in

MISCHKAN: NACH ODER VOR DEM GOLDENEN KALB? – Parascha Teruma

image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

Der italienische Kommentator Sforno (1475-1550) erklärt, dass wir den Mischkan, das Tabernakel, das tragbare Heiligtum in der Wüste erhalten haben, nach der Sünde des goldenen Kalbs. Der Bau des Tabernakels war notwendig, um zu zeigen, dass die Sünde des goldenen Kalbes vergeben worden war.

eine Antwort auf alle Kritiker

Die Juden waren peinlich berührt. Kurz nachdem sie die Tora erhalten hatten, hatten sie das zweite der Zehn Gebote gebrochen: “Du sollst keine Götzenbilder haben”. Das Tabernakel war eine Antwort auf all die Spötter und Kritiker, die glaubten, G’tt habe das Jüdische Volk verlassen. G’tt hatte gerade den Bau einer Wohnung für Ihn angeordnet, damit alle wussten, dass das goldene Kalb vergeben worden war.

Mischkan und Mikdasch

Doch im ersten Auftrag zum Bau eines Heiligtums verwendet die Tora nicht das Wort Mischkan, sondern Mikdasch. Mischkan bedeutet Wohnstätte, Wohnstätte der G’ttlichen Majestät. G’tt hat beschlossen, zwischen dem Jüdischen Volk zu wohnen. Dies war eine Erweckung des Himmels, eine Gnade von Oben. Aber was sollten die Juden damit tun?

Die Aufgabe des Jüdischen Volkes war es, diese Keduscha, diese Heiligkeit über die ganze Welt strahlen zu lassen. Deshalb wird der Mischkan im Auftrag an die Juden Mikdasch genannt, ein Ort, von dem aus die Keduscha, die Heiligkeit, auf die Welt ausstrahlt. Dies ist ein direkter Hinweis auf den Auftrag des Volkes.

an einem zentralen Ort und nur von einer Kerngruppe

Die Struktur und Architektur des Tabernakels lehrt uns, wie wir damit umgehen können. Wie gehen wir dabei vor, worauf liegt der Nachdruck? Das Tabernakel war als zentrale Opferstätte gedacht. Von nun an durften die Opfer nicht mehr privat dargebracht werden, sondern mussten an einem zentralen Ort und nur von einer Kerngruppe von Kohanim, Priestern, dargebracht werden. Die Opferungen wurden geregelt und kontrolliert.

die Heilige Lade

Viel wichtiger war jedoch der zentrale Punkt. Was stand in diesem neuen Heiligtum im Mittelpunkt? Das Allerheiligste war nicht für Opfer bestimmt. Im Allerheiligsten befand sich die Heilige Lade mit den steinernen Tafeln und der Tora-Rolle, die Mosche geschrieben hatte.

Die Tora ist immer bei uns geblieben

Das war kein Zufall. Die Opfer und das Tabernakel haben wir heutzutage nicht mehr. Aber die Tora ist immer bei uns geblieben. Die Tora ist unsere ewige Verbindung mit G’tt. Der Aron HaKodesch, die Heilige Lade, musste Stützbalken (Träger) haben, denn die Tora wurde immer und überall mit uns durch dieses bittere Goles (Exil) bis an die Enden der Erde gezogen.

Träger: transportables Vaterland

Die Tora war “unser transportables Vaterland”. In den letzten 2000 Jahren sind wir um den Erdball gewandert. Aber weil die Tora uns überallhin begleitet hat, sind wir ein Jüdisches Volk geblieben.

halbe Einheiten

In der Heiligen Lade befanden sich die steinernen Tafeln und die Tora-Rolle des Mosche. Im Gegensatz zu allen anderen Gegenständen im Tabernakel war die Heilige Lade der einzige Gegenstand, für den nur halbe Einheiten von Längen-, Breiten- und Höhengraden (2,5, 1,5 und 1,5 Ellen) galten.

Rabbenu Bachja (Spanien, 14. Jh.) geht davon aus, dass selbst in der Beschreibung der Maße und anderer Details der Gegenstände des Tabernakels eine tiefe symbolische Bedeutung steckt. Ich gebe Ihnen zwei:

1. In der Heiligen Lade befand sich nur die Schriftliche Lehre. Das ist ohne die Mündliche Lehre, den Talmud nur der halbe Teil.

2. Ein Tora-Gelehrter muss bescheiden und offen sein. Die halben Einheiten der Lade symbolisieren die Gebrochenheit und Offenheit desjenigen, der die Tora erwerben will.

Durchbrechen unserer psychologischen Schutzmauer

Die gebrochenen Einheiten zeigen auch, dass der Tora-Gelehrte mit seinen Mitmenschen mitfühlen und an ihrem Leid zerbrechen muss. Im Zohar (der mystischen Lehre) wird das Herz mit einer Nuss verglichen. Das Knacken einer Nuss ist das Durchbrechen unserer psychologischen Schutzmauer, unserer Gefühllosigkeit und unseres Desinteresses an den anderen, was es uns ermöglicht, offen zu sein für moralisches Wachstum und Sensibilität gegenüber unseren Mitmenschen.

ein Symbol für den idealen Menschen

So war das Heiligtum ein Symbol für den idealen Menschen. So heißt es in der Tora auch: “Macht mir ein Heiligtum, damit Ich in eurem Herzen wohnen kann”. Dies war der Zweck des Mischkan, des Tabernakels, des tragbaren Heiligtums in der Wüste Sinai, das der Vorläufer des späteren Tempels in Jerusalem war.

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Die Beziehung zum Mischkan, dem Tabernakel - Parascha Nasso

Gttes Einheit und der Mischkan, der Tabernakel

Mischkan, Mensch und Halacha: Struktur und Flexibilität ineinander – Parascha Teruma