mejuchasim” (Kohaniter, welche ihre Abstammung von Aharon, dem ersten Kohen, nachweisen können) benötigt und diese haben wir leider noch nicht. 

Erst wenn der Maschiach kommt und die Abstammung jedes Menschen mit Hilfe des Ruach HaKodesch (G´ttliche Erleuchtung) offenbart (siehe Maimonides Melachim Kap. 12:3), wird es wieder solche Kohanim geben.

‎‏Somit wäre die Frage, warum es heutzutage und bis der Maschiach kommt, kein Zara´at geben wird, beantwortet.

 

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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