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VON JOM KIPPUR ZU SUKKOTH: die Herbstmanöver

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VON JOM KIPPUR ZU SUKKOTH: die Herbstmanöver

Dieses Jahr fiel Jom Kippur auf den 27. (abends) und 28. September und Sukkoth Anfang Oktober (am 2. abends und 3. bis einschl. 11. Oktober). Es ist schon Herbst! Und doch sitzen wir wieder in unseren Laubhütten. Die Thora gibt vor, dass wir sieben Tage „in Hütten (Sukkoth) wohnen sollten, damit Euere Nachkommen wissen sollen, dass ICH die Kinder Israels in Hütten habe wohnen lassen, als ICH sie aus dem Land Ägypten herausgeführt habe“ (Wajikra/Lev. 25:42-43). In Israel ist es noch warm, hier fängt es schon an, ganz ordentlich kühl und regnerisch zu werden. Aber wir bleiben trotz unserer zeitlichen Behausung positiv und optimistisch. Das ist das Judentum in einer Nussschale. Das ist unser „lifestyle“: es immer wieder vermitteln, den Glauben am Leben und Perspektive und neue Horizonte erblicken.

Der Schulchan Aruch, das Jüdische Gesetzbuch, weist uns an, sofort nach Beendigung von Jom Kippur die Sukka (die Laubhütte) zu erstellen, um somit das neue Jahr sofort gut an zu fangen. „Vertage eine Mitzwa (ein Gebot) nie“ warnen uns die Chachamim (die Weisen). Einige sind noch schneller und erstellen deren Sukka schon vor Jom Kippur, um nicht mit „leeren Händen“ am großen Versöhnungstag da zu stehen, dem Tag, an dem unser Schicksal für das kommende Jahr besiegelt wird.

Uschpisin

Aber was lehrt uns Sukkoth? Welche tiefen-psychologische Lehren können wir aus der wackeligen Laubhütte und aus dem einfachen Palmzweig ziehen? Zu Sukkoth gehören „Uschpisin“, das Aramäische Wort für Gäste, dazu. Laut der Tradition wird jeder in der Laubhütte durch seine Vorfahren besucht. Der Gedanke der „Uschpisin“ geht zurück auf das mystische Werk den Sohar: „Wenn jemand in der Sukka sitzt, breitet die Schechina (die G“ttliche Präsenz) ihre Flügel über die Sukka aus, gemeinsam mit Awraham und den fünf Tzaddikim (Gerechten) – Jitzchak, Ja’akow, Jossejf, Mosche und Aharon – und König David“.

Eine der wichtigsten Erfahrungen zu Sukkoth ist, dass wir unsere ständigen Wohnungen verlassen und uns dem G“ttlichen Schutz übereignen. Jeder der sieben genannten Gerechten steht hiervor symbolisch. Awraham verließ die Stadt Ur, um eine Reise zu unternehmen, auf der er von G“tt beschützt wurde. Jitzchak musste, durch eine Hungersnot dazu gezwungen, bei den Philistern sein Dasein wählen. Ja’akow musste vor seinem Bruder Esaw fliehen und begab sich zu seinem Onkel Lawan als seine neue Bleibe.

Tiefen-psychologisch entsprechen die sieben Rechtschaffenen den Eigenschaften, die wir HaSchem zuschreiben. Awraham steht symbolisch für Chessed (Nächstenliebe), Jitzchak für Gewura (Kraft) und Ja’akow symbolisiert das Ideal der Thora einer ausgewogenen Persönlichkeit, bei der die Nächstenliebe und die religiöse Kraft im Gleichgewicht sind (Tiferet). Diese sieben Eigenschaften sind auch mit den Sefirot, den unterschiedlichen Sphären-Ebenen oder Größenordnungen dieser Welt aus der Kabbala, der Jüdischen mystischen Philosophie, verknüpft. Es sind die sieben Aspekte der Art, wie G“tt mit Seiner Schöpfung verfährt.

Sukka und Lulaw

Aber dieses alles erklärt noch nicht, weshalb wir in der Sukka sitzen und den Lulaw (den Feststrauß) schütteln sollen. Raw Yisroel Miller hat eine Anzahl interessanter Gedanken entwickelt, die Sukka und den Lulaw betreffend. Zunächst ist die Übersetzung des Wortes Sukkoth problematisch. Bedeutet das wirklich Hütten? Vor 3333 Jahren wohnten unsere Ahnen in der Wüste in Zelten, nicht so sehr in Hütten. Anscheinend können wir Sukkoth besser übersetzen als Schutz oder Schutzbereich. Dieses deutet dann auf die G“ttlichen Wolken, die uns während der vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste schützten. Diese Wolken, die Ananej Kawod, beschützten uns an allen Ecken: von oben gegen die Hitze, von unten gegen Schlangen und Skorpione und seitlich gegen die Pfeile und Steine unserer Feinde. Im heißen Wüstensand dienten die G“ttlichen Wolken auch als die erste Klimaanlage in der menschlichen Geschichte. Unter diesen G“ttlichen Wolken war der Aufenthalt in der glühenden Sonne tagsüber herrlich und bei Kälte unter Null Grad nachts ebenfalls.

