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Warum leugnen Philosophen und Wissenschaftler die Existenz G´ttes? – Parascha Schlach

Man sieht das, was man sehen will
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Eine der Behauptungen der Spione war, dass dies ein Land sei, welches seine Einwohner “auffresse”. Raschi erklärt deren Behauptung, dass überall wohin sie gingen, sahen sie Begräbnisse und deshalb kamen sie zum Schluss, dass dieses Land nicht zum Leben geeignet ist und seine Bewohner tötet. 

Doch in Wahrheit wollte G´tt die Bewohner des Heiligen Landes nur ablenken, um den Spionen die Möglichkeit zu geben, in Ruhe das Land auszuspionieren und nicht belästigt zu werden (siehe Haftarah wie die Spione von Yehoshua von den Einwohnern Jerichos verfolgt wurden). 

G´tt kritisiert also die Interpretation der Spione mit der Begründung, dass sie es zum Guten interpretieren sollten.

Der Kotzker Rebbe (Rabbi Menachem Mendel aus Kotzk, 1787-1859) wundert sich darüber, was die Spione falsch gemacht hatten, denn sie sagten nur die Wahrheit, dass sie überall nur Tote sahen und warum wurden sie dafür kritisiert und schlussendlich bestraft?

Er antwortet, dass zwei Menschen ein Geschehnis auf zwei verschiedene Art und Weise interpretieren können, obwohl sie dasselbe sahen und der Unterschied ist nur, dass einer das Gesehene so interpretiert, wie es auf den ersten Blick schien und der andere zuerst darüber nachdachte und es analysierte, bevor er zu seiner Schlussfolgerung kam. 

Wer nach der Wahrheit sucht, wird sich nicht damit begnügen, was er gesehen hat, weil er weiß, dass der Schein trügen kann, sondern er wird prüfen, ob es ins Gesamtbild passt und erst dann wird es zu einer Schlussfolgerung kommen. 

Von den Spionen wurde erwartet, dass sie das Gesehene zum Guten interpretieren, denn wenn G´tt sie in dieses Land führen will, dann muss dies das Beste für sie sein. 

Im Zohar steht, dass die Spione, aus Angst im neuen Land ihre Führungsposition zu verlieren, Laschon Harah (schlechte Rede) über das Land sprachen. Aus diesem Grund interpretierten sie das Gesehene so, dass es ihnen passt und ihnen zum Vorteil ist und es ist anzunehmen, dass sie dies überhaupt nicht wahrnehmen und es in ihrem  Unterbewusstsein passierte.

Rav Elchanan Wasserman (1874-1941) erklärt anhand dessen, wie es sein kann, dass zahlreiche intelligente Philosophen und Wissenschaftler die Existenz G´ttes mit lächerlichen Beweisen leugnen und es ist oft schwer zu verstehen, wie sie selbst daran glauben. 

Doch weil die Einsicht der Existenz G´ttes Sie zur Änderung ihres Verhaltens zwingen und ihren Komfort eingrenzen würde, so ist es durchaus einfacher seine Existenz zu leugnen, auch wenn man dafür sehr unwahrscheinliche Hypothesen aufstellen muss. Es ist durchaus möglich, dass sie selbst sich dessen nicht bewusst sind und es, wie bei den Spionen, in ihrem Unterbewusstsein passiert. Wenn Sie jedoch wirklich nach der Wahrheit suchen würden und bereit wären, sie zu akzeptieren wie sie ist, dann sehe die Haltung der Wissenschaft zur Entstehung der Welt und Existenz des Schöpfers möglicherweise anders aus.

Wir lernen daraus, wie wichtig es ist zu jedem Preis, nach der Wahrheit zu forschen und uns nicht von der Erklärung, welche uns gerade am Besten passt, beruhigen zu lassen, auch wenn wir infolgedessen gezwungen sind, unser Verhalten zu ändern.

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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