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Unauffälligkeit ist Derech Eretz

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Unauffälligkeit ist Derech Eretz

Frage:
Die Torah sagt doch – אל תהא ער בין הישנים -, also dass man inmitten der Schlafenden nicht munter bleiben soll. Warum ist Dovid Hamelech dann nachts aufgestanden und hat (Torah) gelernt?

Antwort:
Es gibt irgendwo eine Aussage, nicht in der Torah, aber es ist irgendein Ausspruch, wo es heißt, dass man inmitten der Schlafenden nicht munter sein soll. Das heißt, dass man keinen Lärm machen darf, wenn man auf der Straße unterwegs ist, während die Leute nachts schlafen. Man soll also nicht erkennen lassen, dass man wach ist. Manche Leute stehen frühmorgens auf, stellen sich an die Straßenecke und rufen dann laut über die Straße: “Hallo Jerry!” Doch vielen Menschen, die nachts nicht schlafen konnten und die dann morgens noch ein wenig eingenickt sind, würde es das Leben retten, wenn sie noch diese eine Stunde weiterschlafen könnten; aber plötzlich steht da dieser Rüpel an der Straßenecke, missachtet die Bedürfnisse anderer Leute und weckt sie auf.

Nun gibt es viele NichtjudenJuden genauso wie Nichtjuden – die morgens auf der Straße herumstehen, herumschreien und Lärm machen. Aber auch fromme Juden – ja, sogar die frommen Juden – machen manchmal solche Fehler. Wenn man mit jemandem durch eine verschlafene Gasse geht und Divrei Torah sprechen möchte, dann muss man im Flüsterton sprechen. Ich ging einmal mit einem älteren Rabbi auf einer verschlafenen Gasse spazieren. Er redete lautstark. Ich sagte: “Pssst!” Ich habe es zuerst nur einmal gesagt. Er hat es aber nicht verstanden. Ich sagte es daher noch einmal: “Pssst!” Aber er hat es einfach nicht kapiert. Er hat nie in solchen Jeschiwas gelernt, wo sie darüber gesprochen haben.

Da, wo ich gelernt habe, haben sie darüber gesprochen. Reb Yisroel sagte: Wenn man den Leuten den Schlaf stiehlt, dann ist man ein genauso schlimmer Dieb wie jeder andere Dieb auch. Und es macht einen großen Unterschied, denn wenn man Schlaf stiehlt, kann man nicht mekayem die Mitzwa von Hashava (realisieren). Man kann diesen Schlaf ja nicht zurückgeben. Wenn die Leute also schlafen, dann benimm dich nicht so, als seist du derjenige, der inmitten von ihnen wach ist. Wenn du wach bist, darfst du das nicht zeigen.

David Hamelech war wach, als alle anderen schliefen, aber er machte keinen Lärm. Er saß in seinem Zimmer, lernte Torah und sang die ganze Nacht zu seiner Harfe Lieder für Hakodosh Boruch Hu. Und er hat niemandem Unannehmlichkeiten bereitet.

Das bedeutet im Allgemeinen, dass man eben nicht probieren sollte, aufzufallen. Versuche, dich an die Leute anzupassen. Hier geht es nicht darum, den schlechten Stil böser Menschen zu übernehmen; etwa dass man, nur weil jeder Landstreicher ausgefranste Jeans trägt, das nun auch tun sollte. Nein, da muss man ein Yehudi sein, man muss Rückgrat haben. Man muss diese Dumpfbacken verachten, die keinen Verstand haben und die nur der Masse folgen. Von so etwas spreche ich nicht. Aber wenn du dich zu den anständigen Menschen zählst, dann versuche nicht zu zeigen, dass du ein Vitzidkasha bist, dass du frecher bist als sie. Sei unauffällig! Wenn du ein Zadik sein willst, dann tue die Dinge auf eine unauffällige Art und Weise.

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Die Gemara ist voller Ermahnungen gegen Dinge, die mechzei ki’yuhara sind; das heißt also, dass man nichts tun soll, was nach Überheblichkeit aussieht. Selbst wenn es keine Überheblichkeit ist und deine Absichten rein sind, so sehen manche Dinge dennoch manchmal wie Überheblichkeit aus. Also gib nicht an und versuche nicht, irgendwie anders als andere Leute zu sein; versuche stattdessen, wie alle anderen zu sein; versuche, dich den Gegebenheiten anzupassen. Wie die Gemara sagt: לעולם תהא דעתו של אדם מעורבת עם הבריות – der Geist eines Menschen sollte immer in Übereinstimmung mit den anderen Leuten sein. Das heißt nicht, dass man seine Prinzipien aufgeben sollte. Ganz und gar nicht. Aber vordergründig, also um den Anschein zu erwecken, sollte man zeigen, dass man mit den Leuten mitgeht.

Nehmen wir einmal an, dass du in einer Nusach-Aschkenas-Gemeinde betest; und es ist Montag oder Donnerstag. Falle nicht gleich nach Chazaras Hashatz ins Tachanun. Sage V’hu Rachum mit den Leuten und gehe dann mit ihnen ins Tachanun. Der Mann, der montags und donnerstags vor V’hu Rachum ins Tachanun fällt – und der dann sagt „Ich bin Nusach Sefard“ – dieser Mann ist ein Chatzuf; er hat keinen Derech Eretz.
Das Gleiche gilt, wenn du in einem Nusach Sefard im Minjan betest und es Montag bzw. Donnerstag ist; und sie machen Tachanun vor V’hu Rachum, dann mach das genau so mit ihnen mit.

Der Chatzuf, der in eine litauische Shul kommt und “vi’yatzmach purkanei” sagt, verdient es, eine Rüge zu bekommen. Tu das nicht, gib ihm keine Rüge, aber er hätte sie verdient. Er ist ein Chatzuf. Denn was würde passieren, wenn du zu einem chassidischen Minyan gehen würdest und du vi’yatzmach purkanei auslassen würdest? Du würdest eine Rüge bekommen!

Also, wo immer du bist, da musst du dich anpassen. Du musst dich an die dortigen Regeln halten! Wenn du Ki’gavnah sagen willst, während die Leute Bameh Madlikin sagen, dann tu das leise. Aber zeige es nicht. Was auch immer du tust, versuche, dem Minhag des Ortes zu folgen, das nennt man Derech Eretz. Das ist eines der großen Prinzipien: -לעולם אל תהיה ער בין הישנים ואל תהיה ישן בין הערים – Zeige nicht, dass du inmitten der Schlafenden wach bist bzw. dass du inmitten derer, die wach sind, schlafen gehst.

TAPE # 175

*Übersetzer: Anonym
*Bildautor: Anonym

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