Eine feste, solide Sukka?

Aber wenn wir uns in unseren Sukkoth an diesen allumfassenden Schutz erinnern möchten, dann hätten unsere Sukkoth keine wackeligen Hütten sein dürfen, sondern dann hätte die Halacha (das Jüdische Gesetz) vorgeben sollen, dass unsere Sukkoth ganz feste Wohnungen hätten sein müssen, genau wie der G“ttliche Schutz wie ein Fels in der Brandung ist. In der Wüste wurden wir von allen Seiten beschützt. Weshalb ist dann bei uns nur noch das Sechach – die Dachabdeckung aus Schilf oder aus Laub – wichtig? Alle vier Wände hätten auch aus Laub, Zweigen und Blättern sein sollen? Aber das ist nun auch wieder nicht erforderlich!

Noch ein anderer Aspekt dieser Wolken war, dass sie uns auch – als eine Wolke tagsüber und als eine Feuerfackel nachts – wie ein Fremdenführer durch die unwegsame Wüste vorausgingen. Zu jedem beliebigen Augenblick konnte die G“ttliche Wolke aufbrechen. Das Volk musste dann mitziehen. Niemand wusste, wann man aufbrechen würde, was das Reiseziel sei und wie lange die Reise dauern würde.

Ist diese grundlegende Ungewissheit vielleicht auch ein Bestandteil der Sukka-Erfahrung?

Ungewissheit wo G“tt uns im Laufe der menschlichen Geschichte hinführt

Genau wie die Juden in der Wüste, wissen wir auch nicht, wo G“tt uns im Laufe der menschlichen Geschichte hinführt. Wir glauben, dass jede geistige oder körperliche Reise, jede spirituelle oder physische Strecke, die uns G“tt zurücklegen lässt, zu unserem Besten sei. Wir verstehen schon lange nicht immer, wofür es gut sei, aber letztendlich endet es immer zum Guten, wie unverständlich oder unverdaulich unsere Herausforderungen auch sei mögen. Tatsächlich hätte ein Tzaddik (jemand auf höchster Ebene geistiger Perfektion) vielleicht eine Sukka haben müssen, nur aus Zweigen und Laub bestehend, aber die Thora spricht für den Durchnittsjuden.

HaSchem li, lo ira

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Für den Durchschnittsmenschen gilt, dass er sich auf das Sechach, auf das Dach aus Zweigen, dem Symbol dieser höchsten Wolke, die ebenfalls als Wegweiser des Jüdischen Volkes diente, zu konzentrieren hat. Wenn wir es verstehen, dass wir in Auftrag von HaSchem weitergehen, sind wir schon auf dem richtigen Weg. Wir wissen nicht, wohin das Leben uns führt, wir sind über unsere Zukunft am Zweifeln. Aber EINE Sache ist sicher: wenn wir HaSchem folgen, „lo ira“, brauche ich mich vor nichts zu fürchten. Das Sechach ist dünn und nicht wasserdicht. Insekten und anderes Getier können da durch. Es kann unangenehm sein, aber HaSchem zieht uns durch unsere Herausforderungen und Schwierigkeiten hinweg. Das ist die Lehre der zerbrechlichen Laubhütte.

Mit wenig zufrieden

Wir haben keine Geduld und sind oft sehr unzufrieden. Wir begreifen oft nicht, dass wir auch mit weniger sehr glücklich sein können. Während der ersten zehn Tage des Monats Tischri klopfen wir uns fest auf unsere Brust „al chejt“ – wegen unserer Sünden. Wir klopfen an die Türe unseres Himmlischen Vaters an, Der gerade in Tischri wie ein König auf dem Feld ist: „Suche HaSchem, wenn ER SICH finden lässt“. Wir klopfen voller Überzeugung auf unser Herz und auf die Himmelspforten, aber wir haben oft nicht die Geduld, zu warten, bis der König Selber öffnet. Wir sind schon wieder von der Türe des Palastes weg, da wir mit unseren irdischen Sorgen viel zu sehr beschäftigt sind. Jeden Morgen sprechen wir „kawej el HaSchem“ hoffe auf G“tt. Wir sollten Geduld aufbringen. „Gute Dinge wollen Weil haben“, sagt ein Sprichwort. Der König öffnete an Jom Kippur. Die fünf Gebete von Jom Kippur haben uns vollkommen gesäubert. HaSchem öffnet mit einem Lächeln. Wie können wir das beantworten? Mit Simcha, mit aufrichtiger Freude über alles und mit allem. Anschließend wechseln wir über in Seman Simchatejnu, der Zeit unserer Freude, Sukkoth.

