in

40 Jahre lang durch die Wüste wandern, um Israel zu erreichen – Parascha Schlach Lecha

40 Jahre lang durch die Wüste wandern, um Israel zu erreichen - Parascha Schlach Lecha
image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken
Parascha Schlach Lecha  (Bemidbar/ Numeri  13:1 – 15:41)

Parscha Schelach Lechahandelt von der Episode mit den Spionen. Es schien alles so wunderbar: G’tt hatte dem jüdischen Volk das Land Israel versprochen, und zwölf Männer, die Anführer der zwölf Stämme, sollten das Land durchqueren und sehen, ob die Städte massiv gebaut waren. Es waren alles wichtige Persönlichkeiten, die ausgesandt wurden; sie wurden alle namentlich erwähnt. Es endete in einem schrecklichen Drama: Die zehn falschen Spione starben. Der Rest des Volkes musste vierzig Jahre lang durch die Wüste wandern, um das Land Israel zu erreichen. Die gesamte Mission erwies sich als totaler Fehlschlag. 

Warum war es notwendig, Spione auszusenden?

Mosche war ein Mann G’ttes, wie die Tora selbst sagt. Warum war es notwendig, Spione auszusenden? Fehlte es ihm an Vertrauen in G’tt? G’tt hatte ihm viele Male versprochen, dass die Juden das Land bekommen würden. Mosche war auch zuvor gewarnt worden. G’tt sagte ihm – dem Midrasch zufolge – “Schicke die Spione für dich selbst – für mich ist das nicht nötig”. Dies wird im Hebräischen als “Hinweis wie ein Elefant” bezeichnet. Wenn G’tt dir sagt: “Ich brauche es nicht”, sollten bei Menschen, die G’tt fürchten, alle roten Lichter angehen. Dies ist jedoch nicht geschehen. Mosche ging los und sandte Spione aus.

Jehoschua sandte heimlich zwei Männer

Knapp 40 Jahre später mussten die Juden das Land betreten, und wieder wurden Spione ausgesandt: Pinchas, der Enkel des Hohepriesters Aharon, und Kalev ben Jephune, die guten Spione aus der Zeit des Mosche. Diesmal wurden nur zwei Spione ausgesandt, und im Buch Jehoschua werden sie nicht einmal namentlich erwähnt. Der Text in Jehoschua lautet: “Und Jehoschua, der Sohn Nuns, sandte heimlich zwei Männer als Kundschafter aus und sagte zu ihnen: ‘Geht und seht euch das Land und Jericho an“.  Aber diese Spionagemission war ein Erfolg. Die Frage ist, wie der Unterschied zwischen den beiden Episoden erklärt werden kann.

Ebenso drängend ist die Frage, warum Jehoschua ein so großes Risiko eingegangen ist. Er hatte das Versagen von Mosche miterlebt. Musste auch er scheitern? Vielleicht wäre es besser gewesen, etwas mehr Vertrauen in G’tt zu haben und etwas weniger zu spionieren. Warum hat er eine weitere Spionagemission mit all den damit verbundenen Risiken in Auftrag gegeben?

In der Wüste wurden sie wie Kinder umsorgt

Ein Teil der Antwort liegt in dem Unterschied zwischen der Situation in der Wüste und dem Lebensstil in Israel. In der Wüste wurden die Juden vollständig von G’tt versorgt. Sie mussten sich die Tora zu eigen machen. Deshalb waren sie von allen Arten irdischer Aufgaben befreit. Manna fiel vom Himmel, Wasser kam aus dem Felsen von Miriam, und die begleitenden Wolken der G’ttlichen Majestät sorgten für Kühlung (die erste Klimaanlage der Geschichte) und Schutz. In Israel hingegen sollten sie dem natürlichen Lebensweg folgen. In der Wüste wurden sie wie Kinder umsorgt, aber in Israel sollten sie auf eigenen Beinen stehen und ihr eigenes Ding machen. In Israel würde wieder das Naturrecht gelten. Natürlich war (und ist) es wahr, dass G’tt denen hilft, die sich selbst helfen, aber sie mussten selbst die normalen menschlichen Initiativen ergreifen.

sich informieren über die Lage in Israel

Mosches hat dies vorausgesehen. Deshalb schickte er – wie es die meisten Menschen tun würden – einen Spähtrupp voraus, um sich über die (militärische) Lage in Israel zu informieren, damit sie entsprechend planen konnten. Das lag nicht an einem Mangel an G’ttvertrauen, sondern am gesunden Menschenverstand. Deshalb hat Jehoschua dies auch getan.

Jeder Spion Mosches fühlte sich wichtig

Der Unterschied zwischen den beiden Missionen kann auf unterschiedliche Weise verstanden werden. Die erste Erklärung nenne ich “zu viel Ego macht viel kaputt”. Die Mission von Mosche war von viel Aufsehen begleitet. Jeder Spion fühlte sich wichtig und geehrt. Und das ist der Punkt, an dem es schief gegangen ist. Die Spione des Mosche waren so selbstgerecht, dass sie meinten, sie hätten das Recht, G’ttes Aufträge zu beurteilen. Sie sahen enorme Riesen und uneinnehmbare Festungen bei den Kena’aniten. Obwohl G’tt die gesamte Armee des Pharaos vernichtet hatte, glaubten diese selbstgerechten Spione nicht, dass G’tt es mit den Kena’aniten aufnehmen könnte. Aufgrund ihres großen Egos dachten sie, sie könnten G’tt messen.

Israel sei ein Land, das seine Bewohner verzehrt

Daneben gab es noch andere Befürchtungen. In der Wüste führen sie ein wunderbares, übernatürliches Leben. In Israel müssten sie sich ein einfaches Bauernleben nach den normalen Regeln des Lebens aufbauen, mit allen Risiken und Mühen, die das mit sich bringt. Die Spione sagten den Juden, „Israel sei ein Land, das seine Bewohner verzehrt”. Damit meinten sie, dass ihr Dasein als Landwirte und Landarbeiter ihr gesamtes geistiges Leben “aufzehren” würde. Das harte Leben auf dem Bauernhof würde keine Zeit oder Energie für geistiges Wachstum lassen.

Jehoschua tat alles sehr bescheiden

Jehoschua hingegen tat alles sehr bescheiden. Anstatt zwölf schickte er nur zwei Spione. Ihre Namen werden nicht einmal im Buch Jehoschua erwähnt. Sie waren sehr bescheiden. Außerdem waren Pinchas und Kalev äußerst G’ttesfürchtige Menschen, die sich ihre Sporen als G’ttes Getreue verdient hatten. Sie wurden nicht durch ein übermäßiges Ego behindert. Ihre Mission war also erfolgreich.

Eine Lektion für alle…

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

IST DAS JUDENTUM FARBENBLIND - Parascha Behaalotecha

IST DAS JUDENTUM FARBENBLIND? – Parascha Behaalotecha

Die Spione sind mehr als eine historische Episode - Parascha Schlach Lecha

Die Spione sind mehr als eine historische Episode – Parascha Schlach Lecha