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Was machen wir am Morgen von Schavuot, nach dem Lernen?

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Hier erfolgen einige praktische halachische Ratschläge für die „Aufbleibenden“ an Schavuot, also für die Menschen, die die ganze Nacht durch lernen und nicht schlafen gegangen sind.

Wenn Sie an Schavuot die ganze Nacht durch lernen, haben Sie ein Problem mit den Morgenberachot. Sechzehn der Morgenberachot können normal gesprochen werden, bei vier entstehen jedoch Probleme. Diese vier sind:

1.       Al Netilat Jadajim;

2.       Birchot HaThora;

3.       Elokai Neschama;

4.       Hama’awir Schena.

Al Netilat Jadajim

      *Laut dem Rosch müssen morgens die Hände gewaschen werden, da wir während unseres Schlafes die unreinen Teile unseres Körpers berühren.

       *Laut Raschba werden wir jeden Morgen ein „neuer Mensch“ und müssen unsere Hände zur Vorbereitung für den Dienst an HaSchem (G“tt) waschen, gleich dem Kohen, der sich die Hände wusch, bevor er den Tempeldienst begann.

Wenn man die gesamte Nacht wach verbracht hat, muss man dann Morgens auch wieder die Hände waschen?

·         Laut Raschba sollte das wohl erfolgen müssen, aber

·         laut dem Rosch ist das Händewaschen nicht erforderlich, wenn man die gesamte Nacht wach geblieben war. Man weiß dann genau, dass die Hände sauber geblieben sind.

 De Rema (fünfzehnhundertzwanzig bis fünfzehnhundertsiebenundsiebzig) harmonisiert beide Ansichten und besagt, dass man die Hände, sobald es Morgen ist, wohl waschen sollte, aber darüber keine Beracha gesagt wird.

Nicht jeder ist De Rema’s Ansicht, deshalb werden die nachstehenden zwei Lösungen angeboten:

1.       Sofort nach der Morgenröte (Alot Haschachar) soll man zur Toilette gehen und die Hände waschen, wonach Al Netilat Jadjim und Ascher Jatsar gesagt werden. Das sei die beste Option.

2.       Mann sollte jemandem, der wohl geschlafen hatte, zu hören, der die Beracha vorsagt, mit der Absicht, dass der „Nachtwächter“, also der während der Nacht gelernt hatte, seine Pflicht erfüllen kann.

Birkat HaThora – Segenssprüche über die Thora

        *Manche Poskim (Gelehrte) sind der Ansicht, dass die Thoraberachot von  gestern fortgesetzt werden, bis eine klare Unterbrechung stattgefunden hat, wie das Schlafen während der Nacht.

         *Andere Poskim sind der Meinung, dass man die Birchot HaThora jeden Morgen sprechen sollte (wohl oder nicht nach einem wohlverdienten Schlaf). Da nicht eindeutig gepaskent (entschieden) wurde, werden die nachstehenden Lösungen angeboten:

1.       Höre einem, der wohl geschlafen hat, zu, der die Berachot spricht, um einen Anderen seine Pflicht erfüllen zu lassen. Hiernach spricht jeder die üblichen Lehrstücke nach den Morgenberachot.

2.       Bei der Beracha vor Keriat Schema, der Beracha Ahawa Rabba, sollte man die Absicht haben, damit die Birchot HaThora zu erfüllen. Sofort nach der Schemone Esre lernt man einen Thora-Abschnitt.

3.       Indem man an Erew Schavuot (den Tag vor Schavuot) zumindest eine halbe Stunde geschlafen hat, darf man die Birchot HaThora an Schavuot-Morgen wieder sprechen, auch wenn man während der Nacht nicht geschlafen hat.

4.       Bei der Rezitation der Birchot HaThora an Erew Schavuot morgens kann man klar bestimmen, dass diese Berachot bis zum Eintreffen des folgenden Morgens gelten (dem Morgen des ersten Tages Jom Tov von Schavuot).

Wenn keiner dieser Optionen Folge geleistet wurde und die Birchot HaThora nicht gesprochen wurden, darf man die Berachot für der Thora wohl sprechen, sobald man an Schavuot morgens nach dem Dawwenen wach wurde.

Elokai Neschama und Hama’awir Schena.

Die Mischna Berura bestimmt, dass es das Beste sei, diese Berachot von Jemandem, der geschlafen hat, zu hören.

Wenn kein Anderer anwesend ist, besagen viele Poskim, dass diese Berachot gesprochen werden dürfen, obwohl man nicht geschlafen hat.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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