in

Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus

Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus
image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

Albert Heijn will Musik Michael Jackson aus den Geschäften verbannen. Messen wir immer mit zweierlei Maß? Ja, natürlich. Ist das nicht pure Scheinheiligkeit?

 

Die niederländische Supermarktkette Albert Heijn kündigte jüngst an, nicht mehr die Musik von Michael Jackson zu spielen. Der Grund sind Enthüllungen in der Dokumentation Leaving Neverland mit Vorwürfen des Kindesmissbrauchs gegen den 2009 gestorbenen Künstler. Musik solle nicht beleidigend sein, heißt es. Dabei hat noch niemand über Jacksons Musik beschwert.

Das moralische Element, das hier angesprochen wird, wiegt schwer: Wir spielen keine Musik von Menschen, die sich sehr schlecht gegenüber anderen Menschen verhalten haben. Das zeigt Verständnis für die Opfer von Missbrauch.

Wenn wir dieses loben, sollten wir uns auch Gedanken darüber machen, dass in vielen anderen Bereichen immer noch Menschen geehrt werden, die schrecklichste Dinge behauptet haben. Die amerikanische Philosophin Laurie Shrage fragte neulich, ob »wir weiterhin Denker wie Kant, Voltaire und Hume lehren sollen, ohne die schädlichen Vorurteile zu erwähnen, die sie mit legitimiert haben«. Interessanterweise haben sich bislang nur wenige Menschen damit beschäftigt, obwohl doch heutzutage beinah alles auf politische Korrektheit untersucht wird.

Kant hielt die Juden für unveränderlich minderweit, Voltaire nannte uns »ein dummes und barbarisches Volk, das traditionell die schmutzigste Gier und den abstoßendsten Aberglauben vereint und den unbändigsten Hass auf alle Völker schätzt, die ihn toleriert und bereichert haben«.

Einerseits wissen wir, dass Antisemitismus schlicht nicht in akzeptable wissenschaftliche Theorien passt. Andererseits lassen wir ihn gerade da großzügig stehen, wenn er durch berühmte Denker wie etwa Kant oder Voltaire vorgetragen wurde.

Messen wir immer mit zweierlei Maß? Ja, natürlich. Sogar Hitlers Mein Kampf darf in den Niederlanden verkauft werden, allerdings nur in der einer kommentierten Ausgabe. Ist das nicht der Nachweis geistiger Armut? Ist das nicht pure Scheinheiligkeit?

 

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Sommerzeit

Sommerzeit abschaffen

SUCHE NACH CHAMEZ

SUCHE NACH CHAMEZ