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Was bedeutet das Wort Gottes für mich?

Was bedeutet das Wort Gottes für mich?
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Es ist zu einfach über Gottes Wort alleine nur von Glauben zu sprechen. Glauben beinhaltet immer den Beigeschmack von Unsicherheit. Der Glaube in die Wahrheit der Tora ist für das jüdische Volk immer etwas von absoluter Überzeugung gewesen. Der Philosoph und Rechtsgelehrte Maimonides (12. Jahrhundert) sagt aus: „ Das Volk glaubte nicht an Moses wegen der Wunder die er verrichtete. Durch Wunder entsteht kein wahrer Glaube, da es möglich ist übernatürliche Ereignisse mit schwarzer Magie zu erreichen“.

Tora vom Sinai

Aber bei der Offenbarung auf dem Berg Sinai, als unsere eigenen Augen – und nicht die eines Fremden –sahen; als unsere eigenen Ohren – und nicht die eines Anderen –hörten: das Feuer, den Donner und die Blitze. Als Moses in die Wolke trat und die Stimme zu ihm sprach und wir hörten: `Von Angesicht zu Angesicht hat Gott zu dir gesprochen` waren die Juden, zu denen Moses gesandt war, Zeugen seiner Weissagung…“. Wir sind Zeugen und haben es gesehen. Die Tora ist für uns also eine steinharte Realität. Selbst sehen und selbst hören sind derartig überzeugend, das hieran kein Beweis auf Erden etwas ändern kann.

Kritik

Die Bejahung des Textes der Tora ist bis heute unsere Basis geblieben. Wo Bibelkritik seinen Eintritt fand, hörte das traditionelle Erleben des Judentums auf zu bestehen. Bibelkritik entzieht der Tora ihre Zeitlosigkeit, sieht sie an Orte und Umstände gebunden und bedroht ernsthaft ihre wahre Heiligkeit. Das göttliche Wort wird jeder Autorität entzogen. Der Wahrheitsgehalt unseres heiligen Textes wird andauernd zur Diskussion gestellt. Das schließt jedoch nicht aus, das verschiedene Auslegungen nebeneinander bestehen können.

Wirkliches Gericht

Einzigartig ist die jüdische Auslegung, das wir die Tora sehr wörtlich begreifen und befolgen. Wenn die Tora sagt:“ trag in deiner Kleidung kein scha`atneez“ – eine Mischung von Wolle und Leinen – dann sehen wir hierin an erster Stelle die praktischen Anweisung in unserer Kleidung a priori keine Wolle und kein Leinen zusammen zu verarbeiten. Das machen wir dann auch tatsächlich. In traditionellen Geschäften verkauft man nur Kleidung, worin Wolle und Leinen nicht vermischt ist. Die ist für den Uneingeweihten erkennbar an dem rabbinischen Label, das dieses Kleidungsstück `schà atneez-frei` ist. Für Menschen, die normalerweise ihre Kleidung in der Stadt kaufen, gibt es `scha`atneez – Laboratorien, in denen man die Kleidung auf eine Mischung von Wolle und Leinen untersuchen lassen kann.

Erklärung ist schön aber nicht nötig

Das auch noch nette Erklärungen für dieses `scha`atneez – Wolle und Leinen` -Verbot bestehen ist interessant und bisweilen sogar trendy; so wie gegenwärtig der Flora (Leinen) und Fauna ( Schafswolle) ein eigene Daseinsberechtigung zuzuerkennen, ist eine vergnügliche Nebensächlichkeit für nach Neuem gierenden Geisten, aber nicht von durchschlaggebender Bedeutung für das Judentum, das vornämlich auf die irdische Praxis der Ge- und Verbote der Tora gerichtet ist. Gottes Wort ist für mich also Praxis.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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