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Moderne Menschen und G’ttes Königtum – ROSCH HASCHANA

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Moderne Menschen und G’ttes Königtum

An Rosch Haschana bitten wir G“tt darum, auf der ganzen Welt zu herrschen. Wir krönen G“tt zum König. Wir beschäftigen uns nicht mit allerlei irdischem Verlangen. Wir anerkennen, dass wir Seine Diener (Untertanen) sind.

In einigen Kreisen ist dieses Konzept der G“ttes Herrschaft leider abgelöst. Man hält nicht mehr viel von vollständiger Unterwürfigkeit.

G“tt als Heiler, als Freund in Zeiten der Not oder als weiser Ratgeber, kann man heute noch akzeptieren. Doch bedingungslose Souveränität und absolute Gehorsamkeit haben in unserer Zeit keinen Platz mehr.

Diese sind jedoch der Inhalt unserer Gebete an Rosch Haschana. Als Diener des Höchsten wollen wir, nicht mehr und nicht weniger, dass G“tt als König geehrt und anerkannt wird. Deshalb sind wir in der Synagoge noch nicht mal in erster Linie mit unseren eigenen Wünschen beschäftigt.

Erst wenn wir nach Hause kommen, sehen wir die Dinge, die uns an unsere „Parnose“, unseren Lebensunterhalt und unseren Erfolg, erinnern. Wir essen einen Apfel mit Honig als Symbol für ein gutes und süßes Jahr und einen Fischkopf, weil wir hoffen, dass wir der Kopf, das Haupt sein werden und nicht der Schwanz.

Mit dem symbolischen Akt sagen wir zu G“tt: Wir möchten IHNEN gerne dienen, als Diener und als Kinder, so wie wir es auch schon die ganze Zeit in der Synagoge getan haben. Aber noch besser wird es uns gelingen, wenn wir gesund sind, Kinder haben und wenn wir die Möglichkeit haben, Geld zu verdienen, um unsere Rechnungen zu zahlen.

Die Verherrlichung der G“ttes Herrschaft über die Welt hat auch sehr persönliche Konsequenzen. Wir können nicht einfach unseren eigenen Erkenntnissen folgen. Dies ist möglicherweise die wichtigste Botschaft der Sidra von dieser Woche Nitsavim:

‘Aber wenn jemand bei der Anhörung der Flüche meint, dass er gesegnet bleiben soll und sagt: ich werde Frieden haben, wenn ich bischrirut libi – in Verstocktheit des Herzens gehe’ – der irrt sich (29:18). Schrirut libi bedeutet: so, wie mir mein Gefühl eingibt.

Dies beschreibt diejenige Persönlichkeit, die trotz aller Warnungen, die Tora nicht ernst nimmt. Mehrmals glauben wir tatsächlich, dass wir selbst entscheiden können, was gut und böse ist. Oft lassen wir uns dabei von unserer eigenen Einsicht leiten.

Dies führt uns zu einer anderen Interpretation von schrirut libi. Man kann es auch lesen wie „serarut libi“. Das bedeutet, dass man durch das Gefühl gesteuert wird. Leidenschaft und Ehrgeiz beherrschen den Menschen. Man wird ‘vom Herzen’ dominiert.

Wenn wir nur unserem Gefühl folgen, sind unsere Emotionen uns überlegen. Das ist die Botschaft von Rosch Haschana: Die Tora bestimmt unser Leben… und nicht unser Gefühl, das aus den niedrigsten Ebenen unserer Seele hervorkommt.

Rosch Haschana ist rein. Wir kommen nicht in die Synagoge, um immer ‘mehr und immer schöner (besser)’ zu bitten, sondern um G“tt zu ehren und die Richtlinien der Tora als unsere ultimativen Lebensregeln anzunehmen. Unsere Wunschlisten lassen wir ebenfalls zu Hause.

Rosch Haschana lehrt uns auch, das Andere zentral zu stellen. Darunter sind auch unsere Mitmenschen gemeint. Das ist der Grund, warum drei besonderen Frauen – Sarah, Rachel und Channah – an Rosch Haschana gedacht werden.

Sie wurden schwanger und bekamen ein besonderes Kind. Alle waren sie altruistisch, (aufopferungsvoll)). Avraham und Sarah sorgten durchgehend für andere. Darum wurde ihr Kinderwunsch erfüllt. Auch Rachel, unsere dritte Erzmutter, wurde belohnt.

Rachel hatte ihre Schwester Leah vor einer großen Schande unter der Chuppa mit Ja’akov bewahrt, durch ihr die Passwörter zu geben, sodass Ja’akov glaubte, dass sie Rachel war.

Auch Channah wird an Rosch Haschana gedacht, da sie nur um der größeren Herrlichkeit des Reiches G“ttes willen ein Kind haben wollte. Sie wünschte sich kein Kind um zu bemuttern, sondern wollte, dass ihr Sohn Schmuel sein ganzes Leben G“tt widmen würde.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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Jeder erhält, was er verdient - Parascha Wajeschew

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