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SIEBEN ODER ACHT TAGE: Wie lange dauert Chanukka?

SIEBEN ODER ACHT TAGE CHANUKA
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WAS IST CHANUKA EIGENTLICH?

Der Talmud (B.T. Shabbat 21b) fragt, warum wir Chanuka feiern und warum wir zu Ehren Chanukas acht Tage lang Lichter anzünden:

WAS IST CHANUKA und warum zünden wir den Chanuka Leuchter an? Und als Antwort auf diese Frage zitiert der Talmud eine Barajta (mündliche Tradition) aus dem neunten Kapitel von Megillat Ta’anit:

WIR HABEN IN EINR BARAJTA GELERNT: “AM 25ten KISLEV, AN DEN ACHT TAGEN VON CHANUCKA, AN DENEN ES VERBOTEN IST, EINE HESPED (Trauerrede) FÜR EINEN TOD ZU HALTEN UND SO ES AUCH NICHT ERLAUBT IST ZU FASTEN. ALS DIE GRIECHEN IN DEN TEMPEL DRANGEN VERUNREINIGTEN JENE ALLE ÖLE DER MENORA, DEM LEUCHTER WELCHER IM TEMPEL BRANNTE.“

Das Folgende ist ein Zitat aus dem Midrasch Bereschit Rabba, Kap. 99:

“Und als die Regierung des Hauses der Chaschmonaim stärker wurde, besiegten die Chaschmonaim jene Griechen. Sie durchsuchten den Tempel, um zu sehen, ob noch sauberes Öl vorhanden war, UND FANDEN NUR EINEN KRUG ÖL, MIT DEM SIEGEL DES HOHEPRIESTERS (kohen gadol). DIE MENORA IM TEMPEL KÖNNTE HIERMIT NUR EINEN TAG BRENNEN, ES WAR EIN WUNDER UND DIE MENORA BRENNTE DENNOCH FÜR ACHT TAGE, Im folgenden Jahr wurden diese Tage als Feiertage definiert und DEM LOB UND DEM DANK GEWIDMET.

SIEBEN ODER ACHT TAGE CHANUKA?

Es wurde viel darüber geschrieben, warum acht Tage Chanuka gefeiert werden und nicht sieben. In der gerade besprochenen Talmudstelle ist der Grund für das Feiern von Chanuka, dass der Öl Krug, den die Chaschmona’im (Makkabäer) bei der Tempelbefreiung gefunden hatten, acht Tage lang brannte, obwohl der Krug nur Öl für einen Tag enthielt.

Die Frage ist nun, warum wir acht Tage lang Chanuka feiern, da es am ersten Tag kein Wunder gab, weil genug reines Öl im Glas war.

Viele Antworten

Auf diese Frage werden viele Antworten gegeben, von denen einige noch folgen werden.

Die erste Antwort ist, dass der erste Tag von Chanuka als Yom Tov gefeiert wird, weil der endgültige Sieg über den Feind am 25. Kislew 164 vor der normalen Ära erreicht wurde. Auch an Purim wird der Tag gefeiert, an dem der Feind besiegt wurde. Die verbleibenden sieben Tage sind auf das Wunder des Ölkrugs zurückzuführen, der mit einem Siegel des Hohenpriesters (Kohen Gadol) gefunden wurde.

Die zweite Antwort ist, dass es schon ein Wunder war, dass ein weiterer Krug reines Öl mit einem Siegel des Hohepriesters (Kohen Gadol) gefunden wurde. Das war der Grund, den ersten Tag zu feiern, nach dem sieben weitere Tage hinzukamen, da das Öl anscheinend viel länger zu brennen schien als möglich war aus einem einzigen Krug.

Eine dritte Antwort ist, dass das Öl des gefundenen Kruges in acht kleine Mengen aufgeteilt wurde, sodass es jeden Tag genug Öl gab, um die Menora für kurze Zeit brennen zu lassen. Es dauerte acht Tage, um neues reines Öl herzustellen. Nach dieser dritten Antwort war das Wunder, dass jeden Tag ein bisschen Öl die ganze Nacht hindurch brannte.

