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DIE SEGNUNG DER KINDER AM FREITAGABEND – Parascha Wajechi

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Als Ja‘akow sein Ende nahen spürte, rief er seinen Sohn Josef zu sich. Josef nahm seine beiden Söhne Menasche und Ephraim mit sich (Bereschit/ Gen 48,8-10). Als Jisrael (Ja‘akow) Josefs Söhne sah, fragte er: “Wer sind sie? Josef sagte zu seinem Vater: “Das sind meine Söhne, die G’tt mir hier gegeben hat”. Josef zeigte seinem Vater Ja‘akow die Verlobungsurkunde und die Ketuba, die Heiratsurkunde, um zu beweisen, dass er und Osnat eine koschere jüdische Ehe geschlossen hatten. 

Noch heute segnen wir unsere Kinder mit dieser Beracha

Da sagte Ja‘akow: “Bringt sie mir trotzdem, und ich werde sie segnen”. Doch Jisraels Augen waren vom Alter geschwächt. Er konnte nicht mehr richtig sehen. Er ließ sie näher an sich heran, küsste sie und umarmte sie. So segnete er sie an diesem Tag. Er sagte: 

“Jisrael (das jüdische Volk) wird dich mit deinem Namen segnen, indem es sagt: Möge G’tt dich wie Ephraim und wie Menasche machen”.

So stellte er Ephraim vor Menasche, obwohl Ephraim der Jüngste war. Noch heute segnen wir unsere Kinder mit dieser Beracha (Segensspruch). Es stellt sich die Frage, warum diese beiden Kinder von Josef so besonders waren, dass wir diese Beracha bis zum heutigen Tag sagen. Für die Mädchen sagen wir die Beracha “Möge G’tt euch wie Sara, Rivka, Lea und Rachel machen”, nach unseren Erzmüttern.  

Der Kindersegen kann auf viele Arten und Weisen ausgelegt werden:

1.    Menasche und Ephraim blieben auf dem gleichen spirituellen Niveau wie ihre Eltern

Etwas früher steht in der Tora (Bereschit/Gen. 48:5-6): “Deine beiden Söhne, die dir im Land Ägypten geboren wurden, bevor ich zu dir nach Ägypten kam, sind mein: Ephraim und Menasche sind mein, ebenso Ruben und Shimon. Diese beiden Kinder waren auf das Niveau der Stammväter hinaufgestiegen. Die 12 Stammväter waren eine Stufe unter den Erzvätern. Die Kinder des Stammvaters hatten wiederum nicht das Niveau ihrer Eltern. Aber Menasche und Ephraim waren auf der gleichen Stufe wie ihre Eltern und wurden daher als zwei neue Stämme zu den Stammvätern hinzugezählt, wodurch der Stamm Josef effektiv in zwei geteilt wurde. Wir wünschen unseren Kindern am Freitagabend, dass sie so gut sind und bleiben wie die vorherigen Generationen und ihre ursprüngliche Jiddischkeit nicht vergessen. 

2. die ersten Kinder des jüdischen Volkes, die in der Galut aufgewachsen waren

Menasche und Ephraim waren die ersten Kinder der Klal Jisra’el (des jüdischen Volkes), die in der Galut (Goles, Exil), außerhalb Israels und in einer völlig nicht-jüdischen Umgebung aufgewachsen waren. Ägypten war “ervat ha’aretz”, ein seelenloses und unmoralisches Land. Dennoch behielten sie ihr Niveau des Judentums in hervorragender Art und Weise bei. Auch das wünschen wir unseren Kindern und Enkeln jeden Freitag: dass sie in einem feindlichen Umfeld, in dem ganz andere Werte und Normen herrschen, bestehen können. Wir hoffen, dass sie nicht durch schlechte Einflüsse beeinträchtigt werden.

3.    Menasche war der Älteste, zeigte aber keine Eifersucht 

Es ist nicht leicht, der Älteste zu sein, aber am Ende doch nicht so behandelt zu werden. Im Laufe der Geschichte wurden ganze Stammeskriege aus Eifersucht und Neid geführt. Aber Menasche stand weit darüber. Er konnte seinen jüngeren Bruder als seinen Vorgesetzten anerkennen, sogar als bechor (Erstgeborener). Das war charakterliche Größe, wahrer Charakter-Adel. Das ist es, was wir uns für unsere Jungen wünschen: dass sie als Einheit zusammenbleiben und sich gegenseitig für ihre Fähigkeiten und Talente bewundern werden.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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