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Wer war dieser Bileam? – Parascha Balak

Wer war dieser Bileam - Parascha Balak
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Moav liegt im Südosten von Israel. Balak, der König von Moav, fürchtete sich vor dem anstürmenden Jüdischen Volk. Die zwei Schutzherren von Moav, die Könige Sichon und Og, waren bereits getötet. Balak heuert Bile’am an, um das Jüdische Volk zu verfluchen. Aber Bile’am wollte nichts ohne die Zustimmung G“ttes machen. Zu den Fürsten von Moav sprach er: „Bleibet diese Nacht hier und wartet. Morgen werde ich Euch eine Antwort geben, entsprechend was G“tt mir sagen wird“.

 

Wer war dieser Bile’am?

Laut dem Midrasch war Bile’am der größte Philosoph der damaligen Zeit. Laut der Kabbala war Bile’am hauptsächlich mit einem „bösen Auge“ ausgerüstet. Überall, wo er hin sah, brachte er Verderben. Der Talmud jedoch besagt, dass die Kraft Bile’ams in seinem theologischen Wissen lag. Er konnte den minimalen Augenblick, an dem G“tt jeden Tag mal böse war, genau erspüren. Dann traf seine Verfluchung auch ihr Ziel.

Andere sagen, dass er hauptsächlich ein Traumdeuter war, aber die Thora zeigt auf, dass er zeitweise ein Prophet war und danach der schwarzen Magie verfiel. Andere Quellen erwähnen, dass er selbst größere Fähigkeiten, als Mosche besaß.

 

Nachmanides (elfhundertvierundneunzig bis zwölfhundertsiebzig) vergleicht Bile’am mit dem Engel, der mit Ja’akov kämpfte und ihn segnete. G“tt wollte bekanntlich, dass das Jüdische Volk auch durch einen nicht-Jüdischen Prophet gesegnet werden sollte. Bile’am scheint dieses selber gewusst zu haben, aber er verbarg diese Absicht vor Balak, seinem Auftraggeber.

Laut ibn Esra (tausendzweiundneunzig bis elfhundertsiebenundsechzig) konnte Bile’am selber nicht segnen oder verfluchen. Er war nur in Astrologie sehr gut. Wenn er in den Sterne sah, dass jemandem etwas Schlechtes geschehen würde, sprach er einen Fluch dagegen aus. Als seine schlimmen Vorhersagungen eintrafen, dachte jeder, er sei ein Prophet. Deshalb war er im Grunde genommen ein Betrüger, der auch Balak von Moav betrog. Da das Jüdische Volk nicht der natürlichen Astrologie unterliegt, erbrachte sein Fluch keinen Zweck, also nicht den erwarteten Erfolg.

 

Don Jitzchak Abarbanel (vierzehnhundertsiebenunddreißig bis fünfzehnhundertacht) meinte, dass die Segnungen Bile’ams als Warnung an die umliegenden Völker gedacht waren. Würden diese sich fürchten, wäre es leichter, das Land zu erobern. Balak, der Bile’am als Prophet kannte, erfasste diese G“ttliche Absicht in den Segnungen nicht. Balak dachte, dass er ihm zu wenig bezahlt hatte, damit er Verfluchen sollte, so dass Bile’am den Juden einen Segen gab, um eine höhere Entlohnung zu erzwingen. Bile’am war der am meisten angesehene Prophet unter den Völkern. Wenn selbst er den Sieg des Jüdischen Volkes vorhersagen würde, würden sie allesamt vor einem Krieg zurückweichen. G“tt wollte lieber, dass die Kana’aniter nicht mit dem Jüdischen Volk Krieg führen sollten.

Auf das man nicht denken würde, dass die Juden Bile’am für mehr Geld gekauft hätten, als Balak gezahlt hatte, ließ G“tt die Eselin sprechen. So wurde jedem klar, dass G“tt aus der Kehle von Bile’am sprach, als er damals das Jüdische Volk segnete und dass dieses eine seriöse Prophezeiung des Sieges war.

 

Nachdem Bile’am seine Aufgabe vollbracht hatte, verschwand seine prophetische Fähigkeit. Er wurde wieder ein schwarzer Magier. Dieses steht auch im Buch Jehoschu’as bei seinem Tod. Seine Prophetie war lediglich eine vorübergehende Angelegenheit, von Oben auferlegt. Ein richtiger Prophet war er nicht.

G“tt erschien ihm lediglich, um Am Jisraejl zu segnen. Bile’am wird wohl ab und zu mit dem „Koch des Königs“ verglichen. Genau wie der zuständige Minister weiß auch der Koch genau, was der König isst. Die Zutaten der Mahlzeit kennt der Koch selber besser. Somit kann man verstehen, dass Bile’am in mancher Hinsicht mehr Zugang zu „den Geheimnissen des königlichen Palastes“ hatte.

Seine Neigung zu Schlechtem und Unreinheit belastete ihn jedoch, um zu einem richtigen Prophet, wie Mosche das geworden war, hin zu wachsen.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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