Eine vierte Antwort besagt, dass das Wunder sofort sichtbar war, als das Öl aus dem Krug in die Menora gegossen wurde. Das Ölkrug blieb voll, so dass das Wunder schon am ersten Tag geschah.

Eine fünfte Antwort: Jeden Morgen (auch am ersten Morgen) stellte sich heraus, dass die Menora vollständig mit Öl gefüllt war, obwohl sie die ganze Nacht gebrannt hatte. So dauerte das Wunder acht Tage.

Nach einer sechsten Stellungnahme wurde Chanuka nicht nur wegen des Wunders mit dem Ölkrug eingesetzt, sondern auch, weil es am achten Tag nach der Geburt erneut erlaubt war, die Brit Mila (Beschneidung) durchzuführen. Unter anderem hatten die griechischen Hellenisten die Brit Mila verboten, was für das jüdische Volk eine sehr schwierige Prüfung war. Nach dem Sieg der Chaschmonaim war das jüdische Volk besonders froh, die Brit Mila wieder durchführen zu dürfen, und dies wäre der Grund, warum das Chanuka-Fest acht Tage dauert.

Eine siebte Erklärung besagt, dass die Menschen jede Nacht sehr dünne Dochte machten und dass jeden Abend nur ein wenig Öl in die Menora gegeben wurde, damit sie vielleicht die ganze Nacht mit einer kleinen Flamme weiter brennen konnte. Das Wunder war, dass jede Nacht eine sehr große Flamme brannte, so dass man von einem Wunder von acht Tagen sprechen konnte.

Eine achte Erklärung besagt, dass die Steingutwand des Gefäßes, in dem das Öl gelagert war, etwas von diesem Öl absorbiert hatte. Am Ende stellte sich heraus, dass nicht einmal genug Öl für einen Tag vorhanden war. Deshalb war das Verbrennen der Menora am ersten Tag auch ein Wunder.

Nach einer neunten Meinung wurde das gesamte Öl direkt in die Menora gefüllt und jeden Tag nur wenig verbrannt. Diese neunte Antwort ist ein Gedanke von Rav Chaim Soloveitchik (1853-1918, auch bekannt als Rav Chaim Brisker) z.1. (zichrono liweracha – sein Andenken sei gesegnet). Rav Chaim Soloveitchik glaubt, dass diese Antwort die einzig richtige ist, denn wenn das Öl am ersten Tag verbrannt wäre, hätte man die verbleibenden sieben Tage von Chanuka kein Olivenöl verbrannt, aber die Menora hätte auf wunderbare Weise gebrannt. Laut Rav Chaïm Brisker handelt es sich dabei dann nicht um ein Feuer, und die Menora wäre auf ungeeignete Weise (pasul) gebrannt haben.

Rav Simcha Ziesel aus Kellem s.And. – Der folgende Gedanke dient als Erklärung: Die Hellenisten wollten, dass die Juden glauben, dass alles durch Zufall geschieht und die Natur den Ablauf der Ereignisse automatisch reguliert. Sie wollten, dass die Juden G´tt als Herrn und Anführer der Welt vergessen. Einige Juden glaubten dies tatsächlich, aber als sie das Wunder mit dem Krug Öl sahen, begriffen sie, dass G-tt sich mit jedem Detail der Natur befasst und dass es tatsächlich keinen Unterschied zwischen dem normalen Verlauf der Natur und Wundern gibt.

Dass das Öl brennt, ist ein Wunder an sich. Weil wir jeden Tag Feuer brennen sehen, so halten wir es nicht länger für ein Wunder. Nur wenn etwas Übernatürliches passiert, nennen wir es ein Wunder. In der Natur geschehen jedoch ständig Wunder.

Unsere Chachamim (Gelehrten) wollten uns lehren, dass die Natur auch ein kontinuierliches Wunder ist. Aus diesem Grund haben sie auch den ersten Tag als gesetzlichen Feiertag festgelegt, um zu verdeutlichen, dass wir die Hand von G’tt in etwas so Natürlichem wie brennendem Öl sehen können.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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