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Absicht und die Richtung bei den Opferdarbringungen der Vorsitzenden – Parascha Nass...

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Absicht und die Richtung bei den Opferdarbringungen der Vorsitzenden – Parascha Nasso

Absicht und die Richtung bei den Opferdarbringungen der Vorsitzenden

Ich habe ein Problem. Bei jedem G“ttesdienst oder Tätigkeit in der Synagoge machen die meisten Anwesenden das Gleiche. Jeder hat einen Tallit (Gebetsmantel oder Gebetsschal) an, jeder spricht die gleichen Gebete. Ich lege die gleichen Teffilin, die Gebetskapseln und -Riemen, wie Mosche an. Was ist der Unterschied zwischen den Menschen?

Aller Wahrscheinlichkeit nach finden wir diese Woche darauf eine Antwort bei der Einweihung des Mischkan, des Tabernakels.

Am Ende der Parascha wird berichtet, dass jeder Vorsitzender der zwölf Stämme ein Opfer darbrachte. Die Thora wiederholt jedes, identisches Opfer bei jedem Fürsten noch ein Mal. Weshalb? Laut Nachmanides (dreizehntes Jahrhundert) wollten alle Stammesfürsten am selben Tag und gleichzeitig ein Opfer darbringen. Wäre die Erwähnung des ersten Opfers des wichtigsten Stammesvorsitzenden Nachschon, des Sohnes von Amidav, zuerst erfolgt und anschließend bei jedem Stammesvorsitzenden vermerkt „siehe oben“, würde das die Missachtung der Ehre der übrigen Stammesfürsten bezeugen.

Jeder hatte seine eigene individuelle Art, G“tt zu dienen und alle diese besonderen Ziele und Absichten werden in einer getrennten Nennung ersichtlich. Rabbi Simcha Sisel aus Kelm (neunzehntes Jahrhundert) erklärt es wie folgt: Man würde meinen können, dass, da so viele Menschen die gleiche Mitzwa erfüllen, G“tt die Mitzwa eines jeden Einzelnen immer geringer wertschätzt.

Deshalb stehen alle Opferungen mit den selben Einzelheiten immer wieder aufs Neue beschrieben, um uns klar zu machen, dass jedes Opfer in den Augen G“ttes gleich geliebt wurde. Das Gleiche gilt für unsere Gebete.

Aber da ist wohl eine besondere Absicht, ein Vorhaben, dafür nötig. Das Einzigartige jedes Menschen befindet sich überwiegend in seinen Absichten, in seinen Emotionen, seinem Lebensstil und Lebensausrichtung.

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Im Hebräischen wird die Einzigartigkeit eines jeden Einzelnen mit dem Wort „Kawwana“ benannt. Kawwana kann auf verschiedene Weisen übersetzt werden: Gefühl, Emotion, Konzentriertheit oder Zuwendung. Der Stamm des Wortes „Kawwana“ ist „Kivejn“: zielen auf oder darauf ausgerichtet. Dieses lässt den Schluss zu, dass Kawwana „gezieltes Bewusstes“ sei.

Heutzutage kennen wir keine Opferdarbringungen mehr. Die Gebete sind an deren Stelle gekommen. Hierfür ist noch mehr zielgerichte Bewusstheit erforderlich.

In unserer gehetzten, modernen Gesellschaft sieht es so aus, dass wenig Interesse für das Einzigartige des Gebetes besteht. Im eiligen, viel beschäftigten irdischen Leben mancher Menschen scheint ein Gebet, in dem unsere Zuneigung für und Anbindung an den Allmächtigen betont wird, nicht mehr zu passen. Jedoch ist diese Erfahrung, eine „Berührung mit dem G“ttlichen“, auch für den modernen Menschen unverzichtbar.

Rabbi Aryeh Kaplan gibt uns hierzu einige Gedanken mit auf den Weg. Oft werden wir mit Studierenden konfrontiert, die sich darüber beschweren, dass ihnen das Rezitieren von Gebeten sinnlos vor kommt, da unsere tagtäglichen Gebete jeden Tag fast immer den gleichen Inhalt haben. Wie ist es möglich, dass wir drei Mal täglich die gleichen Worte aussprechen und diese Worte doch ihre Bedeutung bei behalten?

Rabbi Kaplan geht auf seine Begegnungen mit Ausübenden von Meditation ein. Meditation besteht unter Anderem aus der andauernden Wiederholung einer Mantra, eines bestimmten Wortes, dass vom Meister verordnet wird. „Ist das alles?“ fragte er. „Das ist alles“ war die Antwort. „Wenn Du andauernd dieselben Worte wiederholst, steigerst Du Dich in einen erhöhten Zustand der Wahrnehmung“. Wir gehen davon aus, dass Meditation nichts mit unserem Verständnis von Dawwenen, vom Gebet hat. Jedoch können wir aus den verschiedenen psychologischen Reaktionen, die Meditation auslöst, etwas von der menschlichen Psyche verstehen.

Wenn das andauernde Wiederholen eines unbedeutenden Wortes einen bestimmten psychologischen Effekt haben kann, darf man auch erwarten, dass das Wiederholen eines BEDEUTUNGSVOLLEN Gebetes einen noch viel stärkeren Einfluss auf unsere Psyche haben wird. Und darum ging es früher bei den Opferungen und beim Gebet heutzutage: die Tiefen unserer Seele erreichen und auf diese Weise der Einzigartigkeit eines jeden Einzelnen einen Rahmen geben.

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