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Warum orthodoxes Judentum und Zionismus nicht dasselbe sind?

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Warum orthodoxes Judentum und Zionismus nicht dasselbe sind?

Vorwort des Übersetzers

Da viele Menschen denken, dass Zionismus und Judentum das Gleiche ist, haben wir uns entschlossen einen Artikel zu diesem Thema zu übersetzen, da leider sehr viele Leute diese zwei Begriffe oft verwechseln. Dieser Artikel wurde vom Rav Berl Wein für toldot.ru verfasst und von uns aus dem Russischen übersetzt. Toldot.ru ist eine der größten Russisch sprachigen Plattformen rund um das Judentum und jüdisches Leben. Das ist auch eine Yeshiva (Toldot Yeshurun) in Jerusalem und weltweite authoritäre Quelle über das orthodoxe Judentum. Rav Berl Wein hat sehr große Recherschearbeit in seinem Buch “Am Israel Chai” geleistet. Am Ende des Artikels listen wir noch mal die Quellen auf sowie den Link zum Originalartikel.

Hintergrund

Tausende von Jahren entsprach die Grundlage des jüdischen Lebens der alten Aussage von Saadya-Gaon:»Unser Volk ist ein Volk durch die Annahme der Tora”. Der Zionismus lehnte diese Grundlage grundsätzlich ab.

Ein großer Teil der religiösen Juden protestierte flammend gegen den Zionismus. Obwohl der erste zionistische Kongress viele religiöse Delegierte sammelte, darunter auch berühmte Rabbiner, war der Zionismus als Bewegung, sein Kongress und seine Organisationen vollkommen säkular. Nach und nach wurde die Bewegung säkular und extrem antireligiös. (12)

Die g`ttesfürchtigen Juden hatten viele fundamentalistische und praktische Gründe, sich dem Zionismus zu widersetzen. Zum einen die Befürchtung, dass er die traditionelle Werte der Tora in den Massen des Volkes Israels verdrängen würde. Diese Befürchtung wurde in der zionistischen Organisation und Gesellschaft wahr, als der Wunsch, Palästina zu bewohnen, zu einem dominierenden Faktor im jüdischen Leben wurde. Dies geschah fast ohne Ausnahme auf Kosten von allem anderen.(13) Diese Frage wurde besonders scharf diskutiert, als der Kongress im Jahr 1898 die Schulen, Lager und Seminare vorschlug und dann organisierte, um eine neue «Kultur» im jüdischen Umfeld zu fördern. Grundsätzlich war diese» neue «Kultur antireligiös, respektierte die Jüdische Vergangenheit nicht und wollte einen “neuen Juden” schaffen, der nicht durch die Erfahrung des Exils und die Forderungen der Tora gebunden war.

Der Zionismus bestimmte das Jüdische Volk nicht auf der Grundlage der Offenbarung auf dem Berg Sinai, auf der Tora und der Tradition. Für die Zionisten wurde es zu einem Volk mit einer sogenannten gemeinsamen «Kultur», nichtjüdisch nach Herkunft und Blick auf die Welt. Sein Ziel war eine Nation zugunsten der Nation.

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Der Zionismus lehnte Saadya Gaon’s Grundlage ab und verkündete: «Unser Volk ist durch Kultur, Geographie, Nationalismus und Verfolgung ein Volk».(14)

Diese Idee konnte das traditionelle Judentum nicht annehmen. Selbst die Bewegung der religiösen Zionisten hat diese Philosophie des Zionismus nie akzeptiert und versuchte nur pragmatisch mit ihm zusammenzuarbeiten, um gemeinsame Ziele zu erreichen: Und zwar einen jüdischen Staat zu schaffen und seine physische Sicherheit zu gewährleisten. Viele religiöse Juden haben sich jedoch auch davon zurückgezogen und die neue Ideologie des Zionismus als gefährlich und bedrohlich für das traditionelle Judentum bestimmt.

