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DAS BENSCHEN ÜBER BROT UND EINE LANGE NACHBERACHA ÜBER DIE FÜNF FRÜCHTE – Parascha EKEW

DAS BENSCHEN ÜBER BROT UND EINE LANGE NACHBERACHA ÜBER DIE FÜNF FRÜCHTE - Parascha EKEW
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בסייד      

Aus dem Passuk (dem Vers): „Und Ihr sollt essen, und Ihr sollt Euch sättigen und segnen“ (8:10), wird abgeleitet, dass wir NACH jeder Brotmahlzeit benschen sollen (die Danksagung über das tägliche Brot). Das Ende des Verses lautet: „und über das gute Land segnen, das G“tt Euch gegeben hat“. Benschen ist jedoch nicht an Israel gebunden. Auch außerhalb Israels sollen wir über jede Brotmahlzeit benschen. Dieses ist im Judentum essentiell gegeben. Auch außerhalb Israels bleiben wir mit unserem Vaterland verbunden.

Worüber wir benschen

Bleibt die Frage, worüber wir nun eigentlich benschen sollten. Verknüpfen wir das nur mit dem vorigen Satz (8:9 „ein Land, in dem Ihr nicht Euer Brot in Armut essen werdet“), dann benschen wir nur über Brot. Verknüpfen wie das jedoch mit dem Satz davor, dann sollten wir eigentlich über alle sieben Arten benschen müssen, mit denen das Land Israel gesegnet wurde: Weizen, Gerste, Trauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Dattelhonig. Über die letzten fünf Früchte von Israel sprechen wir als Nachberacha nicht das lange Benschen, sondern eine verkürzte Art des benschens, die wir als „birkat me’ejn schalosch“ bezeichnen, eine einzige (lange) Nachberacha, die eine kurze Zusammenfassung des Benschen über Brot bilden.

Tierisch gegenüber geistig

Rabbejnu Bachja ibn Pakuda (11. Jahrhundert) macht uns darauf aufmerksam, dass dieses das einzige Mal in der Thora sei, wo steht, dass wir G“tt segnen oder danken sollten.

Rabbi Aharon haLevi (12. Jahrhundert) besagt jedoch, dass VOR des Lernens der Thora auch eine Beracha (Segensspruch) gesagt werden sollte. Weshalb besteht dieser Unterschied?

–          Nahrung hat mit dem tierischen Teil des Menschen zu tun und erst NACH dem Essen fühlt man sich gut genug, um G“tt zu danken.

–          Aber das Lehren und das Lernen von Thora, eine geistige Angelegenheit, erfolgt in der Annahme, dass es für den Menschen ein großer Verdienst sei, dass er Thora lernen darf. Deshalb verpflichtet die Thora uns, VOR dem Lernen eine Vorberacha zu machen.

Diebstahl von G“tt und dem Mitmenschen

Benötigt G“tt wohl unsere Berachot (Segenssprüche)? Rabbejnu Bachja besagt, dass wir die Berachot nur für uns selber sprechen. Wir bezeugen über unser Empfinden, dass G“tt für uns sorgt und unser tägliches Brot bereit stellt. Daneben sorgt eine Beracha auch dafür, dass wir wieder extra Segnungen erhalten. Die Gelehrten sagen: „Jeder, der von dieser Welt genießt, ohne eine Beracha darüber aus zu sprechen, wird mit jemand verglichen, der G“tt und das Jüdische Volk bestehlen würde“. Man bestiehlt G“tt, da man die G“ttliche Vorhersehung bestreitet oder verneint, die dieses alles geschaffen hat. Aber man stiehlt auch vom Jüdischen Volk, da jene Beracha, die nicht ausgesprochen wird, für einen extra Strom des Guten aus dem Himmel hätte sorgen können.

Gegen Hochmut und Eigenwahn

Die Thora selber gibt jedoch einen anderen Grund für das benschen an: „Auf dass Ihr Euch nicht übersättigen sollt, hochmütig werden sollt und G“tt vergessen sollt“. Der Mensch glaubt schon schnell, dass er aus eigener Kraft alle seine Einkünfte oder Besitztümer erwirbt. Deshalb werden wir dazu angehalten, in der Öffentlichkeit von unserem Glauben zu bezeugen, wie König David sagte: „Denn von Dir geht alles aus und aus Deiner Hand haben wir wieder gegeben“.

Individuelle Annäherung

In der Sidra von dieser Woche wird die Beziehung zwischen G“tt und dem Menschen beschrieben als eine Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn. G“tt wird mit einem guten Hausvater verglichen, der das Beste mit seinem Sohn vor hat. Er kennt natürlich die Charaktere seiner Kinder am Besten, so wie geschrieben steht: „Ihr seid Söhne G“ttes“ (Dewarim/Deut. 14:1). G“tt kennt jeden und wird also jeden auf seine individuelle Art behandeln. Keine zwei Menschen haben eine gleiche Lebensgeschichte. Viele empfinden es als unannehmbar, dass es schlechten Menschen gut geht und guten Menschen schlecht geht. Aber G“tt behandelt jeden auf individuelle Weise. G“tt kennt unser Naturell und unsere Art. Wenn EINER beim geringsten Gegenwind den Glauben „in die Tonne“ klopft, wird G“tt es so laufen lassen, wie es für denjenigen läuft. Würde G“tt diesem „Wankelmütigen“ nicht seine Vorstellung erfüllen, dann würde der auf jede Bestrafung gegenteilig reagieren und sich immer mehr vom Judentum abwenden. Aber wirklich Gläubige werden von ihrem felsenfesten Vertrauen unterstützt, auch bei Gegenwind.

Die Achillesferse

Die Achillesferse des Jüdischen Volkes befindet sich in dem, was die Thora sagt: „ Wenn G“tt Deine Besitztümer vermehrt, wirst Du Dich aufgewertet fühlen und Du wirst G“tt vergessen. Und Du wirst in Deinem Inneren sprechen: Meine Kraft und meine Macht haben mich alle diese Besitztümer erwerben lassen“ (Zusammenfassung des Endes vom Hauptteil 8). Zu viel Überfluss führt zur G“ttesleugnung. Kann man sich aus eigener Kraft aus diesem Dilemma retten? Nein, sagen unsere Gelehrten. Kein Gefangener kann sich aus eigener Kraft aus seinem Ego-Gefängnis befreien. Je mehr wir uns auf das Irdische stürzen, desto weniger haben wir den Blick und die Zeit für geistige Werte. Benschen und Berachot lehren uns, dass in dieser Welt nichts selbstverständlich ist.  

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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