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Ist das Rasieren im Judentum verboten?

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Ist das Rasieren im Judentum verboten?

In unserem Wochenabschnitt Kedoschim schreibt die Tora, dass es verboten ist, die Ecken der Kopfhaare und des Bartes abzuschneiden bzw. abzurasieren: 

“Die Ecken eures Haupthaares sollt ihr nicht abrunden und die Ecke deines Bartes sollst du nicht abscheren.” (Waikra 19:27)

Wenn man diesen Vers wörtlich nimmt, dann wird man wahrscheinlich denselben Fehler machen, wie es diese Person getan hat: 

In den Kommentaren zu einem meiner Videos auf Youtube (Link zum Video und Kommentar HIER) wurde ich gefragt, wie es mir, einem orthodoxen Juden, erlaubt sei, mein “Gesicht” (wahrscheinlich war damit Bart gemeint!?) zu rasieren, wenn es doch offensichtlich von der Tora verboten wird.

Die schriftliche Tora ist ohne die mündliche Lehre wie ein Code ohne Entschlüsselung und wenn man versucht die schriftliche Tora so zu verstehen, dann wird man früher oder später scheitern und Fehler machen.  

Hier ist die Erklärung dieses Verbots mit Hilfe der mündlichen Lehre:

Doch zuvor ist es wichtig zu erwähnen, dass dies ein Verbot von der Tora ist und beide, Friseur und Kunde, dieses Verbot übertreten, wenn man die verbotenen Bereiche abschneidet. Deswegen muss man damit sehr vorsichtig sein und diese Gesetze gründlich studieren, um dem Friseur genau erklären zu können, was erlaubt ist und was nicht. 

Dieses Verbot teilt sich in zwei Teile auf: 1) Das Verbot die Ecken des “Haupthaares” abzurunden und 2) Die Ecken des Bartes abzuscheren

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1) Der Talmud (Traktat Makkot 20b) erklärt, dass mit Ecken des Haupthaares, die Haare im Bereich rund um die Ohren gemeint sind und der Bereich der Schläfe (RED ZONE). Über dem roten Bereich (YELLOW ZONE) und unter dem roten Bereich (ORANGE ZONA) hängt es vom jeweiligen Brauch ab. Alle diese Bereiche dürfen, unabhängig von Gerät, nicht weniger als 5mm geschnitten werden.

Richtig rasieren

2) Bezüglich des Verbots den Bart zu rasieren, benutzt die Tora den Term “Haschchata”, was auf Hebräisch “vernichten” (In der Übersetzung wurde es aufgrund des Kontexts als “abscheren” übersetzt, aber generell bedeutet es vernichten) bedeutet. Daraus lernt der Talmud (Makkot 20b), dass nur die Vernichtung des Bartes mit Hilfe einer Klinge verboten ist, aber mit einer Schere ist es erlaubt.

Der Unterschied zwischen einer Klinge und einer Schere liegt darin, dass die Klinge teilweise unter der Haut schneidet und dabei auch die Haarwurzel abrasiert und somit “vernichtet” wird. Im Gegensatz dazu schneidet die Schere nur  oberhalb der Haut und das Haar wird dabei  nicht vernichtet. Somit hängt es vom Gerät ab, welches man zum Rasieren benutzt, ob es erlaubt ist oder nicht: Einfache Rasierklingen, wie sie heutzutage verkauft werden, sind sicherlich verboten, weil wie schon erwähnt die Haarwurzel dabei vernichtet wird. 

Ein Rasierapparat, welcher aus zwei Klingen besteht und das Haar durch Hin-und Her-Bewegungen der beiden Klingen geschnitten wird, wäre erlaubt, weil dieser Prozess einer Schere gleicht, welche vom Talmud erlaubt wurde. 

Mit dem Fortschritt der Technologie und Verbesserung der Rasierapparate sind auch bei manchen Scheren-Prinzip-Rasierapparaten die Klingen so scharf geworden, dass das Haar durch die Klinge allein geschnitten wird und nicht wegen der Hin-und Her-Bewegung.

Deswegen sollte man vor der Benutzung bzw. dem Kauf eines Rasierapparates  stets einen Rabbiner konsultieren, um sicherzustellen, dass es kein Problem darstellt, diesen Rasierapparat zu benutzen.

FAZIT: Das Schneiden des Kopfhaars ist in bestimmten Bereichen (siehe Poster) bis 5mm mit jedem Gerät erlaubt.Das Rasieren ist auch weniger als 5mm erlaubt, aber es hängt vom Gerät ab, ob es wie eine Klinge funktioniert und verboten ist oder wie eine Schere und dann ist es erlaubt (Ich hoffe damit wäre beantwortet, wie es mir, einem orthodoxen Juden, erlaubt sei, mein “Gesicht” zu rasieren!)

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3 Antworten

  1. Wow! Das war wirklich interessant! Auch wenn ich mich als Frau nur wenig für Gesichts und Kopffrisuren interessiere, so ist es dennoch sehr interessant inwieweit die Festlegung durch Tora & Talmud Den jüdischen Männern letztendlich entgegenkommt. Man kann also so gesehen sagen, egal wie er es schneidet oder rasiert, im Gesicht dürfen die Haarwurzeln nicht beschädigt werden und auf dem Kopf darf es nicht kürzer als 5 mm sein und das einzige was wirklich entscheidend ist, ist der richtige rasiert Apparat oder Messer. Durch die Erklärung oben empfinde ich das jetzt als viel weniger kompliziert, wie eigentlich gedacht. War super!
    toda sandra

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