Der zweite Einwand gegen den Zionismus basierte auf der Weltanschauung seiner Führer, die zumindest in der Vergangenheit die Folger von Assimilation und Agnostiker waren. Könnte die Rettung des Volks Israels von Menschen kommen, die nicht koschere gegessen haben, den Sabbat nicht befolgten, keine ernsthafte jüdische Ausbildung hatten, kein Hebräisch kannten? Unwahrscheinlich! So sagte auch der Führer der religiösen Juden. Die Chowewei Zion — Zion Liebenden hatten starke religiöse Führer und der Pöbel (15) und vor allem von den Juden geleitet wurde, die Gesetze einhielten. Im Gegensatz dazu wurde die zionistische Bewegung, mit Ausnahme von Usyshkin (16), Reines (17) und Fischmann (18), fast ausschließlich von Juden geführt, die nicht die Tradition behielten. Dies bewegte viele Juden, die Zion wirklich liebten und positiv zum Zionismus gehörten, sich von ihm abzuwenden. Diejenigen, die den Zionismus für den Pöbel attraktiv machten, schoben die Massen der frommen Juden davon ab.

Der Dritte Faktor, der die religiösen Juden dazu veranlasste, den politischen Zionismus zu verweigern, war der Messianismus, der zwar nicht verkündet wurde, aber ein wesentlicher Bestandteil davon war. Selbst Herzl glaubte nicht an die Idee des Messias, äußerte sich aber nicht dazu, als er so genannt wurde. (19) Vor der Öffentlichkeit beschrieb Herzl den Zionismus als eine rein säkulare nationale Bewegung, die gebildet wurde, um die praktischen Probleme des jüdischen Volkes – Heimatlosigkeit und Verfolgung der Juden – zu lösen

Der Zionismus war die Lösung dieser Probleme mit Hilfe säkularer Maßnahmen. Aber das jüdische Volk nahm es anders wahr. Diese Bewegung brachte Ihnen die erniedrigte Würde, die alte Größe und die erhobene Versprechungen der Propheten zurück. Daher wurde es mit dem übernatürlichen messianischen Prozess verbunden, wenn auch nicht mit dem Messias selbst. Rav Reines,der Gründer der Mizrahi Bewegung (21) leugnete auch eindeutig die messianische Natur des Zionismus, sogar des religiösen Zionismus.

Trotzdem konnte man das messianische Element im Zionismus, das von Alkalai und Kalischer gepredigt wurde, in der Mizrahi Bewegung spüren. Die allgemeine Meinung zu diesem Thema solidarisierte sich mit der Meinung von Rav Abraham Kook (23). Er behauptete, dass der Zionismus ein Teil des G´ttlichen Prozesses der Befreiung sei, der zur Ankunft des Maschiachs (des Messias) führen werde. Aber in den Augen der großen Rabbiner konnte der Zionismus als nationale Bewegung nur eine Lüge sein. Es gab nichts, was den traditionellen jüdischen Vorstellungen der messianischen Zeit entsprach. Der Messias sollte ein Mensch sein, keine Organisation. Er sollte ein großer Gelehrter sein, der die jüdische Gesetze sehr genau und präzise einhält, ein Nachkomme von König David ist, der die Tora vertritt und die Juden und die Welt zur geistigen Befreiung führen wird. Keiner der bedeutenden Führer des Zionismus entsprach dieser Beschreibung.

