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Kennen wir Glaubenspositionen? – Parascha Waetchanan

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Kennen wir Glaubenspositionen? – Parascha Waetchanan

 

Zehn Gebote


Diese Woche lesen wir wieder über die Zehn Gebote. Für vielen waren die Zehn Gebote immer eine Art von „Jüdischer Dogmatik“ – eine Art Zusammenfassung aller Glaubenspositionen. Aber der berühmte Arzt, Philosoph, Kommentator und Rechtsgelehrter aus dem Mittelalter, Rabbi Mosche ben Maimon, Maimonides (-ides bedeutet “Sohn von”), der von elfhundertfünfunddreißig bis zwölfhundertvier in Spanien und Ägypten lebte, dachte hierüber anders. Denn die Olam Haba, die künftige Welt, die Wiederbelebung der Toten und der Maschiach, stehen nicht klar und deutlich in der Tora.

Die Glaubenspunkte

Die Jüdische Art, zu glauben, ist durch Maimonides kurz, aber kräftig in dreizehn „Einheiten“ in Worten verfasst worden. Diese dreizehn Glaubenspunkte werden in den meisten Tefilot, Gebetbüchern, hinzu gedruckt und bilden auf diese Weise die am häufigsten gebräuchliche Glaubensbegehung des Judentums. Das deutet viel auf Dogmatik.

Maimonides scheint den Glaubensinhalt des Judentums auf eine dogmatische, fast Griechische Art zu behandeln. Viele seiner Kollegen meinten, er würde sich hierdurch außerhalb der Jüdischen Tradition positionieren.

Das Judentum kannte ursprünglich wenig Systematik. Sofort nach dem Tod von Maimonides entbrannte ein heftiger, internen Streit, durch seine Schriften ausgelöst.

Dogma und Tora?

Die Frage, ob das Judentum Dogmas und eine Dogmatik kennt, bildet unter den Jüdischen Gelehrten ein heißes Eisen. Viele besagen, dass jeder Satz, ja, jeder einzelne Buchstabe der Tora, ein unverrückbares Dogma sei.

Die Orthodoxie lehnt eine dogmatische Formulierung der Glaubensinhalte immer mehr und stärker ab als etwas, was das Judentum wesensfremd sei.

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Die Eröffnungsfrage ist noch nicht beantwortet: die dreizehn Glaubensverse scheinen Griechisch-philosophisch inspiriert zu sein.

Ich glaube das nicht. Für Maimonides hatte die Tora eine nicht angreifbare Autorität. Ich bin der Ansicht, dass Maimonides die Sprache und das Denken lediglich im Sinne der Tora stellte. Genau so, wie die Wissenschaft und der Glaube keine Gegensätze bilden müssen, stehen auch Offenbarung und menschliches Denken in harmonischem Verhältnis.

Die Dreizehn

Maimonides hat seine Glaubenssätze in dreizehn Prinzipien zusammen gefasst. Er schließt hiermit an die dreizehn offenbarten Eigenschaften der Gnade G“ttes an, die in Exodus 34:6-7 beschrieben sind: „barmherzig, gnädig, zugeneigt, voller Liebe und Wahrheit, usw.“.

Durch Verwendung der Zahl dreizehn stellte Maimonides seine Glaubenslehre deutlich in das Zeichen der G“ttlichen Gnade, die in den Gebeten von Jom Kippur und den vorhergehenden Slichot (Bitt-Gebeten) eine so mystische Rolle spielen.

Eine schönere Kombination des Irdischen und des G“ttlichen ist fast unvorstellbar: an der niedrigsten Stelle das Höchste, was menschliches Intellekt erreichen kann, dann Oben die G“ttliche Offenbarung und dazwischen der Inhalt des Judentums, der ab der Schöpfung über die Offenbarung auf dem Berg Sinai bis zur Erlösung sich erstreckt.     

 

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