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Warum werden an Schawuot Milchprodukte gegessen?

Jüdische Bräuche
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Es gibt einen alten Brauch, an Schawuot Milchprodukte zu essen. Dieser Brauch wird zum ersten Mal in Quellen aus dem 13. Jahrhundert erwähnt und seitdem ist der Käsekuchen ein essenzieller und unzertrennlicher Teil von Schawuot (solange man sich nicht nur darauf beschränkt und die Tora nicht vergisst). Es gibt zahlreiche Gründe und Erklärungen für diesen Brauch, welche die Verbindung von Milch zur Tora und Offenbarung am Berg Sinai erläutern.

Hier sind 5 bekannte und weniger bekannte Gründe für diesen Brauch:

  1. Die Tora wird mit Milch und Honig verglichen, wie es steht (Schir HaSchirim 4:11) „Milch und Honig sind unter deiner Zunge“ (Unsere Weisen lehren, dass sich dieser Vers auf die Offenbarung am Berg Sinai bezieht). Der Grund, warum Tora mit Milch verglichen wird, ist weil genauso wie Muttermilch das Kind ernährt und stärkt, so nährt und stärkt die Tora die Seele des Menschen. Deswegen werden an Schawuot, dem Fest der Erhaltung der Tora, milchige Produkte gegessen. (Kol Bo, 13. Jahrhundert)
  2. An Schawuot wurde im Tempel ein besonderes Speiseopfer (Mincha), bestehend aus der neuen Gerstenernte, geopfert. In der Tora (Bamidbar 28:26) steht diesbezüglich: מחנה חדשה לה´ בשבועותיכם. Das Akronym dieses Verses ergibt חלב, was auf Hebräisch „Milch“ bedeutet. (Rabbenu Avigdor HaZarfati, 13. Jahrhundert)
  3. Die 365 Tage des Sonnenkalenders entsprechen den 365 Verboten der Tora, jeder Tag einem Verbot. Das entsprechende Verbot von Schawuot ist das Verbot Milch und Fleisch zusammen zu kochen und zu essen. Deswegen wird an Schawuot symbolisch eine fleischige und eine milchige Mahlzeit (natürlich getrennt) abgehalten. (Zohar)
  4. Die Gematria (Zahlenwert) des hebräischen Wortes für Milch (חלב, 8=ח 30=ל 2=ב) ist 40. Die Zahl 40 steht für die 40 Tage und 40 Nächte, welche Mosche (zweimal) auf dem Berg Sinai verbrachte, bevor er die Tora erhielt.
  5. Nachdem das jüdische Volk mit der Tora, unter anderem auch die Halachot (Gesetze) des Schächtens und des Kashrut bekamen, konnten sie ihr fleischiges Geschirr nicht mehr verwenden, weil es nicht koscher war und waren gezwungen nur milchige Produkte zu essen. Als Erinnerung daran essen wir am Schawuot auch milchige Produkte. (Mischna Brura Siman 494) 

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

“Schawuot” – Von welchen “Wochen” ist hier die Rede?

Halachot (und Minhagim) für Schawuot