Quellen

  • 12 Paul Johnson, Geschichte der Juden, S. 404, schreibt:»die breite, wenn auch nicht allgemeine, Opposition der frommen Juden gegen das zionistische Programm hat es weggestoßen und in die Hände der säkularen Radikalen gegeben.”
  • «Das Hauptgebot ist, auf dem Land Israel zu leben”, verkünden die Zionisten oft. Frei von wahrhaftigen religiösen Inhalt, widersetzt sich dieser Slogan nicht nur effektiv der Einhaltung aller Gebote, sondern auch einer alten Idee. Sie verbinden sich weder mit Ihm noch mit Seiner Erde, ohne die Gebote des Schöpfers zu erfüllen, daher haben Sie keine besonderen Gefühle für Sie. Dies führt oft zur nachfolgenden Auswanderung der «Zionisten» aus Israel und Ihrer Bereitschaft ihr Land freiwillig an Feinde zu geben. – GS.
  • 14 Sehr ähnlich der stalinistischen Definition einer Nation, auf deren Grundlage er die Juden nicht als Volk, sondern als heimatlose Kosmopoliten bezeichnete. GS.
  • 15 Anhänger der säkularen Bildung – im Gegensatz zu religiöser Gelehrsamkeit.
  • 16 Menachem Mendel Usyschkin (1863-1941), führender russischer Zionist. Er trat gegen den politischen Zionismus von Herzl auf und war den Ideen von Ahad Gaam viel näher, spielte aber eine große Rolle bei der Entwicklung der zionistischen Bewegung, der Jüdischen Nationalstiftung und der Jüdischen Agentur. Er war ein sehr attraktiver Mann, ein begnadeter Redner und ein traditionsbewusster Jude.
  • 17 Rav Yakov Reines (1839-1915), Rabbiner von Lyda in Litauen. Er studierte in Yeshiva Woloschin, war ein ausgezeichneter Redner, unterstützte Chowewey Zion. Im Jahr1909 gründete er die Mizrahi-Bewegung, also sollte er zu Recht als Vater des «religiösen Zionismus»gelten. Trotz seiner anfänglichen Begeisterung für den Zionismus hörte er später damit auf, an seiner Organisation teilzunehmen und widmete alle Kräfte der von ihm gegründeten Yeshiva in Lyda. Wie ihr Gründer war sie widersprüchlich und kombinierte religiöse und säkulare Bildung mit zionistischer Orientierung. Der Leiter von der Yeshiva war damals der berühmte “Maitheter ilui” – Rav Shlomo Polacek.
  • 18 Rav Yehuda Leib Fischman (später Maymon) (1875-1952) — einer der Gründer und Führer von Mizrahi-Bewegung. Ein produktiver Schriftsteller und Gelehrter, er widmete sein Leben dem Zionismus, war der Minister für Religionen in der ersten Regierung Israels. Er gründete den berühmten Verlag “Mosad Rav Cook «und war Redakteur der wissenschaftlichen Zeitschrift für die Tora Namens „Sinai“. Er sammelte eine der größten privaten Bibliotheken der Welt über religiöse Jüdische Literatur auf Hebräisch und hatte einen sehr großen Einfluss in zionistischen und rabbinischen Kreisen. Er kämpfte aktiv für seine Positionen, war ein geschickter politischer Führer und eine widersprüchliche Persönlichkeit.
  • 19 Johnson, S. 399, und Stewart, S. 201, zitieren Herzl. Als ihm beim Besuch der Synagoge in Sofia gesagt wurde, dass er der Tora den Rücken kehren könne, weil «du heiliger bist als die Tora», glaubte er an diese schwachsinnige Blasphemie.
  • 20 Johnson, 403.
  • 21 Religiöser Zionismus, Richtungen in der zionistischen Bewegung.
  • 22 ” Unsere Bemühungen, (Palästina) zu besiedeln, haben nichts mit (der Idee) der messianischen Befreiung Israels zu tun» — Isch Hameorot, Geula bat Yehuda, Jerusalem, 1985, S. 81.
  • 23 Siehe 28 Kapitel ” Für wen ist Palästina?”über ihn und seine Philosophie.

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2 Antworten

  1. es gab weit mehr religiöse bei den Kongressen, u.a. aus Köln, Heidelberg (ein Mathe-Professor, der aus dem Baltikum zwecks Arbeitsaufnahme umgezogen ist – es gab vor einigen Jahren sogar eine Ausstellung zu seiner Person im Rathaus in HD), Wiesbaden etc.

    Und wenn schon der Versuch unternommen wird, dem Zionismus die religiöse Kompetenz abzustreiten, dann bitte auch die Ansichten rav Alkalais entkräften, oder diejenigen Schriften des Gaons anders deuten, auf die sich so mancher aus dem Zionistischen Lager bezieht…

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