Freude

Wann dürfen wir froh sein? Wer ist reich? Der, der mit seinem Anteil zufrieden ist.   

Selbst wenn es nicht so geht, wie wir es uns erträumt haben. Möchten wir wirklich „steigen“ – eine aufsteigende Linie von Religiosität? Lies dann in Pirkej Awot (6:4) mit: „So ist es auch mit dem Thora-Studium: iss Brot mit Salz, trinke Wasser genau zugeteilt, schlafe auf dem Boden und führe ein Leben voller Entbehrungen. Setze Dich aber andauernd für das Thora-Studium ein. Wenn Du so verfährst, dann bist Du glücklich und es geht Dir gut. Glücklich wirst Du in dieser Welt sein und es geht Dir in der künftigen Welt gut“. Nicht wenig: wir erben beide Welten mit dieser Einstellung!

Die Pirkej Awot (die Sprüche der Väter) bedrängen uns nicht dazu, uns von unserem Reichtum zu entfernen und ärmlich zu leben, um Thora zu lernen. Wir kennen kein Gelübde für Armut. Die Pirkej Awot wenden sich nur zu denjenigen, die bereits in extremer Armut leben und sagen „selbst wenn Du nicht mehr als eine trockene Brotkruste hast, um diese in Salz zu tauchen, vergiss dann doch nicht, Thora zu lernen“. Jemand, der reich ist, hat sich dann gerade sicherlich mit dem Thora-Studium zu befassen.

Was wir uns bewusstwerden sollten, ist, dass wir unser geistiges Wachstum nicht vertagen dürfen, bis sich unsere wirtschaftlichen Gegebenheiten verbessern. Wir sind dann wahrscheinlich den Rest unseres Lebens damit beschäftigt, zu versuchen, unsere materielle Ebene auf Kosten des Thora-Lernens und emotionalem Wachstums zu verbessern. Die letztendliche Folge wird dann sein, dass wir diese Welt, ohne Thora, verlassen werden.

Himmlisch

Die Sukka lässt uns zum Himmel hochschauen. Wir brauchen uns über unsere Kowed (Ehre) keine Sorgen zu machen. Die Ehre und das Glück sind der Erfolg von dauerhaftem, eng zusammenhängendem Thora-Studium. Die Freude über das Thora-Studium ist nicht immer sichtbar oder fühlbar. Es ist eine überirdische Belohnung, die letztendlich mehr von der Seele, als vom Körper genossen werden kann. Für den Körper ist das Thora-Studium manchmal selbst schmerzhaft und schwer, wie es der Talmud selbst besagt: „Das Thora-Lernen schwächt den Menschen“. Aber wir sollten begreifen, dass wir nicht auf diese Welt gekommen sind, um zu ruhen oder zu entspannen, sondern um zu arbeiten. Wir haben uns so zu verhalten, als ob wir angemietete Arbeitskräfte wären, wie es steht: „wir sind Tagelöhner“ (B.T. Eruwin 65a) und wie Soldaten an der Front, die schnell essen, unregelmäßig schlafen und immer zur Schlacht bereitstehen, im dauerhaften Kampf gegen unsere Jetzer Hara (materielle Geneigtheit). So steht es auch geschrieben: „ein Mensch ist geboren worden, um zu arbeiten“ (Hiob 5:7).

Die richtige Einstellung

Wenn man sich an diesen Lebensstil gewöhnt hat, wird man die Religion nicht so beschwerlich empfinden, da man die richtige Einstellung hat. Dieses ist der Geist, in dem die Chachamim sprachen: „Dieses ist der Weg der Thora –iss Brot mit Salz“. Diese Disziplin bedeutet, von Luxus und Freude ab zu sehen. Unsere Liebe zu und unsere Bindung an die Thora sollten so tief reichen, dass wir uns nicht mal das Fehlen an Luxus oder der vorhandenen schwierigen Lebensbedingungen bewusstwerden. Die wahre Kraft der Thora befindet sich in der Tatsache, dass sie ihren Schülern die unbeirrbare Ruhe verleiht, das Leben mit Frohsinn und Glück, in Mitten von Mangel, zu genießen.

Einsatz erforderlich

Die Sukka lehrt, dass kein Leben nun mal problemlos verläuft. G“tt verlangt nicht von jedem von uns die gleiche Ebene von Thora-Wissen, aber erwartet wohl, dass wir uns maximal dafür einsetzen, Thora-Kenntnisse zu erlangen. Die Ergebnisse werden von unserem Einsatz anhängen. Sukkoth feiern wir im Monat Tischri – am Anfang der Regenzeit – um den Unterschied zwischen diesem Festtag und allen anderen Jamim Towim (Festtage) zu verdeutlichen. Alle andere Jamim Towim erinnern an geistige Ereignisse – Freiheit, Offenbarung und Vergebung. Aber an Sukkoth steht die Zufriedenheit mit unseren irdischen Segnungen im Mittelpunkt, dem Himmlischen im Irdischen.

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