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Warum folgt die Bitte von Mosche um die Nachfolge unmittelbar auf die Bitte der fünf Töchter von Tselofchad? – Parascha Pinchas

Warum folgt die Bitte von Mosche um die Nachfolge unmittelbar auf die Bitte der fünf Töchter von Tselofchad - Parascha Pinchas
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בסייד

Parascha Pinchas  (Bemidbar/Numeri 25:10 – 30:1)

 

Pinchas verstieß mit seiner klaren Handlung gegen die Spähre der “permissiveness”. G’tt bietet ihm einen “brit schalom” an – einen Friedensbund. Ist das Frieden? Manchmal muss eine Führungskraft hart durchgreifen, um die Einheit zu wahren. Es ist eine aktuelle Frage, vor allem in Israel in den letzten 70 Jahren. Was ist wichtiger? Frieden oder Gerechtigkeit? Wenn man zu grausamen Menschen zu freundlich ist, wird man auf Dauer zu hart zu den Menschen sein, die eigentlich Mitgefühl verdienen. Manchmal muss man es wagen, echte Führung zu zeigen.

Liebe zum Land

Warum werden die Töchter von Tselofchad in der Tora erwähnt? Mit ihrer Forderung nach einem eigenen Erbteil im Land stellten sie sich gegen die ablehnende Haltung ihrer Zeitgenossen. Sie waren kritisch und wollten nicht nach Israel gehen. In der Wüste verherrlichten sie Ägypten. 

Mut

Aber die Töchter von Tselofchad waren mutig und entschlossen. Sie glaubten an Israel als eine Zukunft für das Jüdische Volk. Awraham hatte den Mut, sich gegen den Zeitgeist zu stellen. Die Liebe der Töchter von Tselofchad zum Land war so besonders im Kontext des Stroms der Kritik am Heiligen Land. Und weil sie um ihr Erbe besorgt waren, begann auch Mosche, über sein geistiges Erbe nachzudenken.

Sollen seine Kinder seine Nachfolge antreten?

Wer würde sein Nachfolger werden? Sollten nicht seine Kinder seine Führungsrolle übernehmen? Damit erklärt der Midrasch, warum in der Tora auf die Bitte der Tselofchad-Töchter unmittelbar die Bitte Mosches folgt, für einen Nachfolger zu sorgen. Der Midrasch berichtet, dass Mosche wollte, dass seine Söhne seine Führungsrolle übernehmen.

Wörtlich sagte Mosche zu sich selbst: “Ich muss endlich etwas für meine eigene Familie tun”. Aber G’tt hat sich geweigert. Er hielt Mosches Söhne nicht für würdig.

Jehoschu’a sollte Mosches Nachfolger werden. Er wich nie von Mosches Seite, war gelehrt und würdig, obwohl er kaum in Mosches Schatten stehen konnte.

Das spirituelle Erbe des Jüdischen Volkes

Wenn Mosche tatsächlich ein so großer Prophet und so bescheiden war, konnte er dann nicht selbst erkennen, dass seine eigenen Kinder nicht qualifiziert waren, seine Nachfolge anzutreten?

Natürlich verstand er besser als jeder andere, dass Gerschom und Elieser niemals die geistigen Anführer von Am Jisra’el werden konnten. Er wusste besser als jeder andere, dass G’tt nein sagen würde. Dennoch wollte er fragen. Hätte er nicht gefragt, wäre ein wichtiges Anliegen des spirituellen Erbes des Jüdischen Volkes unterbelichtet geblieben.

Ein Musterprozess führt dann zu Klarheit

Das Entscheidende ist, dass Mosche ein klares Nein vom Allmächtigen hören wollte. Dies war ein entscheidender Punkt. Wichtige Fragen werden manchmal – auch in den Niederlanden – dem Hohen Rat, dem höchsten Gericht der Niederlande, zur Entscheidung vorgelegt. Die Menschen wollen die Wahrheit hören. Deshalb wird oft ein Testfall eingerichtet, um zu sehen, wie die klügsten Juristen darauf reagieren. Ein Musterprozess führt dann zu Klarheit.

Tora-Führerschaft kann nicht vererbt werden

Mosche wollte ein für alle Mal klarstellen, dass die Führerschaft der Tora nicht vererbt werden kann. Sie muss aus eigener Kraft bewiesen werden. Gelingt das nicht, geht sie auf eine andere Person über. Jichus (Abstammung) zählt nicht. Der Sohn des größten am-ha’arets (Analphabet) kann Gedol Hador werden – der größte Tora-Gelehrte der Generation.

Drei Kronen

Nach Maimonides gibt es im Judentum drei Kronen: die Krone der Monarchie, die Krone der Kehuna (Priesterschaft) und die Krone der Tora. Kehuna kann nur vererbt werden. Es gibt keinen anderen Weg, Kohen zu werden. Auch das Königtum wurde vererbt.

Aber die Krone der Tora muss man sich durch Geduld, `Sitzfleisch’, Frömmigkeit und Beharrlichkeit zu eigen machen. Man kann von einem Rabbinischen Vater lernen, aber am Ende muss man es selbst “machen”.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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