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ROSCH HASCHANA – Parascha Nizawim-Wajelech

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ROSCH HASCHANA – Parascha Nizawim-Wajelech

Parascha Nizzawim Wajelech

Jeden Tag soll die Thora uns so vorkommen, als sei sie heute gegeben worden

Die Thora ist eine andauernde Quelle der Erneuerung und der Vertiefung

Kurz vor Rosch Haschana lesen wir Parscha Nizzavim:

Heute steht Ihr alle zusammen vor HaSchem, Euerem G“tt: Ihr/Euere Stammeshäupter, Ihr/Euere Ältesten, Ihr/Euere Polizeiverantwortlichen, alle Menschen von Israel, Euere Kinder, Euere Frauen, der Fremde bei Euch, der sich Mitten in Euerem Lager befindet, von den Holzfällern bis zu den Wasserschöpfern, um dem Bund mit HaSchem, Deinem/Eueren G“tt bei zu treten, den HaSchem, Dein/Euer G“tt heute mit Dir/Euch unter Sanktionen schließt, wie in den Flüchen ausgesagt, mit der Absicht, um Euch heute zu Seinem Volk auf zu werten, wobei Er Selber Dein/Euer G“tt sein möchte, wie er Euch/Dir versprochen hat und wie ER es Deinen/Eueren Ahnen Awraham, Jitzchak und Ja’akov unter Eid versprochen hat“ (Dewarim/Deut. 29:9-12; frei übersetzt).

Das Flüchtlings-Problem

Interessant in diesen Sätzen ist „die Integration der Fremden, die kamen „um Zuflucht unter den Flügeln der G“ttlichen Majestät zu suchen“ und akzeptiert werden, was erstaunlich genannt werden darf, in Anbetracht der großen Mühen und Probleme, die der Westen heutzutage mit der Flüchtlings-Problematik hat.

Die Einlösung der Zusage von Rückkehr

Weiterhin ist es auffallend, wie HaSchem (G“tt) andauernd an die Zusagen an Am Jisraejl (dem Jüdischen Volk) erinnert und wie denen auch entsprochen wird. Es lässt mich an die Zusage an das Jüdische Volk bezüglich der Rückkehr nach Israel erinnern, die gerade im letzten Jahrhundert zu Stande gekommen ist und wofür wir HaSchem innigst dankbar sind, dass alles dieses heut zu Tage zur Wirklichkeit geworden ist. Wir leben in einer sehr besonderen Zeit, ohne dass wir hier wirklich richtig darüber in Aufregung oder in überschwänglicher Begeisterung geraten.

Keine prächtigen Zukunftsvisionen

Unsere Weisen betonen die Kraft des Wortes „Heute“. Das Judentum ist eine Religion, die sich auf das heute, dem hier und jetzt ausrichtet. Wie verlieren uns nicht in prächtigen Zukunftsvisionen in der kommenden Welt, sondern leben Mitten in der Realität des Alltags. Das Wort heute verwenden wir, um auf zu zeigen, das Inspiration unheimlich wichtig ist und unverzüglich angepackt werden sollte.

Jeden Tag aufs Neue

In unserem Eröffnungspassuk bedeutet „heute“ jedoch nicht nur „unverzüglich, jetzt“, sondern das Wort „heute“ deutet auch unsere Annäherung an die Thora und an das Judentum an. Wir standen nicht nur damals alle vor HaSchem, sondern auch noch heutzutage. Und nicht nur zu Rosch Haschana, sondern eigentlich stehen wir jeden Tag, ja jeden Moment vor HaSchem.

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Dieses geht aus dem Eröffnungpassuk hervor, der am 7. Adar 2488 nach der Schöpfung ausgesprochen wurde. Mosche Rabbejnu spricht über das (Ein)halten der Thora. Er verbietet uns im Rest der Pessukim (Sätze), die folgen, in strengsten Aussagen, um Götzen zu dienen und viele anderen heidnischen Praktiken nach zu gehen. Götzendienst besteht (in etwas subtilerer Art als früher) auch heutzutage noch. Heidnische Vorgehensweisen leider auch.

Thema der Aktualität

Der Midrasch Tanchuma weist eine andere Interpretation des Wortes heute auf: „Jeden Tag soll die Thora uns so vorkommen, als sei sie heute gegeben worden“. Die Thora sollte jeden Tag in unseren Augen neu sein. Jeden Tag schöpfen wir neue Inspiration aus dem Wort von HaSchem. So befiehlt Mosche vierzig Jahre nach der Übergabe der Thora auf dem Berg Sinai im Jahr 2448 seinem Volk, dass HaSchem uns heute angewiesen hat, die Thora zu beachten. Dieses Thema der Aktualität zieht sich wie ein roter Faden durch den Tenach.

