in

Parascha Sachor

Parascha Sachor
image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

Der zweite besondere Schabbat um Purim herum heißt Schabbat Sachor, der Schabbat vor Purim, an dem die Abhandlung bezüglich der Erinnerung an Amalek vorgelesen wird (Deut. 26:16-19). Jeder einzelne ist verpflichtet, der Vorlesung dieser Parascha zu zu hören.

Sachor wird kurz vor Purim gelesen, um den Kampf gegen Amalek an das Ende von Haman anschließen zu lassen. Die Haftara knüpft immer an das an, was zuletzt aus der Tora gelaint wird. Also heißt das die Haftara von Sachor.

Eine Mitzwa aus der Tora?

Das Vorlesen der Parascha Sachor ist laut einer Anzahl von Chachamim, Gelehrten, eine Mitzwa aus der Tora. Die Tora gibt vor (Dewarim/Deut. 25:19): „Erinnere Dich“!

Nun hätte ich der Ansicht sein können, dass sich gedanklich erinnern genügen würde. Wenn der Passuk jedoch nun weiter sagt „Du sollst nicht vergessen“ (ibid.), wird mit dieser letzten Aussage auf das gedankliche Erinnern gezielt. Was bezweckt die Tora mit dem Wort „Erinnere“? Dieses bedeutet VERBAL sich erinnern“. Sachor soll mit einem Minjan aus einer Sefer Tora vorgelesen werden.

Bereits VOR Purim eine Pflicht?

Laut Anderen gibt es keinen speziell vorgeschriebenen Zeitpunkt, Sachor vor zu lesen. Die Chachamim haben das nur kurz vor Purim eingesetzt, da es an der Beziehung zu Purim anschließt.

Rabbi Jasaja Pieck-Berlin leitet das Verbot zu vergessen daraus ab, dass man mindestens EIN Mal jährlich darüber vorlesen sollte, was Amalek uns angetan hat, da man nach einem Jahr anfängt, zu vergessen (daher zum Beispiel auch, dass das Awejl (Trauer-)jahr nicht länger als ein Jahr dauert).

Aus einem Sefer vorlesen

In Exodus 17:14 steht: „Schreibe dieses als Erinnerung in ein Buch auf oder ein“. Weshalb musste die Parascha Sachor „dawke“, also „ausgerechnet“ in ein Buch oder in eine Pergamentrolle niedergeschrieben werden? Außerdem könnte man sich abfragen, wie die Juden in der Wüste, wo sie doch jedes Jahr verpflichtet waren, die Parascha Sachor vor zu lesen, ihre Mitzwa, ihre Pflicht, haben erfüllen können? (Nicht vergessen, die Wüstenwanderung dauerte vierzig Jahre!). Die Tora wurde immerhin erst am Ende der vierzig Jahre niedergeschrieben?! Deshalb hatte G“tt Mosche die Anweisung erteilt, die Parascha Amalek in einem gesonderten Sefer nieder zu schreiben.

Und wenn man die Parascha Sachor nicht gehört hat?

Was sollte man machen, wenn man die Parascha Sachor nicht gehört hat? Laut dem Magejn Awraham kann man die Pflicht des sich erinnern auch mit der Tora-Vorlesung an Purim selber erfüllen, wo es sich um den Krieg von Amalek gegen das Jüdische Volk handelt (Ex. 17:8 und weiter).

Die Mischna Berura ist mit dem Magejn Awraham jedoch nicht der gleichen Ansicht. Das Wichtigste der Mitzwa ist nämlich daran zu erinnern, was Amalek uns angetan hat und dieses den nachkommenden Geschlechter weiter zu geben, dass wir verpflichtet sind, den Namen van Amalek aus zu löschen. Dieses steht jedoch in der Parascha, die  an Purim vorgelesen wird, nicht beschrieben.

Die Parascha Sachor und die übrigen drei besonderen Paraschot

Rabbo Schlomo Hakohejn aus Wilna (neunzehntes Jahrhundert) zeigt hierzu einen Unterschied zwischen Sachor und den übrigen Paraschot der Arba (vier) Paraschot auf: Sachor unterscheidet sich von den Paraschot Schekalim, Para und Hachodesch, denn diese letzteren die sind nur für die Gemeinschaft eingebracht worden, nicht für das Individuum, dem Einzelnen.

Dieses ist bei der Parscha Sachor anders, denn hierbei besteht für jeden Einzelnen die Verpflichtung, diese Parscha zu lesen. Ist keine Sefer-Tora aus Pergament vorhanden, sollte das Lesen aus einem Chumasch (einer gedruckten Tora) erfolgen. Rabbi Schlomo Hakohejn fügt hier noch an, dass es auch der Brauch des Gaon von Wilna war, die Parascha Sachor und auch die Megilla selber zu lesen.

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Einblicke in Raschi Ständige Wahrnehmung - Parascha Tezawe

Einblicke in Raschi: Ständige Wahrnehmung – Parascha Tezawe

Zollamt des Himmels - Parascha Tezawe

Zollamt des Himmels – Parascha Tezawe