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Beschneidung von Frauen verboten – Parascha Lech Lecha

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Parsha  Lech lecha  (Bereshit / Genesis 12:1 – 17:27)

Die erste Mitzwa (Gebot) aus der Tora ist peru urevu – vermehrt euch. Die zweite Mitzwa ist die Brit Milah (Beschneidung). Jeder sechste Junge weltweit wird jedes Jahr beschnitten. Das sind 13 Millionen Beschneidungen pro Jahr. Allein in Amerika sind 50% der Jungen beschnitten. In den 1980er Jahren wurden im Krankenhaus Beschneidungen durchgeführt. Die finanzielle Seite wurde in der Niederlande von der Krankenkasse erstattet, da die Ärzte zunehmend die schädlichen Folgen einer nicht ordnungsgemäß durchgeführten Beschneidung erkannten.

Beschneidung ist ein religiöser Akt

Es ist immer ratsam, zu den „Wurzeln“ zurückzukehren, den Quellen: „G-tt sagte zu Abraham: „Und was dich betrifft, halte meinen Bund, du und deine Nachkommen in all ihren kommenden Generationen“ (Gen 17: 9). Aus dem Tora-Text geht hervor, dass die Beschneidung ein religiöser Akt ist. Die Tora ist kein medizinisches Handbuch und die Beschneidung ist nicht in erster Linie ein medizinisches Verfahren. Nirgendwo wird uns etwas über Hygienegründe erzählt. Hygiene ist absolut wichtig. Aber es kann niemals der (einzige) Grund für dieses Gebot sein.

Nicht unbestritten

Leider ist die Brit Mila nicht unbestritten geblieben. Vor ungefähr 15 Jahren schlugen verschiedene Parlamentarier in den Niederlanden vor, dass das Kabinett die Kriminalisierung der männlichen Beschneidung in Betracht ziehen sollte. Die Presse berichtete, dass in den Niederlanden, hauptsächlich in islamischen und jüdischen Kreisen, jedes Jahr 15.000 Jungen aus religiösen Gründen oder aus hygienischen, auch ästhetischen Gründen beschnitten werden.

Kurz zuvor hatte das Kabinett die leichteste Form der weiblichen Beschneidung unter Strafe gestellt. Hirsi Ali war der Meinung, dass das Verfahren für Jungen ebenfalls sehr drastisch ist und daher verboten werden sollte.

Die Beschneidung von Frauen war in letzter Zeit viel in den Nachrichten. Selbst in afrikanischen Ländern ist dies in einigen Kreisen nur ein (abscheulicher) Brauch und sicherlich keine von der Religion vorgeschriebene Pflicht. Aus der Tora geht hervor, dass die Beschneidung von Frauen wirklich verboten ist.

Gegenargumentation (a contrario)

Dies wird auf der Grundlage einer Gegenargumentation (a contrario) abgeleitet, eine Argumentationsform, die bei kreativen Anwälten beliebt ist. A Contrario ist lateinisch und bedeutet „vom Gegenteil“. Es ist eine Argumentationsweise, die einen Satz umkehrt und dann die Umkehrung ungültig macht.

Als Beispiel schlage ich vor: „Wenn es Morgen ist, wird es Sonnenlicht geben“. Daraus lässt sich ableiten, dass es kein Sonnenlicht gibt, wenn es kein Morgen gibt. Diese Schlussfolgerung ist jedoch logischerweise nicht immer schlüssig. Diese Schlussfolgerung wäre nur richtig, wenn ich gesagt hätte: „Nur wenn der Morgen kommt, gibt es Sonnenlicht.“

Alles, was vom männlichen Geschlecht ist 

Mehrere Gelehrte möchten das Verbot der weiblichen Beschneidung (a contrario) aus Pesukim (Versen) ableiten, wie zum Beispiel: „Dies ist mein Bund zwischen mir und euch, auch euren Nachkommen, den ihr einhalten müsst: Alles, was vom männlichen Geschlecht ist, soll bei euch beschnitten.“ Die fünf Sätze zwischen Genesis 17:9 und 17:14 betonen dreimal, dass Jungen beschnitten werden sollten. Daraus können wir schließen, dass Mädchen nicht beschnitten werden sollen. Der Talmud sagt von den Damen, dass sie bereits „als beschnitten gelten“. Eine zusätzliche Beschneidung ist daher absolut nicht erforderlich und sogar strengstens untersagt.

Aber woher kommt dieses strenge Verbot? Nach den Gesetzen der Logik können wir aus einem Auftrag zur Beschneidung der Jungen nicht ableiten, dass die Mädchen dies nicht müssen.

drei doppelte Wiederholungen

Die Antwort liegt in den drei doppelten Wiederholungen. Wenn die Tora immer wieder betont, dass nur die Jungen beschnitten werden sollten, ist es so, als ob es heißt „nur die Jungen sollten beschnitten werden“. Dann ist die Argumentation nach dem Motto „und nicht die Mädchen“ logisch möglich.

Der Unterschied macht auch Sinn. Die männliche Beschneidung kann überhaupt nicht mit der weiblichen Beschneidung verglichen werden. Letzteres dient schließlich dazu, körperliche Lustgefühle zu unterdrücken. Die männliche Beschneidung ist als Zeichen des Bundes gedacht (und trägt auch zur Gesundheit des Mannes und des Partners bei).

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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