Die andauernde Quelle

Alle diese Gebote wurden schon viel früher verfügt oder erteilt. Jedoch heißt es „heute“, denn wir sollten begreifen, dass die Thora nichts anders als das Diktat G“ttes an die Menschheit ist, jeden Tag aufs Neue. Wir stehen jeden Tag mit dem Allmächtigen wieder Auge in Auge, um unsere Verbindung zur Thora und zum Judentum immer wieder mit frischem Mut zu beleben. Dieses ist mit der Thora möglich, da diese von HaSchem stammt. Deshalb ist die Thora eine andauernde Quelle der Erneuerung und der Vertiefung.

erst im Rückblick, sahen sie die Besonderheiten von allem ein

Mosche Rabbejnu spricht zum Volk und erinnert es an die sehr speziellen Wunder, die das Jüdische Volk andauernd begleitet haben: „Aber HaSchem hat Euch kein Herz gegeben, um zu verstehen oder Augen, um zu sehen, bis heute (Dewarim/Deut. 29:3)“. Jeden Tag nehmen wir bewusst G“ttes Anwesenheit wahr. Natürlich begriffen die Bnej Jisraejl in der Wüste unmissverständlich die übernatürlichen Wunder des Manna, das täglich herab fiel, des Wassers, das jeden Tag aus dem Felsen von Mirjam floss und die vielen anderen Wunder, die sie jeden Tag erlebten. Aber erst retroaktiv, im Rückblick, sahen sie die Besonderheiten von allem ein.

immer wiederkehrende Inspiration

Ein berühmter Rosch Jeschiwa, Reb Chaim Schmulevitz, hielt einst eine Drosche über diesen Gedanken der immer fließenden Inspiration, die die Thora uns gibt. Reb Chaim erzählte drei Jeschiwebuchern am Tisch im Speisesaal über den Eifer unsere Talmudischen Weisen von früher. Als einer  von ihnen hörte, wie einer unserer „Gedolim“ (großer Gelehrten) durch sein nicht nachlassendes Thora-Studium eine enorme Höhe erreicht hatte, rannte einer der Jungens sofort vom Esstisch zur Jeschiwa (dem Lehrhaus). Er begann, intensiv zu „lernen“. Er setzte das so Jahre fort und sprach Jahre lang über nichts anders, als über Thora und Talmud. Letztendlich wurde auch er selbst ein großer Talmid Chacham (ein Gelehrter von Bedeutung). Er wurde selbst so berühmt, dass er ein wahrer Gedol Hador (einer der führenden Tora-Gelehrten aus seiner Zeit) wurde. Das Publikum war von der Geschichte tief beeindruckt, die farbig ausgeschmückt und geschmackvoll von Reb Chaim vermittelt wurde.

Nichts vergessen?

Aber nicht jeder war beeindruckt. Einer der Anwesenden fragte Reb Chaim, wie dieser künftige Gedol Hador aus dem Speisesaal weg rennen konnte, anscheinend ohne zu benschen (die Nachberacha über das Essen zu sprechen). Das war in der Tat eine sehr spitzfündige Bemerkung. Aber Reb Chaim ließ sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen: „Du hast tatsächlich Recht. Er vergaß zu benschen. Das ist wahr und unter normalen Umständen nicht gut zu heißen. Aber dieser junge Bocher war über das „lernen“ so begeistert, dass er nicht mehr zu bremsen war durch die plötzliche Inspiration, die ihn erfasste. Würde er inne gehalten haben, um zu benschen, würde er diesen „Fingerzeig“ von Oben verloren haben und er wäre nie mehr mit der gleichen Begeisterung zum Lernen geraten!“.

Dieses ist das Geheimnis der Inspiration. Wenn wir die „Offenbarung von Oben“ nicht sofort ergreifen und damit los legen, geht die Inspiration im Strom unserer tagtäglichen Belastungen verloren. Leider, aber wahr…

Mosche Rabbejnu bespricht mit uns, wie wir mit dem ewigen Fluss von Inspiration umgehen sollten. Wir erhalten viele Signale von Oben. Aber manchmal haben wir „nicht das Herz, um zu verstehen, oder die Augen, um zu sehen“, was wir mit machen. Das Schwierigste ist, die Inspiration zur Wirklichkeit gelingen zu lassen, indem wir unverzüglich die Gelegenheit ergreifen, von dieser höheren „Erleuchtung“ Gebrauch zu machen und diese zu aktualisieren. Jetzt, sofort, heute…  

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